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Doppelschlag gegen Influenzaviren

26.05.2009
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Doppelschlag gegen Influenzaviren

Von Sven Siebenand

 

Zwei Blockaden bringen mehr als eine: Ein Team von Wissenschaftlern in den USA ist dabei, Grippemittel zu entwickeln, die nicht nur die virale Neuraminidase, sondern auch das Protein Hämagglutinin hemmen.

 

Neuraminidase-Inhibitoren wie Oseltamivir und Zanamivir blockieren das virale Enzym Neuraminidase, das für die Abspaltung von der Wirtszelle benötigt wird. Hierfür spaltet es die Sialinsäure von den Glykoproteinen in der Zellmembran der Wirtszelle ab. Das virale Protein Hämagglutinin spielt bei der Infektion einer Zelle eine wichtige Rolle: Die Erreger binden mithilfe des Hämagglutinins an Sialinsäure in der Zellmembran. Erst danach können sie in die Zelle eindringen und sich dort vermehren. Hämagglutinin-Blocker gibt es bislang noch nicht auf dem Markt.

 

Wie das Team um Professor Dr. Robert Linhardt am Rensselaer Polytechnic Institute in Troy (New York) berichtet, ist es gelungen, durch die sogenannte Klick-Chemie eine Substanz »nachzubauen«, die beide Proteine blockiert. Chemisch betrachtet handelt es sich dabei um ein Derivat der Sialinsäure. Dieses verwechseln die Viren mit der richtigen Sialinsäure und binden daran. Linhardt räumt ein, dass man noch einige Schritte von einem Humanarzneimittel entfernt ist. Vor Beginn klinischer Studien muss er die Wirkung der Substanz erst in Zellversuchen und anschließend in Tierversuchen testen.

 

»Beim mutierten Schweinegrippe-Virus H1N1 haben wir offensichtlich Glück, dass es auf die verfügbaren antiviralen Mittel anspricht. Das kann sich aber mit weiteren Mutationen ändern«, so der Wissenschaftler. Deshalb sei es sinnvoll, mit einem Doppelschlag gegen die Viren vorzugehen, also sowohl die Neuraminidase als auch das Hämagglutinin zu hemmen.

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