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Vorhofflimmern

Orale Antikoagulanzien sind fester Bestandteil der Therapie

31.05.2017  09:31 Uhr

Vorhofflimmern (VHF) beruht auf Extra­systolen, die im linken Vorhof am Übergang zu den Pulmonalvenen entstehen. Dieses elektrophysiologische Substrat des VHF wurde vor etwa 18 Jahren entdeckt und seitdem gewinnen Verfahren zur Pulmonalvenen- Isolation an Bedeutung, berichte Professor Dr. Andreas Schuchert vom Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster.

 

Wesentliches Ziel des Kathetereingriffs ist es, die Pulmonalvenen vom linken Vorhof zu isolieren und damit die Ursache des VHF zu beseitigen. Etwa 70 bis 80 Prozent der Patienten mit paroxysmaler, also spontan endender Rhythmusstörung sind danach auch ohne Antiarrhythmikum beschwerdefrei. Dabei sei die Ablation mit Hoch­frequenzstrom gleichwertig zur Kryo­ablation, berichtete der Kardiologe. Beide Verfahren werden zunehmend auch bei persistierendem VHF eingesetzt. Allerdings erleiden etwa 3 Prozent der Patienten ernsthafte Komplikationen, sodass eine gute Aufklärung nötig ist, um zwischen Medikation und Eingriff abzuwägen. Bei jungen Patienten und häufigen VHF-Rezidiven sollte man die Ablation besser frühzeitig einsetzen.

 

Wie Schuchert in PZ 21/2017 ab Seite 30 ausführt, soll die Therapie des VHF die Lebensqualität verbessern und das Leben der Patienten verlängern. »Fast alle Patienten über 65 Jahre brauchen eine orale Antikoagulation«, sagte der Arzt. Die Indikation dazu wird mithilfe des CHADS-VASc-Scores gestellt, der das Schlaganfallrisiko der Patienten erfasst. »Ist die Indikation einmal gestellt, ist das eine lebenslange Therapie.«

 

Porsche statt Traktor

 

Die neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) sind pharmakologisch so unterschiedlich von den Vitamin-K-Ant­agonisten, dass ein Umdenken in der Antikoagulation notwendig ist. Das berichtete Professor Dr. Susanne Alban von der Christian-Albrecht-Universität Kiel. »Wir müssen die seit Jahrzehnten routinierte Praxis verlassen«, so Alban. Die neuen Wirkstoffe verhielten sich wie Sportwagen im Vergleich zu Traktoren, den Vitamin-K-Antagonisten, und erforden daher einen anderen Umgang.

 

Insgesamt sei die Anwendung der NOAK im Vergleich zu den Vitamin-K-Antagonisten deutlich einfacher und bequemer, sie setzte aber eine gute Adhärenz voraus. Für die optimale Sicherheit sei es auch wichtig, dass die Behandler den aktuellen Kenntnisstand, zum Beispiel aus den Fachinformationen, berücksichtigen. Zudem sollten die Patienten unbedingt ihren Antikoagulations-Ausweis bei sich führen. »Die Apotheker sollten jedes Mal, wenn sie ein NOAK-Präparat abgeben, darauf hinweisen, dass der Ausweis lebensrettend sein kann«, sagte Alban (mehr dazu ab Seite 46).

 

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