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Impfstoffe

Was gibt es Neues?

27.05.2008
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Pharmacon Meran 2008

Impfstoffe: Was gibt es Neues?

Impfungen sind die wirksamste und kosteneffektivste Präventionsmaßnahme. Dem Apotheker kommt in der Beratung die wichtige Rolle zu, über alte und neue Impfungen aufzuklären und die Impfbereitschaft zu erhöhen.

 

Relativ neu und beratungsbedürftig sei die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV), die vor einem Zervixkarzinom schützen soll, sagte Professor Dr. Thomas Weinke vom Ernst-von-Bergmann-Klinikum, Potsdam. Von den Viren existieren etwa 200 Subtypen, von denen die sogenannten Hochrisikotypen (HPV 16, 18, 31) Krebs auslösen und die Niedrigrisikotypen (unter anderem HPV 6 und 11) Genitalwarzen hervorrufen können. Gegen HPV sind zwei Vakzinen auf dem Markt: Der tetravalente Impfstoff Gardasil® schützt vor HPV 6, 11, 16 und 18, das bivalente Cervarix® vor den Typen 16 und 18. »Das ist der Hauptunterschied zwischen den beiden Vakzinen, ansonsten sind sie beide gut verträglich und haben eine exzellente Effektivität von über 95 Prozent«, sagte Weinke. Gardasil sei in der letzten Zeit wegen zwei Todesfällen in Zusammenhang mit einer HPV-Impfung in die Diskussion geraten. Doch dies sei ausschließlich ein zeitlicher Zusammenhang, wie das Paul-Ehrlich-Institut in einer Stellungnahme eindeutig klargestellt hätte. Nebenwirkungen wären weder in den Studien noch in der Zeit nach der Einführung beobachtet worden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine HPV-Impfung für alle Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren. Der Impfzyklus sollte möglichst vor dem ersten Sexualkontakt abgeschlossen sein. Auch Mädchen nach dem 18. Geburtstag können sich noch immunisieren lassen. Die Impfung wird dann aber in der Regel nicht von den Krankenkassen bezahlt und die Wirksamkeit ist eingeschränkt.

 

Für eine sehr viel jüngere Zielgruppe sind die Rotavirus-Impfungen gedacht. Die Viren verursachen schwere Durchfälle bei Kindern von sechs Monaten bis zwei Jahren. Die beiden Lebendimpfstoffe RotaTeq® und Rotarix® sind nur für die ersten sechs Lebensmonate zugelassen. Sie verhindern schwere Erkrankungen zu 90 Prozent, berichtete der Mediziner. Die STIKO hat sich noch nicht zu dieser Impfung positioniert, die zu den IGeL-Leistungen zählt und selbst bezahlt werden muss, sagte Weinke.

 

In den Impfkalender aufgenommen wurde dagegen die Grundimmunisierung aller Säuglinge  gegen Varizellen. Das Varicella-Zoster-Virus löst bei Kindern Windpocken aus. Nach der Erkrankung persistiert der Erreger in den Dorsalganglien und kann im Erwachsenenalter bei Immunschwäche reaktiviert werden und Gürtelrose verursachen, erklärte Weinke. Laut STIKO sollten alle Kinder im ersten Lebensjahr gegen Varizellen geimpft werden. Hierfür stehen die Einzelimpfstoffe Varivax® und Varilrix® sowie Kombinationsimpfstoffe (gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen) zur Verfügung. Da in den vergangenen Jahren die Zahl der Windpockenerkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen angestiegen war und bei diesen die Komplikationsrate deutlich höher ist, empfiehlt die STIKO eine Impfung aller ungeimpften 9- bis 17-Jährigen. Eine Immunisierung oder durchgemachte Erkrankung schützt aber nicht ein Leben lang vor Gürtelrose (Zoster). Durch verschiedene Faktoren kann der Antikörpertiter sinken und die schmerzhafte Erkrankung, die Betroffene über Wochen bis Monate beeinträchtigen kann, bricht aus. Eine Auffrischimpfung könne die Antikörpertiter wieder anheben, sagte Weinke. Der Varicella-Impfstoff sei aber zu schwach dosiert. Gegen Zoster ist der Lebendimpfstoff Zostavax® in Europa zugelassen, der das gleiche Impfvirus wie die Varicella-Impfstoffe, aber in 14-facher Konzentration enthält. In Österreich ist er bereits verfügbar, in Deutschland noch nicht. Die STIKO habe sich noch nicht positioniert, doch aufgrund der guten Studiendaten rechnet Weinke mit einer entsprechenden Empfehlung.

 

Auch bei der Influenza-Impfung gebe es eine Neuerung. Im vergangenen Winter kam der Impfstoff Optaflu® auf den Markt, der mithilfe von Zellkulturen und ohne embryonierte Hühnereier produziert wird. Vergangenes Jahr hatte der Hersteller Lieferschwierigkeiten. Diesen Winter wird der Impfstoff wohl gar nicht oder in sehr geringen Mengen lieferbar sein, sagte Weinke.

 

Zuletzt stellte er eine Neuerung bezüglich der Keuchhustenimpfung vor. Weil die Erkrankungszahl bei den über 15-Jährigen stark angestiegen ist, empfiehlt die STIKO nun eine weitere Auffrischimpfung im Jugendalter. Zudem sollten sich alle Kontaktpersonen von Säuglingen impfen lassen, weil kleine Kinder von Pertussis besonders bedroht sind.

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