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Chronische Sinusitis

Nasen-Mikrobiom ist nicht schuld

01.06.2016
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Von Annette Mende / Die Zusammensetzung der Bakterien in der Nasenhöhle unterscheidet sich bei Menschen, die an einer chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen leiden, nicht von der bei Gesunden.

Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig fanden bei einer detaillierten Untersuchung der Nasen von 79 Freiwilligen zwar interindividuelle Unterschiede in der Zusammensetzung des Mikrobioms. Je nach Bakterienprofil konnten die Wissenschaftler um Dr. Melissa Wos-Oxley dabei auch Gruppen mit ähnlichen Mikrobenspektren ausmachen. Ob der Betreffende an einer chronischen Sinusitis litt oder nicht, war für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe aber nicht relevant. Das berichten die Forscher im Fachjournal »Environmental Microbiology« (DOI: 10.1111/1462-2920.13378).

 

»Man hätte erwarten können, dass bei chronischen Entzündungen andere Keime zahlenmäßig vorherrschen – sei es als Ursache oder als Folge der Erkrankung«, kommentiert Seniorautor Professor Dr. Dietmar Pieper. Vor dem Hintergrund dieses unerwarteten Ergebnisses bleibe die Rolle des Nasen-Mikrobioms bei der Rhinosinusitis ungeklärt.

 

Für ihre Studie hatten die Autoren Abstriche und Gewebeproben von vier Stellen aus der gesamten Nasenhöhle untersucht. Dabei stellten sie fest, dass sich die Bakterienzusammensetzung zwischen den unterschiedlichen Regionen vom Nasenvorhof bis zu den Nasengängen kaum unterschied – auch das ein unerwartetes Ergebnis. Denn beispielsweise in der Mundhöhle ist das anders, wie Pieper erläutert: »Dort gibt es scharf abgegrenzte Bereiche mit sehr unterschiedlichen Bakteriengemeinschaften.« Die meisten Bakterienarten, die die Wissenschaftler auf den Oberflächen des Naseninnenraums fanden, sind harmlos. Am häufigsten dominierte die Spezies Corynebacterium accolens. Eine andere Probandengruppe wies besonders viele Staphylococcus-aureus-Bakterien auf, darunter auch Methicillin-resistente (MRSA). /

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