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Bessere Betaversion

27.05.2015  09:34 Uhr

Die Große Koalition will das geplante GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) an einigen Stellen noch einmal umstricken. Die Betaversion bringt tatsächlich Verbesserungen. Denn in Sachen Entlassmanagement war der erste Entwurf des Gesetzes eindeutig zu grobmaschig und hätte es privaten Anbietern unter Umständen ermöglicht, dass sie bei der Entlassung eines Patienten aus dem Krankenhaus Rezepte vermitteln dürfen. Das musste unbedingt verhindert werden. Zum Glück haben auch Union und SPD das noch rechtzeitig erkannt. Sie wollen nun in dem Gesetz ergänzen, dass auch bei der Verschreibung der Entlassmedikation im Krankenhaus das Zuweisungsverbot gilt (lesen Sie dazu Entlassmanagement: Koalition will keine Rezeptmarker). Die Begründung dafür ist schlüssig. Die Große Koalition will damit die flächendeckende und wohnortnahe Arzneimittelversorgung sicherstellen. Zudem solle das Zuweisungsverbot »korruptionsanfällige unerwünschte Formen der Zusammenarbeit« ausschließen. Weiterer Bestandteil dieses Änderungsantrages ist das Vorhaben, dass Klinik­ärzte grundsätzlich jede N1-Packung und nicht nur die kleinste N1 verordnen können. Auch das ist aus Patientensicht sinnvoll.

 

Insgesamt sollen 57 Änderungsanträge in die Betaversion des neuen ­Gesetzes einfließen. Leider befindet sich darunter keiner, der sich der Honorierung der Apotheker widmet. Egal, ob bei der regelmäßigen Überprüfung des Fixums, der Anpassung der BtM-Gebühr oder der Vergütung der Rezepturherstellung: Hier besteht dringender Handlungsbedarf. In das GKV-VSG werden diese Forderungen der Apotheker aber keinen Einzug mehr finden. Schade, denn das hätte die Betaversion des Gesetzes noch besser gemacht.

 

Dieses Versäumnis können die Politiker aber schon bald nachholen. ­Bereits im Herbst wird mit einem weiteren Gesetz gerechnet, mit dem die Bundes­regierung voraussichtlich die Ergebnisse des sogenannten Pharma­dialogs umsetzen wird. Thematisch würden verbesserte Regelungen in Bezug auf die Vergütung von Apotheken dort gut hineinpassen. Statt der verpassten Chance GKV-VSG hinterherzutrauern, sollte die Apothekerschaft nun all ihre Bemühungen auf diese neue Option richten und nicht müde werden zu versuchen, die Politiker von der Notwendigkeit einer verbesserten Honorierung zu überzeugen.

 

Dass steter Tropfen den Stein höhlt, zeigt sich zum Beispiel mit Blick auf den geplanten Innovationsfonds, der sektorübergreifende Versorgungsprojekte fördern soll. Anträge auf Unterstützung durften dem bisherigen Entwurf des GKV-VSG zufolge nur einzelne Akteure stellen, darunter Ärzte, Krankenkassen und Pharmaunternehmen. Diese Aufzählung soll nun gestrichen werden. Damit wären auch die Apotheker im Boot und das völlig zu Recht. Denn viele Projekte der Apotheker zur Stärkung der Arzneimitteltherapiesicherheit dürften die Förderkriterien des Fonds mit Leichtigkeit erfüllen.

 

Sven Siebenand

Stellvertretender Chefredakteur

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