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Pharmacon Meran 2006

Hirn, Homöopathie und Hühnerpest

29.05.2006  10:53 Uhr

Pharmacon Meran 2006

Hirn, Homöopathie und Hühnerpest

von Brigitte M. Gensthaler, Christina Hohmann und Hartmut Morck, Meran

 

Der 44. Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer reihte ein interessantes Thema an das nächste: Das Spektrum reichte von ZNS-Erkrankungen über die Geschichte und Wirksamkeit der Homöopathie bis hin zu den verschiedenen Infektionskrankheiten und deren Prophylaxe.

 

Wie richtig der Wissenschaftliche Beirat mit der Themenauswahl der 44. Fortbildungswoche lag, zeigte der große Zuspruch der Apothekerinnen und Apotheker: Mehr als 800 Teilnehmer konnte der Kongress vom 21. bis 26. Mai in Meran verzeichnen. In 18 Vorträgen vermittelten Experten ihres Fachs den aktuellen Stand der Pharmazie sowie praxisrelevantes Wissen.

 

Mit einem beeindruckend plastischen Vortrag zum Thema »Schwindel« begann die Reihe, die sich mit den Erkrankungen des Zentralnervensystems befasste, wie Demenz, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose und Depressionen. Besonders im Fokus standen dabei die Wirksamkeit und Sicherheit der in Verruf geratenen Antidepressiva sowie die zum Teil schwerwiegenden und häufigen Arzneimittelinteraktionen bei ZNS-Pharmaka.

 

Auf starkes Interesse stieß die Vortragsreihe zur Homöopathie, die fundierte wissenschaftliche Informationen vermittelte und zu regen, sachlichen Diskussionen führte. Abgerundet wurde sie durch das begleitende Seminar »Homöopathie in der Beratung durch den Apotheker«, das den Teilnehmern die klassische Lehre dieser alternativen Medizinrichtung nahe brachte. Fast schon traditionell für den Meraner-Kongress wurden die neu zugelassenen Wirkstoffe kritisch besprochen und ein Blick in die Pipeline gewährt - auf Substanzen, die in Zukunft auf den Markt kommen könnten.

 

Auch dieses Jahr kamen ethische Aspekte nicht zu kurz: Zwei hochkarätige Referenten beleuchteten die »Verteilungsgerechtigkeit im Gesundheitssystem« aus ethischer und ökonomischer Sicht und stellten dar, nach welchen Prioritäten eine Rationalisierung erfolgen könnte.

 

Den Abschluss des Kongresses bildete die Vortragsreihe über Reisemedizin und Prophylaxe. Dabei wurden unter anderem hochaktuelle Neuerungen der Impfempfehlungen der STIKO vorgestellt und die Vorbereitungen auf eine möglicherweise bevorstehende Vogelgrippe-Pandemie besprochen.

 

Durch den ersten Teil des Programms führte auf bekannt »stürmische«, anschauliche Art Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Frankfurt am Main. Den zweiten Teil moderierte in ruhiger, humorvoller Weise Professor Dr. Peter Christian Schmidt aus Nürnberg.

 

Besonders relevant für die Beratung im Apothekenalltag waren die Seminare des diesjährigen Kongresses: Sie befassten sich mit komplexen Themen wie »Psychologische Begleitung depressiver Patienten« und der »Kommunikation mit schwer kranken Patienten«. Die Seminare »Automatische Arzneimittel-Risikoprüfung mit CAVE« wurden erstmals als Basis- und Aufbauseminar angeboten.

 

Auch das Rahmenprogramm des Kongresses war vielfältig und gelungen: Beim Pharmazeutentreff im Schloss Castello Pienzenau konnten die Teilnehmer Südtiroler Spezialitäten und den Wein der Region verköstigen. Eine Atempause nach den wissenschaftlichen Vorträgen bot am Montagabend das klassische Konzert mit der ebenso jungen wie begabten Pianistin Anna Buchberger und der Sopranistin Paula-Maria Kunze, beides Preisträgerinnen des Bundeswettbewerbs »Jugend musiziert« 2005.

 

Am Mittwochabend sorgten die »uptown shufflers« im Theater in der Altstadt für Stimmung. Die Südtiroler Flora konnten die Kongressteilnehmer in drei botanisch-wissenschaftlichen Exkursionen zum Karer-Pass, zum Schnalstal bei Tschar und zur Göflaner Alm bewundern. Zumindest an diesem Tag schien die Sonne in Meran, während es die restliche Zeit über »fortbildungsfreundlich« kühl und feucht blieb.

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