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Apothekenmarkt

Mehr Harmonie statt Konkurrenz

07.06.2017  09:54 Uhr

Von Jennifer Evans, Berlin / Die Apothekenlandschaft wird sich in den nächsten fünf Jahren stark verändern. Das stand für die Politiker der Diskussionsrunde fest, zu der der Bundesverband Deutscher Versandapotheken vergangenen Donnerstag eingeladen hatte. Über die Frage, ob der Apotheker künftig Einzelkämpfer oder Teamplayer sein sollte, waren sie aber uneins.

Die CSU-Gesundheitsexpertin Emmi Zeulner sprach sich mit Blick auf die nächsten Jahre zwar nicht gänzlich gegen Kooperationen von Apothekern mit Ärzten oder anderen Akteuren des Gesundheitswesens auf dem Land aus. Sie plädierte aber dafür, dass Apotheken auch in Zukunft weiter selbstständig bleiben können müssten. »Die Unabhängigkeit ist ein wertvolles Gut.« Deutschlandweite Ausschreibungsmodelle, um Heilberufler in unterversorgte Regionen zu locken, können Zeulner zufolge eine Lösung dafür sein, auch künftig eine flächendeckende Versorgung in Deutschland zu garantieren. Zudem müssten in ländlichen Regionen die Arbeitsplätze attraktiver und die Infrastruktur besser werden, betonte sie.

 

Neue Versorgungsstrukturen

 

Gesundheitspolitikerin Sabine Dittmar (SPD) glaubt hingegen, dass sich die Apotheken künftig verstärkt in der Nähe von Ärzten ansiedeln müssen, um selbst überleben zu können und damit sie zugleich als erste Anlaufstelle für Patienten erhalten bleiben. Dazu müsse es aber ganz neue Versorgungsstrukturen geben. Nach Dittmars Ansicht wird der Versandhandel innerhalb von Deutschland eine immer größere Rolle spielen. Damit meint sie, dass mehr und mehr Präsenzapotheken eine Versanderlaubnis bekommen. »Für die Versicherten sollten alle Vertriebswege offengehalten werden«, sagte sie.

 

»Es wäre natürlich ideal, wenn die Apotheke vor Ort bestehen bliebe«, so die stellvertretende Vorsitzende der FDP Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Dennoch solle keiner die Augen vor dem Generationswechsel verschließen: Die Hemmungen, übers Netz zu bestellen, sänken weiter. Um die medizinische Versorgung in Deutschland auf dem hohen Niveau zu halten, brauche es den Versandhandel. »Davon geht die Welt nicht unter«, sagte die FDP-Vize. Wichtig für die nächsten Jahre sei es, dass »Versender und niedergelassene Apotheken auf Augenhöhe miteinander in Konkurrenz treten und nicht der eine Vorteile hat, die der andere nicht hat.«

 

Eine positive Abstimmung zwischen Versandhandel und Präsenzapotheken sieht auch Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche als Schlüssel für die Zukunft der Apothekenlandschaft. Die Diskussion um das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geforderte Rx-Versandverbot sei »aus der Zeit gefallen«. Das Beharren darauf sei lediglich verlorene Zeit, die der Rettung der Apotheken in dieser Legislaturperiode hätte dienen können. »Das Verhalten war in diesem Fall unverantwortlich. Jetzt kommt es zu Verwerfungen im Apothekenmarkt«, kritisierte sie Gröhes Vorstoß scharf. Eine schnelle Lösung, die die Gleichheit zwischen den Anbietern wiederhergestellt hätte, wäre der Grünen-Politikerin zufolge besser gewesen. »Jetzt sind die Apotheken vor Ort die Dummen.« Sie sieht aber auch die Apotheken selbst in der Pflicht, ihre eigene Digitalisierung voranzutreiben.

 

Versäumt habe die Politik zudem, die Pharmazeuten mehr in die Versorgung einzubeziehen, so Schulz-Asche. Bei Themen wie etwa der Video-Sprechstunde oder dem Medikationsplan seien sie deutlich außen vor geblieben. »Das ist Verhinderung guter Patientenversorgung«, schimpfte sie. Auch in Hinblick auf neue Arzneimittel und komplexe Therapien sei die Kompetenz der Apotheker gefragt. Darauf wies auch Dittmar hin. »Der Apotheker genießt Vertrauen und der Patient hat weniger Scheu, ihm Fragen zu stellen.« Strack-Zimmermann sprach sogar davon, den Apotheker künftig besser für seine Beratungskompetenz zu honorieren. Zudem unterstrich die FDP-Politikerin die Bedeutung von Festpreisen bei Arzneimitteln. »Es darf nicht passieren, dass der Patient feilschen muss, wenn er Schmerzen hat.« Medikamente seien eben keine Schuhe oder Unterwäsche.

 

Gegen Apothekenketten

 

Darüber hinaus hält Strack-Zimmermann nichts von Apothekenketten. Amazon-Apotheken seien nicht das, was die Fraktion in einem freien Markt anstrebe, sagte sie. Ebenso warnte sie vor Pharmaunternehmen, die gleich bis zu 40 Apothekenfilialen eröffneten. Die Probleme lägen auf der Hand. Im Fall von Lieferengpässen bekämen dann nur noch jene Apotheken Ware, die einen guten Draht zum Hersteller haben. »Das wollen wir nicht«, stellte sie klar. /

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