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Brustkrebs

Keine Entwarnung für Hormonersatztherapie

03.06.2008
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Brustkrebs

Keine Entwarnung für Hormonersatztherapie

PZ / Bei Frauen, die schon einmal Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden eingenommen haben, erhöht sich das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, um 37 Prozent gegenüber Frauen, die nie eine Hormonersatztherapie angewandt haben.

 

Direkt während der Zeit der Hormoneinnahme ist das Risiko sogar um 73 Prozent erhöht. Innerhalb von fünf Jahren nach Absetzen der Therapie sinkt das Brustkrebsrisiko ehemaliger Anwenderinnen wieder auf das Niveau der »Nie-Anwenderinnen«. Zu diesen Ergebnissen kommen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg in der Fall-Kontroll-Studie MARIE, die im Fachmagazin »International Journal of Cancer« (Doi: 10.1002/ijc.23655) veröffentlicht wurde. Insgesamt gaben für die deutsche Studie 3464 Brustkrebs-Patientinnen und 6657 gesunde Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren Auskunft über die Hormone, die sie einnehmen oder eingenommen hatten. Die über sechs Jahre hinweg erstellte Studie bestätigt die Befunde von zwei US-amerikanischen und britischen Untersuchungen aus den Jahren 2002 und 2003, so Studienleiter Professor Dr. Wilhelm Braendle vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Nach Angaben von Professor Dr. Jenny Chang-Claude vom DKFZ war in der Vergangenheit häufig eingewandt worden, die Ergebnisse der US-Studie ließen sich wegen anderer Verschreibungsgewohnheiten nicht auf Deutschland übertragen.

 

Die Studie belegt laut DKFZ auch die unterschiedlichen Effekte verschiedener Hormonpräparate: Bezogen auf das Risiko der »Nie-Anwenderinnen« verdoppelt eine über mehr als fünf Jahre hinweg angewendete Kombinationstherapie mit Estrogen und Gestagen das Brustkrebsrisiko, eine Estrogen-Monotherapie lässt es dagegen »nur« um 15 Prozent ansteigen.

 

»Die Hormonersatztherapie hat offenbar auch unterschiedlichen Einfluss auf die verschiedenen Typen von Brustkrebs«, so Braendle.« Das Risiko, an einem der selteneren lobulären oder tubulären Karzinome zu erkranken, steigt unter Hormonersatztherapie doppelt so stark wie das Risiko der duktalen Karzinome, die 40 bis 75 Prozent aller bösartigen Tumoren der Brust ausmachen.

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