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Erektile Dysfunktion

Erst fragen, dann verordnen

13.06.2018
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Von Daniela Hüttemann / Bei erektiler Dysfunktion verordnen Ärzte häufig Phosphodiesterase (PDE)-5-Hemmer, bevor sie nach den Ursachen forschen. Diese Reihenfolge ist falsch: Bevor ­Sildenafil und Co. infrage kommen, muss nach dem Grund der ­Störung gesucht und dieser nach Möglichkeit medikamentös ­therapiert werden, betont die entsprechende Leitlinie.

Potenzstörungen werden mittlerweile bei neurologischen Erkrankungen mehr beachtet, heißt es in der Neufassung der S1-Leitlinie zur erektilen Dysfunk­tion. Damit treten organische Ursachen noch weiter in den Vordergrund. Denn eine Erektionsstörung aus psychischen Gründen werde nur noch seltener festgestellt.

Mittlerweile werde häufig ein Therapieversuch mit PDE-5-Hemmern gestartet, bevor ausführlich nach den Ursachen geforscht wird. Das lehnen die Leitlinienautoren ab. Primäres Ziel müsse eine ursächliche Therapie sein, zum Beispiel die Behandlung eines Diabetes mellitus. Auch der Lebensstil soll zuerst verbessert werden. Damit sind vor allem eine Gewichtsreduktion und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin gemeint. »Durch die guten Erfolge der PDE-5-Hemmer wird diese Reihenfolge in den letzten Jahren bedauerlicherweise missachtet«, heißt es in der Leitlinie.

 

Je nach Ursachen kann eine Psycho- und/oder Partnertherapie sinnvoll sein. In der Therapie dominieren jedoch ganz klar die vier zugelassenen PDE-5-Hemmer. Andere pharmakotherapeutische Interventionen wie MUSE (Medical Urethral System for Erection) und SKAT (Schwellkörper-Autoinjektionstherapie) haben dagegen deutlich an Bedeutung verloren. Apomorphin und Yohimbin spielen mittlerweile keine Rolle mehr. Andere Hilfen wie Vakuumpumpen seien eher unbeliebt. Operationen am Schwellkörper des Penis gelten als Ultima Ratio.

 

Die Leitlinienautoren stufen die Wirkeffekte von Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil als vergleichbar ein, allerdings unterscheiden diese sich in Pharmakokinetik und auch etwas im Nebenwirkungsprofil. So wirkt Tadalafil bekanntlich über 24 bis 36 Stunden nach entsprechender Stimulation. Vardenafil steht als 10-mg-Schmelztablette zur Verfügung, was durch die bukkale Resorption eine Dosisreduktion um 50 Prozent möglich macht. Tadalafil 5 mg kann über einen längeren Zeitraum einmal täglich eingenommen werden und ist auch zugelassen zur ­Behandlung des ­benignen Prostata-Syndroms (BPS). Tadalafil hat eine etwas höhere Selektivität als die anderen PDE-5-Hemmer, sodass Nebenwirkungen an der Retina (Blausehen) nicht auftreten.

 

Kontraindikationen für PDE-5-Hemmer

 

Kontraindiziert sind PDE-5-Hemmer, wenn der Patient bestimmte andere Medikamente einnimmt: Nitrate oder NO-Donatoren wie Molsidomin, Blutdrucksenker, wenn der Patient darunter unter einer orthostatischen Hypotonie leidet, α-adrenerge Blocker wie Doxazosin sowie Arzneistoffe, die die Halbwertzeit der PDE-5-Hemmer verlängern wie Erythromycin, Clarithromycin, Saquinavir, Nefazodon oder ­Cimetidin. PDE-5-Hemmer sollten auch nicht zusammen mit Grapefruitsaft eingenommen werden.

 

Die Prävalenz der erektilen Dysfunktion wird auf 2,3 Prozent bei den 20- bis 30-Jährigen geschätzt und steigt auf über 50 Prozent bei den 60- bis 70-Jährigen. Betroffen sind demnach in Deutschland schätzungsweise mehrere Millionen Männer. Genaue Daten ­liegen nicht vor. Aus anderen Studien weiß man, dass etwa jeder zweite Mann mit Potenzproblemen eine ­Behandlung wünscht. /

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