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Cannabis

In der Medizin ja, Legalisierung nein

26.05.2015  16:19 Uhr

Von Stephanie Schersch, Berlin / Die Bundesregierung will schwerkranken Menschen den Zugang zu medizinischem Cannabis erleichtern. Mit Blick auf eine allgemeine Freigabe der Droge bleibt sie jedoch bei ihrem strikten Nein. Das bekräftigte die Drogenbeauftrage Marlene Mortler (CSU) vergangene Woche in Berlin.

»Cannabis hat als medizinisches Präparat seine Berechtigung«, sagte Mortler bei der Vorstellung des aktuellen Drogen- und Suchtberichts der Bundesregierung. Krankenkassen müssten die Kosten für entsprechende Arzneimittel daher übernehmen. »Ich bin zuversichtlich, dass wir zeitnah eine entsprechende Regelung auf den Weg bringen werden.«

 

Eine allgemeine Legalisierung von Cannabis ist für die Bundesregierung hingegen keine Option. Auf einen solchen Schritt hatten zuletzt etwa Grüne und FDP gedrängt. »Die Risiken sind viel zu groß«, sagte Mortler. Cannabis berge ernsthafte Gesundheitsgefahren vor allem für junge Menschen. »Wir dürfen den Konsum nicht verharmlosen.«

 

Dem Suchtbericht zufolge ist Cannabis nach wie vor die mit Abstand am weitesten verbreitete illegale Droge in Deutschland. Beinahe jeder Vierte (23,2 Prozent) zwischen 18 und 64 Jahren hat schon einmal Erfahrungen mit Cannabis gemacht. Abhängig sind etwa 0,5 Prozent der Deutschen.

 

Mehr Hilfesuchende

 

Den stärksten Anklang findet die Droge bei den Unter-25-Jährigen. In dieser Altersgruppe sei Cannabis inzwischen der Hauptgrund für eine Suchtbehandlung, so Mortler. »Die Nachfrage nach Beratung und Behandlung aufgrund von Cannabiskonsum steigt.« Zwischen 2007 und 2013 sei die Zahl der Hilfesuchenden um ganze 31 Prozent gewachsen.

 

Auch Alkohol und Tabak bleiben ein großes Problem, dennoch gibt es kleine Erfolge. So sind 2013 rund 12,8 Prozent weniger Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden als 2012. Tabak rauchte 2014 zwar immer noch fast jeder vierte Erwachsene (24,5 Prozent), bei den 12- bis 17-Jährigen waren es aber nur noch 9,7 Prozent. »Damit liegt die Quote erstmals unter 10 Prozent«, sagte Mortler. 2001 hatten noch 28 Prozent der Jugendlichen geraucht.

 

Diesen Fortschritt will sich die Drogenbeauftragte nicht durch einen verstärkten Konsum von E-Zigaretten und E-Shishas zunichtemachen lassen. Jeder fünfte Minderjährige habe die elektronische Zigarette schon einmal probiert, sagte sie. Die Bundesregierung will den Verkauf dieser Produkte an Jugendliche daher verbieten. 2016 soll das geplante Verbot Mortler zufolge in Kraft treten.

 

Modedroge Crystal Meth

 

Im vergangenen Jahr war Ecstasy laut Drogenbericht erneut auf dem Vormarsch. Die Zahl der polizeilich erstmals registrierten Konsumenten stieg 2014 um 42 Prozent. Sorgen bereitet der Bundesregierung zudem die Modedroge Crystal Meth (plus 14 Prozent). Betroffen sind insbesondere die Grenzregionen zu Tschechien. Deutschland arbeite mit den Behörden des Nachbarlandes zusammen, so Mortler. In Polen gebe es darüber hinaus den Beschluss, Ephedrin-haltige Arzneimittel unter die Verschreibungspflicht zu stellen und damit den Zugang zu diesen Präparaten zu erschweren. Ephedrin dient häufig als Grundstoff für die Herstellung von Crystal Meth.

 

Kaum neue Zahlen liefert der Bericht zum Thema Arzneimittelsucht. So bezieht er sich überwiegend auf Daten des Epidemiologischen Suchtsurveys 2012. Demnach sind in Deutschland etwa 2,3 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren abhängig von Arzneimitteln. Weitere 4,6 Millionen nehmen Medikamente missbräuchlich ein.

 

Die Opposition sieht sich mit Blick auf die Zahlen zum Cannabiskonsum insbesondere junger Menschen bestätigt. Die Zahlen zeigten »wie erfolglos die ideologische Verbotspolitik der Bundesregierung ist«, sagte Harald Terpe von den Grünen. Linken-Drogenexperte Frank Tempel lobte die geplanten Erleichterungen für den Einsatz von Cannabis in der Medizin. »Offenbar hat der Druck aus Gesellschaft und Opposition hier zu einem späten Umdenken geführt.« /

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