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Antibiotikaresistenzen

Bericht erwartet 10 Millionen Todesfälle pro Jahr

Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm: Einem aktuellen Bericht zufolge könnten bis 2050 zehn Millionen Menschen pro Jahr an Infektionen mit resistenten Bakterien sterben, wenn nicht geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um die drohende Antibiotikaresistenz-Krise noch abzuwenden.
Christina Hohmann-Jeddi
30.04.2019
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»Keine Zeit zu warten« heißt der Bericht, den die von den Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiierte Expertengruppe, die Interagency Coordination Group on Antimicrobial Resistance (IACG), erstellt und gestern in New York vorgelegt hat. Demnach sterben bereits heute insgesamt etwa 700.000 Menschen weltweit an resistenten Krankheitserregern, davon 230.000 an multiresistenter Tuberkulose. Immer mehr häufige Krankheiten wie Atemwegs-, Harnwegsinfektionen und sexuell übertragbare Erkrankungen werden unbehandelbar.

Die Situation wird sich dem Bericht zufolge noch verschärfen: Bis 2050 könnten weltweit jedes Jahr zehn Millionen Menschen an nicht zu kontrollierenden Infektionen sterben. Ökonomisch könnte das ähnlich verheerende Folgen haben wie die Weltwirtschaftskrise in den Jahren 2008/2009, so die WHO in einer Pressemitteilung. Wirtschaftliche und gesundheitliche Folgen seien jetzt schon spürbar. »Antimikrobielle Resistenz ist derzeit eine der größten Bedrohungen für die Weltbevölkerung«, sagte Amina Mohammed, stellvertretende Leiterin der IACG. Es sei deshalb an der Zeit, im Sinne eines »One Health«-Ansatzes koordinierte multisektorale Maßnahmen zu ergreifen.

Die Expertengruppe fordert Regierungen auf, nationale Aktionspläne gegen Antibiotikaresistenzen auszubauen und vor allem die finanziellen Mittel für die enthaltenen Maßnahmen aufzustocken. Zudem fordert sie, strengere Regularien inkraft zu setzen und Sensibilisierungskampagnen für einen verantwortungsbewussten und umsichtigen Einsatz der Substanzen zu intensivieren. Erforschung und Entwicklung neuer Technologien zur Bekämpfung der Verbreitung von antimikrobiellen Resistenzen, von sicheren und effektiven Alternativen zu Antibiotika und von neuen antibakteriellen Wirkstoffen müssten besser finanziert werden. Wichtig sei auch, dass der Einsatz von Antibiotika zur Wachstumsförderung in der Tierhaltung stufenweise reduziert und schließlich ganz abgestellt wird. Die Substanzen der WHO-Liste der kritisch wichtigen Antibiotika mit höchster Priorität sollten sofort aus der Landwirtschaft verbannt werden.

»Wir sind an einem entscheidenden Punkt im Kampf um unsere wichtigsten Arzneimittel«, sagte WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die im Bericht enthaltenen Empfehlungen könnten pro Jahr Tausende Leben retten.

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