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Arzneimittelanwendung

Störfaktoren bei der Einnahme

31.05.2017  09:31 Uhr

»Wie haben Sie Ihr Arzneimittel angewendet?« Diese Frage sollten Apotheker immer stellen, wenn Patienten über Probleme oder Unwirksamkeit ihrer Medikamente berichten, empfahl Dr. Hiltrud von der Gathen aus Recklinghausen.

In Mund, Speiseröhre, Magen und Darm sowie bei der Ausscheidung gibt es Störfaktoren, die den Therapieerfolg und die Compliance schwächen können. »Mit Rat können Apotheker Verunsicherungen vorbeugen«, betonte die Apothekerin. Solche bestünden zum Beispiel bei Vaginaltabletten oder Tabletten zur Desinfektion; in solchen Fällen müsse dem Patienten erklärt werden, dass nicht alle festen Arzneiformen geschluckt werden.

 

Fehler sind schon vor der Einnahme möglich: So zerbrechen Schmelztabletten, meist Lyophilisate, wenn der Patient sie aus dem Blister herausdrückt. Sie dürfen auch nicht mit feuchten Fingern oder auf Vorrat aus dem Blister entnommen werden, da sie sich dann auflösen.

 

Genügend Wasser trinken

 

Medikamente zur lingualen Anwendung kann der Patient ohne Wasser einnehmen, muss aber schlucken können. Eine sub­linguale Anwendung ist auch bei Schluckstörungen möglich. Sollen Arzneimittel im Mund wirken oder resorbiert werden, ist nach der Anwendung eine 30-minütige Ess- und Trinkpause angezeigt.

 

Prinizipiell empfehle es sich, Medikamente – auch mehrere gleichzeitig – mit mindestens 250 ml Wasser zu schlucken, sagte von der Gathen. »Bei Arzneistoffen wie Eisen, Kalium, Tetrazyklinen oder Bisphosphonaten, die die Schleimhaut der Speiseröhre reizen, muss der erste Schluck groß sein, damit die Arzneiform schnell herunterrutscht.« Die Einnahme mit Milch werde wegen des Calciumgehalts generell kritisch gesehen, sei aber zu empfehlen für Mefloquin und Griseofulvin. Fruchtsäfte eignen sich für das Schlucken von Eisenpräparaten, die bei Nüchterngabe am besten resorbiert werden, aber schlecht magenverträglich sind. Bleibt die L-Dopa-Wirkung aus, sollte das Apothekenteam klären, ob der Patient das Präparat nüchtern einnimmt.

 

Ein generelles Verbot von Alkohol ist für viele Patienten realitätsfern. Hier gelte es, auf mögliche Wechselwirkungen zu achten, erklärte von der Gathen. So kann Alkohol die Hepatotoxizität von Arzneimitteln wie Methotrexat (MTX), Isoniazid und Paracetamol verstärken und ist dann tabu. Mit Metro­nidazol, Triazol-Antimykotika und Griseofulvin kann ein Disulfiram-Effekt mit Übelkeit entstehen. Da Alkohol die Magenmucosa schädigt, ist Vorsicht geboten bei Einnahme von MTX und nicht steroidalen Antirheumatika. Wegen der Gluconeogenese-Hemmung sollten Menschen mit Diabetes auf Hypo­glykämien achten.

 

Viele Arzneistoffe, die die Spiegel von Neurotransmittern wie Histamin, Dopamin, Serotonin und Acetylcholin steigern, können Übelkeit auslösen. Dazu gehören zum Beispiel Opioide, L-Dopa und Dopamin-Agonisten, Antidepressiva wie SSRI und Tri­zyklika sowie Anti­dementiva wie Riva­stigmin und Galantamin. »Man kann dem Patienten erklären, dass die üblen Nebenwirkungen nach einiger Zeit nachlassen und ihn zum Durchhalten ermutigen«, empfahl von der Gathen. Bei manchen Arzneistoffen, zum Beispiel Donepezil, kann die abendliche Einnahme helfen, die Übelkeit zu verschlafen.

 

Verfärbter Stuhl

 

Schließlich kann auch die Ausscheidung den Patienten beunruhigen und an der Medika­tion zweifeln lassen, sagte die Apothekerin. Dies gilt zum Beispiel für Arzneiformen mit unverdaulichen Gerüstbildnern, die optisch unverändert ausgeschieden werden. Auch verfärbter Stuhl kann Sorgen bereiten. Man solle den Patienten vorab darauf hinweisen, das Eisen und Kohle den Stuhl schwärzen, Ethacridinlactat und Nystatin ihn gelb färben und Pyrvinium­embonat sogar rosa.

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