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G7-Gipfel

Antibiotika weltweit nur auf Rezept

10.06.2015
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Von Stephanie Schersch / Die G7-Staaten wollen den Kampf gegen multiresistente Erreger gemeinsam verstärken. Das machten sie am Montag zum Abschluss ihres Gipfeltreffens im bayerischen Elmau deutlich. Teil der Strategie könnte demnach eine weltweite Verschreibungspflicht für Antibiotika sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das Thema persönlich auf die Agenda der sieben großen Industriestaaten gesetzt. Man denke immer, gegen alle Krankheiten seien Antibiotika vorhanden, doch wenn Resistenzen aufträten, sei es äußerst schwer, neue Wirkstoffe zu entwickeln, sagte sie. 

 

In einer Abschlusserklärung bekennen sich die G7 zu einem vorsichtigeren Umgang mit Antibiotika. Im Zentrum soll dabei der sogenannte One-Health-Ansatz stehen, der Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam in den Blick nimmt. Dabei soll es auch darum gehen, Antibiotika weltweit unter die Rezeptpflicht zu stellen. »Das ist von äußerster Wichtigkeit für den sachgerechten Umgang«, sagte die Bundeskanzlerin.


Nationale Strategien

 

Darüber hinaus wollen die Länder den Globalen Aktionsplan der Weltgesundheitsorganisation zu Antibiotika-Resistenzen unterstützen und jeweils nationale Strategien aufstellen oder erweitern. Mehr Aufklärung soll es nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch unter medizinischem Personal geben. In der Viehzucht sollen Antibiotika zur Wachstumsförderung bei fehlender Risikoanalyse langfristig möglichst gar nicht mehr zum Einsatz kommen. Darüber hinaus sprachen sich die Gipfelteilnehmer mit Blick auf die Erforschung neuer Wirkstoffe für einen verstärkten Dialog mit der Pharmaindustrie aus.

 

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) lobte die Beschlüsse als starkes Zeichen. Anfang Oktober wollen sich die G7-Gesundheitsminister in Berlin treffen, um über weitere Schritte zu beraten. Wie wichtig der Kampf gegen resistente Erreger ist, zeigt eine Studie, die im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion entstanden ist. Demnach könnten 2050 weltweit 10 Millionen Menschen an der Infektion mit einem multiresistenten Erreger sterben, sofern die Politik nichts unternimmt. Heute sind es im Jahr rund 700 000 Menschen.

 

Für ihre Analyse hat die Studienautorin Privatdozentin Elisabeth Meyer von der Berliner Charité Schätzungen der britischen Regierung zugrunde gelegt. Am stärksten betroffen sind demnach Afrika und Asien, doch auch in Europa könnte die Zahl der Todesfälle drastisch steigen – von derzeit 23 000 auf dann 390 000 Fälle im Jahr 2050. Die Bundesregierung hatte im Mai bereits die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie überarbeitet. Sie sieht unter anderem vor, die Meldepflichten auf mehr Erreger auszuweiten und die Hygienevorgaben in Krankenhäusern auszubauen. /

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