Pharmazeutische Zeitung online
Pharmaweekend

Fortbildungskongress für Studenten

21.06.2010  13:27 Uhr

BPhD / Zum diesjährigen Pharmaweekend ging es Anfang Juni in die Stadt der Lederhosen und Dirndln – nach München. Dieses Jahr stand das Pharmaweekend ganz unter dem Thema »Adipositas und das metabolische Syndrom«.

Nach dem Einchecken am Freitagnachmittag im Haus International ging es in die Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) München, wo der sehr grüne, gepflegte und moderne Campus dem ein oder anderen Studenten neidvolle Blicke entlockte. Der Campus Großhadern trägt nicht umsonst den Namen »Hightech Campus«.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Sina Heintz, Veronika Hogger und Matthias Wurm – stellvertretend für die Fachschaft München und den BPhD als offiziellen Ausrichter, die keine Mühen gescheut hatten, die­ses Wochenende perfekt zu organi­sieren – wurden die Studierenden auch von Professor Dr. Franz Paint­ner im Namen der LMU München herzlich willkommen geheißen und das Pharmaweekend offiziell eröffnet.

 

Im Anschluss führte Dr. Jürgen Krauss von der LMU München mit seinem Eröffnungsvortrag in die Welt der »Aphrodisiaka« ein. Mit seiner offenen, humorvollen und lebendigen Art schaffte er es, die Aufmerksam­keit der Studenten trotz teilweise zeitaufwendiger und ermüdender Anreise zu erlangen. Er präsentierte statistische Auswertungen, einen Vergleich der Problematik bei Männern und Frauen sowie die verschreibungspflichtigen Arzneimittel, die derzeit in der Apotheke verfügbar sind. Zum Abschluss gab er noch einen Ausblick auf neue Entwicklungen in der Forschung, zum Beispiel das Gift der Bananenspinne aus Brasilien, welches einen aphrodisierenden Wirkstoff enthält.

 

Das Abendprogramm ließ in puncto bayerischer Kultur keine Wünsche offen. Das Augustiner Braustübchen lud ein zu einem zünftigen Abendessen mit Schweinshaxe, Hendl und Co. Begleitet wurde dies von einem authentischen Bayern-Duo in Lederhosen mit bayerischer Blasmusik.

 

Am Samstag startete das Vortragsprogramm. Zu Beginn richtete die neue BPhD-Präsidentin Maria-Christina Scherzberg Begrüßungsworte an die Studierenden sowie die Referenten und übergab dann das Wort an Professor Dr.  Jens Schlossmann von der Universität Regensburg, der über das Thema Adipositas und den Risikofaktor Diabetes aus Sicht eines Pharmakologen referierte. Hierbei ging er auf das physiologische Krankheitsbild sowie die Therapiemöglichkeiten bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes ein. Einen Schwerpunkt sieht er zukünftig in der verbesserten Prävention, aber auch bei der ­Diagnose und neuen Pharmaka.

Den folgenden Vortrag hielt Ulrich ­Koczian, selbstständiger Apotheker und Mitglied der Bayerischen Landesapothekerkammer. Er referierte über »Adipositas und das metabolische Syndrom – Prävention in der Apotheke«. Die Bedeutung der Apotheker im Hinblick auf die Prävention begründete er mit dem breiten Wissensspektrum, den durchschnittlich vier Millionen Kundenkontakten pro Tag in Deutschland sowie der Stellung als Vertrauensperson in der Bevölkerung. In diesem Zusammenhang stellte er auch WIPIG, das wissenschaftliche Institut für Prävention im Gesundheitswesen, vor, welches sich zum Ziel gesetzt hat, ein Netzwerk für Prävention aufzubauen. Er stellte verschiedene Präventionsmaßnahmen vor, zum Beispiel die Ermittlung des Body-Mass-Index und die Messung von Blutzucker und Blutdruck in der Apotheke. Zusätzlich präsentierte er eine WIPIG-Umfrage, bei der deutlich wurde, dass viele Kunden Präventionsmaßnahmen in der Apotheke positiv gegenüberstehen. Zum Abschluss eröffnete er noch die Möglichkeit, im Praktischen Jahr bei WIPIG einen Platz zu finden.

 

Pen oder Pumpe

 

Um das Thema auch von einem anderen Blickwinkel zu betrachten, referierte Eva Küstner als Fachpsychologin Diabetes DDG aus dem Diabeteszentrum im Klinikum Offenbach über Insulinpumpen. Inhaltlich ging es um die zwei geläufigsten Pumpentypen, aber auch die allgemeine Anwendung sowie Vor- und Nachteile von Insulinpumpen als Alternative zu Pens wurden angesprochen. Im Anschluss stand die Dozentin noch für Fragen zur Verfügung. Beispielsweise wurde erörtert, wie leicht es für Menschen ist, sich diesen Katheter, der für die Pumpen benötigt wird, selbst zu setzen. Hier ist nicht das Geschick problematisch, sondern vielmehr die psychische Hürde.

 

Im Folgenden präsentierte Küstner Bilder und Fakten von dem Diabeteszentrum, um einen Eindruck von der Situation zu bekommen. Erläutert wurde der Ablauf der zweiwöchigen Schulung insulinbedürftiger Patienten und der Umgang mit regelmäßigem Spritzen, gerade auch im Hinblick auf den psychologischen Aspekt, da diese Krankheit keine unerhebliche Belastung bedeutet.

Beendet wurde diese Vortragsreihe durch den Vortrag von Marion Köstlmeier, Vorsitzende des Regionalver­bandes der Stadt München des Diabetikerbunds Bayern. Dieser organisiert Selbsthilfegruppen für Diabetiker, welche dem Erfahrungsaustausch unterei-nander dienen, die aber auch Beratung, Vorträge und Ausflüge anbieten – je nach den Bedürfnissen der Gruppenmitglieder können die Schwer­punkte hier individuell gesetzt werden. Sie betonte unter anderem, dass Selbsthilfe keine Konkurrenz zur profes­sionellen Betreuung darstelle, sondern lediglich eine wert­volle Ergänzung sei. Zum Ende wurde auch hier noch ein­mal mit den Studierenden über aufgekommene Fragen dis­kutiert, zum Beispiel den Umgang mit Diabetes bei Kindern sowie die Schwierigkeit, bei den Diabetikern das richtige Bewusstsein über den Ernst der Lage zu schaf­fen. Zudem wurde den Studierenden ans Herz gelegt, später im Apothekenalltag den Diabetikern und anderen chronisch Kranken ein offenes, freundliches und hilfsbereites Auftreten entgegenzubringen, Einnahmehinweise genau zu erläutern oder auch Fördermitglied des Diabetikerbundes zu werden – um Kunden zu gewinnen und positive Mundpropaganda zu erreichen. »Chroniker wollen sich aufgehoben und nicht wie in einer Drogerie fühlen. Eine halbe Stunde Beratungsgespräch kann ein Leben verändern!«, so Andrea Pfeuffer, Beisitzerin im Regionalverband Stadt München.

 

Stadt, Schloss oder Bier

 

Zu einem anderen Thema referierte Christian Liebers von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank. Er hielt einen kurzen Vortrag über die aktuellen Angebote und Leistungen seines Arbeitgebers für Pharmaziestudierende. Auch Pierre Reiter von der Deutschen Ärzte Finanz stellte Konzepte speziell für Pharmaziestudierende und Berufsstarter vor. Themenschwerpunkte waren unter anderem die Studienfinanzierung, das spätere Einkommen und die erforderlichen Absicherungen. Bei einem gemeinsamen Abendessen klang der informative und abwechslungsreiche Tag aus.

 

Der Sonntag lud nach einem Frühstück zu verschiedenen Rahmenprogrammen ein, welche die Studenten individuell wählen konnten. So hatte man die Wahl zwischen einer Brauereiführung, einer Stadtführung auf Englisch und einem Besuch im Schloss Nymphenburg. Abgerundet mit einem Brunch schloss das Pharmaweekend gegen Mittag sein Programm und die Studierenden gingen wieder verschiedene Wege – bis zum nächsten Pharmaweekend 2011 in Halle.

 

Wir danken unseren Unterstützern, die das Pharmaweekend ermöglicht haben: Noweda, Deutsche Ärzte Finanz, Bayerische Landesapothekerkammer, Wala Arzneimittel, Bayerischer Apotheker Verband, WIPIG – Wissenschaftliches Institut für Prävention im Gesundheitswesen, Govi-Verlag, Deutscher Apotheker Verlag, Lesmüller Stiftung, Protina Arzneimittel, Dr. Ravati Seminare, Stada Arzneimittel, Bundesministerium für Bildung und Forschung und Deutsche Apotheker- und Ärztebank. / 

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