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Finnland

Die Angst vor DocMorris

04.06.2007  13:45 Uhr

Finnland

Die Angst vor DocMorris

Von Patrick Hollstein

 

DocMorris plant möglicherweise seit Monaten eine internationale Expansion: Finnischen Fachkreisen zufolge will die mittlerweile zum Celesio-Konzern gehörende Versandapotheke offenbar von Estland aus finnische Verbraucher mit Arzneimitteln beliefern.

 

Nicht erst seit der Übernahme durch Celesio hat DocMorris-Chef Ralf Däinghaus möglicherweise neue Märkte im Visier: Bereits seit Monaten kursieren in finnischen Fachkreisen Gerüchte, denen zufolge Europas größter Arzneimittelversender ab Juli eine Internetapotheke nach der »bewährten« Firmenphilosophie aufbauen will: Weil, wie seinerzeit in Deutschland, auch in Finnland der Versandhandel mit Arzneimitteln prinzipiell verboten ist, plant das Unternehmen Net Apteekki, hinter dem die finnischen Apotheker DocMorris vermuten, offenbar die Belieferung aus dem Ausland. PZ-Informationen zufolge sucht die Versandapotheke derzeit in Estland nach einem oder mehreren Apothekenpartnern, die die Auslieferung nach Finnland juristisch ermöglichen.

 

Auch in Estland ist der Versandhandel mit Arzneimitteln verboten; die Betreiber behaupteten jedoch wiederholt gegenüber estnischen Journalisten, bereits alle notwendigen behördlichen Genehmigungen erhalten zu haben. Bei der estnischen Arzneimittelaufsicht hatte man allerdings bis zuletzt keine Kenntnis über ein entsprechendes Unternehmen oder eventuell erteilte Lizenzen.

 

Spärliche Informationen

 

Wer wirklich hinter dem Projekt steht, ist derzeit schwer auszumachen. Däinghaus und sein Team sind bislang in Finnland und Estland nicht offensiv in Erscheinung getreten. Gegenüber der PZ dementierte der DocMorris-Chef am Montag jegliche Aktivitäten für einen finnischen Markteintritt. Auf der Website der künftigen Versandapotheke wird zwar über das Versandhandelsurteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2003 berichtet sowie auf den Fall DocMorris verwiesen; Informationen über den Betreiber von Portal und Versandapotheke sind allerdings mangels Impressum bislang nicht zu finden. Formaler Initiator und Koordinator der Expansion ist die Agentur eines in Hamburg lebenden Finnen namens Jürgen Rahf, der bislang vor allem als Schachfiguren- und Polizeihutsammler in Erscheinung getreten ist und im südfinnischen Raisio eine öffentliche Kartbahn betreibt. Gegenüber finnischen Medien bestätigte Rahf bereits die Zusammenarbeit mit DocMorris. Ob der niederländische Versender also doch hinter dem Projekt steht, oder ob sich die Auftraggeber des Hamburger Maklers mit fremden Federn schmücken, um mehr Resonanz zu erzeugen, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen.

Grenzüberschreitender Arznei-Versand

Nicht nur DocMorris versorgt seine Kunden über Grenzen hinweg. Auch andere Versandapotheken nutzen legislative und preisliche Unterschiede, um ihr Geschäft in Fahrt zu bringen und sich den lokalen Regularien und deren Kontrolle durch die Behörden zu entziehen. Deutsche Patienten werden von einer ganzen Reihe niederländischer Versender versorgt, norwegische Patienten von einer zypriotischen Versandapotheke. Für Aufregung sorgte zuletzt eine österreichisch-deutsch-lettische Kooperation: Seit Dezember liefert eine kleine Kette in Riga verschreibungsfreie, und seit neuestem auch nicht erstattungsfähige, rezeptpflichtige Arzneimittel in die Alpenrepublik. Die Apotheken erhalten die in Österreich zugelassenen Originalprodukte als Bulkware per Luftfracht; bei der Bestellung wird ausgeeinzelt und umverpackt, dann macht sich die Ware auf die Rückreise. Kaum vorstellbar, dass sich derart exotische Konstruktionen rechnen können.

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