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Krankenversicherung

Not versus Elend

12.06.2012  18:36 Uhr

Von Daniel Rücker / Keine guten Nachrichten für Versicherte. Alle Krankenversicherungen, private wie gesetzliche, haben system­immanente Probleme. Zu diesem Schluss kommen das Kieler Institut für Mikrodaten-Analyse und die Beratungs­gesellschaft Premium Circle.

Es erscheint wie die Wahl zwischen Not und Elend: Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat ein erhebliches Nachhaltigkeitsproblem, die privaten Versicherungen fallen vor allem durch intransparente Leistungs- und Kostenstrukturen auf. Für beide Entwicklungen trägt nach der am 11. Juni veröffentlichten Untersuchung die Politik die Schuld.

In den Medien wurden vor allem die in der Studie aufgedeckten Defizite der Privaten Krankenversicherung (PKV) dargestellt: Das Leistungsspektrum sei nicht nachvollziehbar, so ein Ergebnis der Untersuchung. Mit rund 250 000 verschiedenen Preismodellen sei das Angebot vollkommen intransparent. Zudem hätten einige Privatversicherer Tarife im Angebot, die existenzielle Leistungen ausschlössen. Der Vertrieb vieler Krankenversicherungen sei oft schlecht, weil es keine Anforderungen an die Qualität gebe. Außerdem kassierten die Vertriebler zu hohe Prämien, was den Abschluss insuffizienter Billigtarife fördere.

 

Aber auch die GKV kommt in der Untersuchung schlecht weg: Sie sei ein System ohne Nachhaltigkeit und ohne Selbstheilungskräfte, sagen die Autoren. Der Konflikt zwischen Rentnern und Erwerbstätigen innerhalb der GKV habe sich deutlich verschärft. In diesem Jahr müssten die Erwerbstätigen rund 24 Milliarden Euro zu viel bezahlen, um die Lücke zu stopfen. Die Versicherten würden unmündig gehalten, der Gesundheitsfonds führe unweigerlich in eine Einheitskasse. Wettbewerb gebe es aber schon heute nicht mehr, so die weiteren Kritikpunkte.

 

Das Fazit vom Kieler Institutsleiter Thomas Drabinski fällt vernichtend aus. Über die GKV sagt er: »Der Gesetzgeber hat seit Jahren das Rentnerproblem in der GKV verdrängt und immer mehr steigende Lasten unter dem Deckmantel des Generationenvertrags den Erwerbstätigen aufgebürdet.« Eine grundlegende Finanzierungsreform der GKV sei dringend notwendig. Zudem müssten die Versicherten mehr Entscheidungsfreiheit bekommen.

 

Transparente Angaben

 

Ähnlich schlecht urteilt Premium-Circle-Geschäftsführer Claus-Dieter Gorr über die Bilanz der PKV. Staatsversagen habe dazu geführt, dass auch in der PKV der Markt in einigen Bereichen versagt habe. Die Ausgestaltung der Leistungskataloge und der Vertriebsmarkt hätten sich wegen fehlender gesetzlicher Vorgaben verselbstständigt. Dringend notwendig seien transparente Pflichtangaben und Mindestkriterien für den Leistungskatalog von Billigangeboten. / 

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