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Nipah-Virus

Ausbruch in Indien

29.05.2018
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Seit Mitte Mai treten in Südindien Infektionen mit dem Nipah-Virus auf. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) infizierten sich bislang 14 Menschen mit dem gefährlichen Erreger, zwölf von ihnen starben, bei weiteren 20 Menschen besteht der Verdacht auf eine Infektion.

 

Das erst 1999 entdeckte RNA-Virus gehört zur Familie Paramyxoviridae und wird meist zoonotisch, also von Tieren auf den Menschen, übertragen. Es kann verschiedene Haus- und Nutztiere wie Schweine, Katzen und Pferde befallen. 

Die Hauptwirte sind jedoch Flughunde. Die Infektion erfolgt überwiegend über von diesen Tieren kontaminierte Baumfrüchte oder direkten Kontakt mit infizierten Tieren. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch, etwa bei der Pflege von Patienten, ist auch ­möglich.

 

Bei Menschen kann eine Infektion entweder asymptomatisch verlaufen, milde Symptome an den Atemwegen hervorrufen oder zu schweren Atemproblemen oder Hirnhautentzündungen führen. Die Mortalität liegt bei 40 bis 75 Prozent und variiert bei verschiedenen Ausbrüchen. Eine Impfung oder kausale Therapie existieren nicht. Aufgrund des aktuellen Ausbruchs fordert die WHO, den Erreger besser zu erforschen. Sie schätzt ihn als einen der acht gefährlichsten Erreger überhaupt ein. Er habe ein hohes Potenzial, große Ausbrüche hervorzurufen.

 

Das Centrum für Reisemedizin schätzt das Risiko einer Infektion mit dem Nipah-Virus für Reisende derzeit als gering ein, es rät Touristen in Indien aber, auf rohe Fruchtsäfte und ungewaschene, angebissene Baumfrüchte vollständig zu verzichten. /

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