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Pharmabranche

Die Fusionswelle rollt

27.05.2014  09:30 Uhr

Titel

Hyponatriämie: Natrium und Wasser im Ungleichgewicht

Hyponatriämie ist die häufigste Störung des Elektrolyt- und Wasserhaushalts. Sie kann bei zahlreichen Grunderkrankungen auftreten. Aber auch...

Von Daniela Biermann und Ev Tebroke / Sinkende Umsätze und Margen: Die schwierige Marktsituation in der Pharmabranche führt 2014 zu einer regelrechten Fusionswelle. Nun stehen die Zeichen auf Wachstum. Und die Entwicklungspipelines sind gut gefüllt.

Das Jahr 2014 könnte die bislang größte Fusions- und Übernahmewelle in der Geschichte der Pharmabranche mit sich bringen. Wie die Stuttgarter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mitteilte, wurden seit Jahresbeginn bereits Transaktionen im Gesamtwert von 84 Millionen US-Dollar (rund 61 Milliarden Euro) abgeschlossen. Demnach haben die sogenannten M & A-Aktivitäten (Mergers & Acquisitions) schon in den ersten vier Monaten dieses Jahres das Gesamtniveau von 2013 nahezu erreicht.

 

Der Wert der Fusionen und Übernahmen lag im vergangenen Jahr nach Angaben der Analysten bei knapp 88 Milliarden US-Dollar (rund 64 Milliarden Euro). Unter Berücksichtigung der bereits angekündigten, aber noch nicht vollzogenen Transaktionen werde das Gesamtvolumen der M&A Aktivitäten in der Pharmabranche dann im Gesamtjahr bei mindestens 265 Milliarden US-Dollar (rund 194 Milliarden Euro) liegen.

 

Historischer Höchststand

»Das gab es in dieser Höhe bislang noch nie, ein historischer Höchststand«, so ein Sprecher von Ernst & Young. Allein die vom Branchenriesen Pfizer anvisierte Übernahme des schwedisch-britischen Konkurrenten Astra-Zeneca wird als die teuerste Übernahme in der britischen Wirtschaftsgeschichte gehandelt. Das letzte, wenn auch erfolglose Angebot von Pfizer vergangene Woche lag bei rund 117 Milliarden Dollar (85,4 Milliarden Euro).

 

Grund für die Transaktionswelle ist der anhaltende Gewinnrückgang der großen Pharmakonzerne. Sinkende Produktpreise, Kostendruck und eine stagnierende Nachfrage in den angestammten Märkten sowie die zunehmende Konkurrenz durch billige Nachahmerprodukte setzen der Branche zu. Fusionen und Übernahmen bieten den Unternehmen wieder Wachstumschancen. »Die Märkte haben in den vergangenen Jahren jene Pharmaunternehmen belohnt, die strategisch sinnvolle Akquisitionsstrategien verfolgt, ihre Portfolios fokussiert und ihr Kapital effizient eingesetzt haben«, kommentierte Gerd Stürz, Leiter des Bereiches Life Sciences bei Ernst & Young die Fusionswelle.

 

Weniger Gewinn

 

Nach den Berechnungen der Wirtschaftsprüfer sank die operative Gewinnmarge der zehn größten börsennotierten Pharmaunternehmen im Jahresvergleich um einen Prozentpunkt von 25,5 Prozent auf 24, 5 Prozent. Der Umsatz ging im vergangenen Jahr um 2,1 Prozent auf knapp 240 Milliarden Euro zurück. Bereits im Vorjahr hatten sich die Umsätze um gut 3 Prozent verringert, so die Berechnungen von Ernst & Young. Und auch die Gewinne sind demnach rückläufig: Der operative Gewinn (EBIT) der Konzerne sank um 5 Prozent auf knapp 85 Milliarden Euro.

 

Die Firmen, die im Ernst & Young-Ranking der weltweit 20 größten Pharmakonzerne auf den Plätzen 11 bis 20 liegen, konnten ihren Umsatz dagegen um 6,6 Prozent steigern. Beim Gewinn legten sie um 2,9 Prozent zu, die Marge blieb laut Analysten mit 25,1 Prozent fast konstant. In diese Gruppe gehören auch die zwei größten deutschen Pharmaunternehmen Bayer mit Sitz in Leverkusen und Merck aus Darmstadt.

 

Trotz Umsatz und Gewinnrückgang bei den großen Playern sind insgesamt die Pipelines mit Wirkstoffen gut gefüllt. Alle untersuchten 20 Firmen hatten demnach im vergangenen Jahr zusammen 2570 Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung gegenüber 2406 Substanzen im Jahr 2012. Die Zahl der heißen Kandidaten in Phase III stieg von 542 auf 664. Bereits im Zulassungsverfahren befanden sich 2013 weltweit 125 Wirkstoffe und weitere 73 schafften den Sprung auf den Markt im Vergleich zu 71 Arzneistoffen 2012 und nur 22 im Jahr 2011.

 

»Die hohe Zahl an Wirkstoffen in Phase III lässt auf einen kräftigen Schub an Zulassungen in den kommenden Jahren hoffen – und auf entsprechende Umsatzsteigerungen«, sagte Stürz. Dabei stellen Krebstherapeutika und Immunologika mit 1377 Kandidaten mehr als die Hälfte (53 Prozent) der potenziellen neuen Arzneistoffe in Phase I bis III. Platz zwei und drei belegen die Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Medikamente mit 288 Kandidaten und 204 Substanzen im Bereich Neurologie und Schmerzen.

 

Gekürzte Budgets

 

»Viele Pharmakonzerne haben ihre Forschungsbudgets reduziert, gleichzeitig konzentrieren sie sich auf umsatzstarke Projekte wie beispielsweise die Entwicklung von Krebsmedikamenten«, erklärte Stürz die verstärkten Investitionen in diesem Gebiet. Dabei senkten die zehn weltweit größten Pharmaunternehmen ihre Forschungs- und Entwicklungskosten um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Unternehmen auf Platz 11 bis 20 investierten dagegen zusammen 10,2 Prozent mehr in die Forschung. Bei ihnen legte der Blockbuster-Umsatz um 1,8 Prozent zu, während er bei den Top-Ten-Unternehmen um 0,5 Prozent sank. Diese Arzneimittel mit einem Jahresumsatz von mehr als 1 Milliarde US-Dollar machten bei den 20 untersuchten Firmen 57,1 Prozent des Umsatzes aus. /

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