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Bursitis

Kleine Puffer unter großem Druck

13.06.2018
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Von Nicole Schuster / Bei einer Reizung oder Entzündung der Schleimbeutel drohen Schmerzen und Bewegungsunfähigkeit. Meistens genügt eine konservative Behandlung ohne Operation. Chronische Entzündungen können die Arbeitsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen und als Berufskrankheit anerkannt werden.

Schleimbeutel sind flüssigkeitsgefüllte Gewebekissen, die im Körper an Stellen erhöhten mechanischen Drucks ein reibungsloses Gleiten ermöglichen. Das ist zum Beispiel im Bereich der Gelenke der Fall und wenn Sehnen oder Muskeln über einen Knochenvorsprung ziehen. Im Inneren eines Schleimbeutels (Bursa synovialis oder kurz Bursa) befindet sich Gelenkflüssigkeit, die Synovia.

Bei Überbelastung oder starkem Druck können sich die Schleimbeutel entzünden. Es gibt zwei Formen der Bursitis: Eine akute Inflammation verursacht rasch einsetzende Symptome mit meist deutlichen Schmerzen. Bei der chronischen Form verstärken sich die Beschwerden mit der Zeit, manchmal nehmen sie auch zeitweise ab oder verschwinden ganz. Es gibt auch schmerzfreie Verläufe.

 

Am häufigsten betroffen sind Knie, Ellenbogen, Hüfte und Schulter. Ursache können die sich ständig wieder­holenden Bewegungen bei Sportarten wie Tennis oder Volleyball sein, aber auch berufliche Tätigkeiten. Gemäß der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sind unter anderem Fliesen- und Bodenleger (»Fliesenlegerknie«), Bergleute, Straßenbauer, Steinsetzer, Reinigungspersonal, Glas- und Steinschleifer sowie Lastenträger gefährdet. Auch Schreibtischarbeiten bergen ein Risiko, nämlich wenn der Ellenbogen beim Lernen auf dem Tisch ­abgestützt wird. Das Phänomen ist als »Studentenellenbogen« bekannt.

 

Kalk und Infektionen

 

Bei einer Entzündung sammelt sich vermehrt Flüssigkeit in den Schleimbeuteln an. Die pralle Füllung erschwert das reibungslose Gleiten und verursacht Schmerzen. Die Stelle wird stärker durchblutet und es kommen weitere Entzündungszeichen wie Bewegungseinschränkung, Schwellung, Rötung und Wärmeentwicklung hinzu. Als Komplikation kann sich Kalk an der Bursa ablagern, was die Beschwerden verstärkt.

 

Auch Krankheiten wie Gicht oder entzündlich-rheumatische Erkrankungen sowie Keime, die bei einer Verletzung in den Schleimbeutel gelangt sind, können zu einer Bursitis führen. Möglich sind auch Sekundärinfektionen mit Bakterien. Als ernste und lebensbedrohliche Komplikation kann sich da­raus eine Sepsis entwickeln. Bekannt ist eine Bursitis auch bei Infektionserkrankungen mit Gelenkbeteiligung, beispielsweise Tuberkulose. Weitere Ursachen sind Verletzungen wie Knochenbrüche, Prellungen oder Traumata.

 

Bei Verdacht auf eine Schleimbeutelentzündung führt der Arzt eine Ultra­schalluntersuchung durch oder röntgt die betroffene Stelle. Um eine Bursitis etwa von rheumatischen Krankheiten, Fettgewebswucherungen oder anderen Entzündungen abzugrenzen, kann eine Punktion mit Flüssigkeitsentnahme notwendig sein.

 

Die betroffene Gliedmaße wird zunächst mit einer Schiene oder einem Gipsverband ruhiggestellt. Hochlagern und Kühlen sowie nicht steroidale Antirheumatika wie Diclofenac oder Ibuprofen lindern die Entzündung. Bei starken Beschwerden kann der Arzt auch erwägen, Cortison oder ein Lokalanästhetikum zu spritzen. Bei einer bakteriellen Infektion kommen Antibiotika zum Einsatz. Begleitende krankengymnastische Übungen sollen die Gelenke beweglich halten und verhindern, dass zu viel Muskelmasse abgebaut wird. Eine extrakorporale Stoßwellentherapie kann möglicherweise das Abheilen beschleunigen. Dazu wird die Bursa mit Schallstößen hoher Energie behandelt, um die Entzündung zu lindern sowie – falls vorhanden – Kalk abzubauen. Die Entnahme von Flüssigkeit über eine Hohlnadel kann bei stark angeschwollenen Schleimbeuteln entlastend wirken.

 

Erst wenn keine Besserung eintritt und die Erkrankung chronisch wird beziehungsweise die Entzündung bei Wiederaufnahme der Tätigkeit zurückkehrt, kommt eine operative Entfernung der betroffenen Schleimbeutel in Betracht. Eine Operation ist auch angezeigt, wenn sich hartnäckige Infektionen der Gewebekissen durch eine medikamentöse Behandlung nicht beseitigen lassen.

 

Die entzündete Bursa entfernt der Arzt in einem kleinen Eingriff unter örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose. Nach der Bursektomie müssen Patienten einige Tage lange einen straffen Verband oder einen Gipsverband tragen und den Körperteil weiterhin ruhig halten. Im Normalfall bildet sich ein neues Gewebepolster zwischen Knochen, Muskeln und Sehnen, das sich prinzipiell auch wieder entzünden kann.

 

Berufskrankheit Bursitis

 

Eine chronische oder immer wiederkehrende Entzündung der Schleimbeutel kann die berufliche Existenz bedrohen. Betroffene sollten die Erkrankung ihrem Unfallversicherungsträger – meist der zuständigen Berufsgenossenschaft – melden. »Damit eine Bursitis als Berufskrankheit anerkannt und entsprechend entschädigt wird, muss sichergestellt sein, dass sie auch beruflich verursacht ist«, sagte Dr. Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, im Gespräch mit der PZ. Ein medizinischer Sachverständiger prüft dann, ob das Krankheitsbild zur beruflich ausgeübten Tätigkeit passt und inwiefern die Funktionalität durch die Bursitis beeinträchtigt ist. »Es gibt Fälle, in denen auf Röntgenbildern kaum Schäden zu sehen sind, die Betroffenen aber funktionell stark ­eingeschränkt sind. Umgekehrt ist es möglich, dass die Einschränkungen im Alltag gering, die Befunde auf den Bildern aber beachtlich sind«, so die Expertin.

 

Berufe, in denen eine Schleimbeutelentzündung als Berufskrankheit anerkannt wird, sind in der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung niedergelegt, darüber hinaus wird ein Gesundheitsproblem in Ausnahmefällen wie eine Berufskrankheit behandelt. Wird eine Bursitis als Berufskrankheit anerkannt, übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten für die Behandlung auch in einer Spezialklinik, für Reha-Maßnahmen und Schulungen zur beruflichen Wiedereingliederung. Besteht eine sogenannte »Minderung der Erwerbs­fähigkeit« zahlt sie Entschädigungsleistungen.

 

Vor Überbelastung schützen

 

Damit eine Schleimbeutelentzündung nicht wiederkehrt beziehungsweise gar nicht erst auftritt, sollten eine dauerhafte, intensive Beanspruchung und starker mechanischer Druck sowohl im Beruf als auch in der Freizeit vermieden werden. Hilfsmittel für die Arbeit, etwa spezielle Knieschoner für den Fliesenleger, können eine übermäßige Belastung abdämpfen. »Bei Fragen dazu berät die Berufsgenossenschaft«, sagt Wahl-Wachendorf. »Des Weiteren unterstützen wir bei Umschulungen, wenn diese erforderlich sind, und helfen, wenn es darum geht, das Arbeitsumfeld angemessen zu gestalten.« Mit den geeigneten Maßnahmen sollte einem reibungslosen Bewegungsablauf dann nichts mehr im Wege stehen. /

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