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Krankenversicherung im Ausland

Im Notfall abgesichert

26.07.2013  13:07 Uhr

Von Ev Tebroke / Urlaub, die schönste Zeit des Jahres. Wer denkt da schon gern an Unfall oder Krankheit. Insbesondere bei Reisen ins Ausland ist es jedoch wichtig, mit einem zusätzlichen Krankenversicherungsschutz für Notfälle vorzusorgen. Damit die Kosten einer Behandlung nicht privat zu tragen sind, muss einiges beachtet werden. Auch im europäischen Raum.

Beim Wandern in Spanien den Fuß gebrochen, beim Badeurlaub in der Türkei von einem Boot verletzt oder in Italien von einer rätselhaften Fieber­erkrankung matt gesetzt. Bei Notfällen im Ausland kann einem die medizinische Versorgung unter Umständen teuer zu stehen kommen.

Bei allen Reisen in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) sowie in einige weitere europäische Staaten (Schweiz, Island, Liechtenstein, Norwegen, Kroatien, Mazedonien, Serbien) greift zwar die Europäische Krankenversicherungskarte (European Health Insurance Card – EHIC). Damit erhalten gesetzlich Versicherte europaweit medizinische Leistungen. Jedoch gibt es diverse Einschränkungen.

 

Zunächst einmal gilt: Ein Erstattungsanspruch besteht nur für die Art von medizinischer Versorgung, die auch im Aufenthaltsland als gesetzliche Leistung erbracht wird und die unter Berücksichtigung der Aufenthaltsdauer medizinisch notwendig ist. So wird beispielsweise bei einem Bänderriss, der nicht zwingend eine sofortige Operation erfordert, der Betroffene soweit medizinisch versorgt, dass er nach Urlaubsende dann in Deutschland die entsprechenden Maßnahmen einleiten lassen kann. Alle darüber hinaus entstehenden Kosten, sowie beispielsweise auch ein möglicherweise erforderlicher Rücktransport nach Deutschland, werden nicht von der Gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt.

 

Achtung Zuzahlungen

 

Auch wenn im Urlaubsland rechtliche Eigenanteile oder Selbstbehalt bei der medizinischen Behandlung gelten, so muss der Patient diese grundsätzlich leisten. In Spanien beispielsweise muss der Patient 40 Prozent des Medikamentenpreises selbst zuzahlen. Auch Rentner müssen diese Zuzahlung leisten. In Italien wiederum variiert die Zuzahlung von Region zu Region.

 

Die Türkei stellt als Nicht-EU-Land einen Sonderfall dar, die EHIC gilt hier nicht. Die medizinische Notfall-Versorgung von deutschen Reisenden ist nicht über das EU-Recht, sondern über ein Sozialversicherungsabkommen geregelt. Als Anspruchsnachweis im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung dient in diesem Fall ein spezieller Vordruck, der über die Krankenkasse anzufordern ist.

 

Dieser muss zwingend noch während der Behandlung bei einer türkischen Regionalstelle der Sozialversicherungsanstalt eingegangen sein. Nur dann sei gewährleistet, dass der Versicherte nur die Mehrkosten und nicht die gesamten Vertragssätze für die medizinische Versorgung selber tragen muss, warnt die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA) vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

 

Nach Angaben von Stiftung Warentest kommt es im europäischen Ausland auch sehr häufig vor, dass gesetzlich Versicherte wie Privatpatienten behandelt werden. Oft bringen Taxifahrer, Hotelpersonal oder Notfallsanitäter den Patienten zu Privatärzten. Die so entstehenden Kosten sind dann nicht von der Gesetzlichen Krankenversicherung gedeckt. In jedem Fall sollte man immer daran denken, sich alle Leistungen, Behandlungskosten und Zuzahlungen schriftlich quittieren zu lassen. Diese Belege können in Deutschland dann bei der eigenen Krankenkasse eingereicht werden. Meist übernehmen die Kassen dann zumindest den Anteil der Kosten, der für eine entsprechende Behandlung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung im Urlaubsland erstattet worden wäre.

 

Das ist allerdings meist nur ein Bruchteil der privatärztlichen Rechnung, warnt DVKA-Sprecher Bernd Christl. Wenn möglich, sollten Patienten daher auch im Notfall darauf achten, dass sie nicht privatärztlich versorgt werden. Dies allerdings sei oft schwierig. In Österreich beispielsweise können Ärzte vormittags als Vertragsärzte arbeiten und nachmittags als Wahl-Arzt privat abrechnen.

 

Auf der sicheren Seite

 

Sitzt man als Notfallpatient dann erst einmal in der Praxis, sei es fraglich, ob man sich unter diesen Umständen noch einmal zu einem anderen Arzt begeben möchte, gibt Christl zu bedenken. Er empfiehlt daher für Auslandsreisen immer den Abschluss einer privaten Auslandskrankenversicherung. »Da ist man für wenig Geld auf der sicheren Seite«, so Christl. So sei man beispielsweise auch bei einem erforderlichen Rücktransport nach Deutschland oder im Fall von Privatbehandlungen vor hohen Kosten geschützt.

 

Generell ist es hilfreich, vor Abreise den Service auf der Internetseite des DVKA zu nutzen. Das Bindeglied zwischen der GKV in Deutschland und den GKV-Trägern beispielweise in anderen EU-Staaten bietet online unter anderem Merkblätter zu allen Ländern, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht. Neben Listen mit regionalen Gesundheitsdiensten und medizinischen Anlaufstellen vor Ort gibt es detaillierte Informationen über die jeweiligen Regelungen, die im Notfall in dem betreffenden Reiseland zu beachten sind.

 

Ein Notfall ist schon schlimm genug. Dazu muss nicht noch ein finanzieller Notfall kommen, deshalb ist eine ausreichende Versicherung äußerst wichtig. Daran sollte man bei seinen Urlaubsplanungen eben doch denken. /

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