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Pharmaindustrie

Fortschritt muss ankommen

11.06.2007
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Pharmaindustrie

Fortschritt muss ankommen

PZ / Die pharmazeutischen Hersteller befürchten, dass Deutschland seinen Ruf als innovationsfeindlicher Standort untermauert. Zehn Thesen zur Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln sollen einen neuen Weg weisen.

 

»Mit den neuen gesetzlichen Regelungen zur Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln haben wir die reelle Chance, ein deutliches Mehr für die Patienten zu erreichen«, sagte Dr. Bernd Wegener, Vorstandschef des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) in Berlin. Jetzt komme es darauf an, dass sich »alle an die gesetzlich vorgegebenen Spielregeln halten und diese positiven Ansätze der Gesundheitsreform auch entsprechend anwenden«.

 

»Wir brauchen eine verbesserte Datengrundlage, um die realen Prozesse unserer Gesundheitsversorgung abzubilden und damit Arzneimittel in ihrem Kosten-Nutzen-Verhältnis adäquat bewerten zu können. Neben der Pharmaindustrie müssen auch die Krankenkassen und der Staat ihren Beitrag dazu leisten«, betonte Professor Dr. Günter Neubauer, Institut für Gesundheitsökonomik (IfG), München. Wissenschaft und Pharmaindustrie ziehen hier nach seiner Auffassung an einem Strang. Gemeinsam setze man sich für eine sachliche und ergebnisoffene Diskussion um die zukünftige Arzneimittelversorgung in Deutschland ein. Gefordert wird dabei auch die Fokussierung auf die Teilhabe des Patienten am Fortschritt und die Einbeziehung der Versorgungsrealität.

 

Bei der vom BPI initiierten Expertenkonferenz unter der Leitung von Professor Dr. Friedrich Wilhelm Schwartz, Medizinische Hochschule Hannover, und Professor Neubauer verständigten sich Wissenschaftler aus der Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie auf Verfahren, wie zukünftig eine Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln ausgestaltet werden kann. Besonderes Augenmerk müsse dabei auf die Alltagsbedingungen gelegt werden, unter denen Arzneimittel angewendet werden. Erst nach einem mehrjährigen Einsatz in der Praxis, könne das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines Arzneimittels bewertet werden.

 

Wissenschaftler der Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie haben in 10 Thesen (Hannoveraner Erklärung) Kriterien und Vorschläge für die notwendige Verbesserung der Datengrundlage und Analysen für eine alltagsbezogene Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln zusammengefasst (siehe Kasten). »Die Pharmaindustrie schließt sich den Forderungen der Wissenschaft für eine effiziente Kosten-Nutzen-Bewertung an«, sagte Wegener.

Auszüge aus den 10 Thesen zur Versorgungsforschung

Für eine Bestandsaufnahme und realitische Bewertung der Patientenversorgung ist Versorgungsforschung als multidiziplinäres, anwendungsorientiertes Forschungsfeld unerlässlich.

 

Für eine differenziertere Betrachtung von Nutzen und Kosten von Arzneimitteltherapien bietet die Versorgungsforschung durch die Fokussierung auf Alltagsbedingungen einen notwendigen Ansatzpunkt.

 

Eine aussagekräftige Kosten-Nutzen-Bewertung ist, indikationsabhängig, in der Regel erst nach mehrjähriger Anwendung im Versorgungsalltag möglich. Für eine vorläufige Kosten-Nutzen-Bewertung bieten gesundheitsökonomische Modellierungen eine geeignete Hilfestellung.

 

Bei der Kosten-Nutzen-Bewertung sind der medizinische Outcome, das heißt die Erfassung der Versorgungsqualität über das Gesamtergebnis anhand definierter Zielgrößen, soziale Outcomegrößen unter Einbeziehung soziodemographischer Gegebenheiten sowie der ökonomische Outcome in Bezug auf die Sichtweise der Versichertengemeinschaft beziehungsweise der Beitragszahler einschließlich der Arbeitgeber einzubeziehen. Ähnlich weit ist der Kostenbegriff zu fassen.

 

Die Erweiterung beziehungsweise Fokussierung der Analyseperspektive für die Nutzen- und Kosten-Nutzen-Bewertung auf die reale Versorgung bedeutet die Generierung und Nutzung von Routinedatenquellen bzw. Zusammenführung und Gewährung eines Zugangs zu vorhandenen Datenquellen.

 

Klinische kontrollierte randomisierte Studien und nicht-interventionelle Studien müssen zusammengeführt werden. Beide Ansätze beruhen auf gemeinsamen vergleichenden Beobachtungslogiken. Therapieoptimierungsstudien bieten einen geeigneten Ansatz, Vorzüge beider Studientypen zusammenzuführen. Studien höchster Evidenzstufe sind anzustreben, dürfen aber als Erkenntnisquelle für versorgungsrelevante Entscheidungen nicht überschätzt werden.

 

Studienkonzepte sollen vorab mit den entscheidungsbefugten Gremien im Rahmen einer wissenschaftlichen Beratung abgestimmt werden.

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