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Gesund von innen und von außen

20.05.2015
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Von Annette Mende / Flöhe, Zecken und Würmer sind lästige Plagegeister, die Hunde und Katzen, teilweise aber auch Menschen befallen können. Regelmäßige Behandlungen schützen sowohl die Tiere selbst als auch ihre Besitzer vor den Parasiten.

Egal ob Schoß- oder Jagdhund, Haus- oder Draußen-Katze: Würmer sind öfter als gedacht zu Gast im Darm von Hunden und Katzen. Prinzipiell müssen daher alle Tiere regelmäßig entwurmt werden, wobei die Häufigkeit und die Wahl des Mittels abhängig von Alter, Haltung und Ernährung variiert. Mindestens viermal im Jahr muss es aber sein, so die Empfehlung des European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP), einer unabhängigen Vereinigung von Veterinärparasitologen.

 

Schon Welpen entwurmen

 

Spul- und Bandwürmer können Haustiere auch auf ihre Besitzer übertragen (lesen Sie dazu Seite 24). Ansteckungsgefahr besteht nicht erst, wenn die Vierbeiner mit anderen Tieren beziehungsweise deren Kot in Kontakt kommen. Hunde- und Katzenbabys können sich mit Spulwürmern bereits über die Muttermilch anstecken; bei Hunden ist sogar schon eine Infektion im Mutterleib möglich. Rohes Fleisch in Form von Futter oder Beutetieren sind ebenfalls eine mögliche Infektionsquelle. Bandwürmer übertragen sich zum Teil auch über Flöhe.

 

Hundewelpen müssen daher ab der zweiten Lebenswoche, Katzenwelpen ab der dritten gegen Spulwürmer behandelt werden. Anschließend wird laut ESCCAP in zweiwöchentlichen Abständen bis zwei Wochen nach der letzten Aufnahme von Muttermilch entwurmt. Säugende Hündinnen und Katzen sind gleichzeitig mit der ersten Behandlung ihrer Jungen ebenfalls gegen Spulwürmer zu behandeln. Um einer Ansteckung bereits im Mutterleib vorzubeugen, können trächtige Hündinnen um den 50. Tag der Trächtigkeit entwurmt werden.

 

Abweichend von der Viermal-im-Jahr-Faustregel sollten folgende Tiere häufiger entwurmt werden: Hunde und Katzen, die regelmäßig unbeaufsichtigt Freilauf haben, die engen Kontakt zu Kleinkindern haben und die gerade einen Flohbefall hinter sich haben. Rohes Fleisch und insbesondere Innereien als Hundefutter sollten mindestens zehn Minuten lang auf mehr als 65 °C erhitzt beziehungsweise eine Woche bei -17 bis -20 °C tiefgefroren werden, um eine Ansteckung mit Würmern zu vermeiden. Ansonsten sind Hunde, die das fressen, alle sechs Wochen gegen Bandwürmer zu behandeln.

Zecken- und Flohsaison

Katzen- und Hundeflöhe kommen in Deutschland ganzjährig vor. Häufiger als durch direkten Kontakt mit einem Artgenossen sind Infektionen über Eier, die aus dem Fell eines befallenen Tieres gefallen sind und aus denen Flöhe herangewachsen sind. Bei einem Befall ist es daher wichtig, nicht nur die erwachsenen Flöhe im Fell des Tieres zu behandeln, sondern auch die Floheier in der Umgebung.

 

Zeckenarten, die Haustiere befallen können, gibt es in Deutschland drei: den Holzbock (Ixodes ricinus), die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und selten die braune Hunde­zecke (Rhipicephalus sanguineus). Während der Holzbock vor allem von März bis Juni und September bis November unterwegs ist, haben die Auwaldzecke von Februar bis Dezember und die braune Hundezecke sogar ganzjährig Saison. Tierhalter sollten Zecken mit einem geeigneten Instrument, zum Beispiel einer Zeckenzange, vorsichtig gerade und ohne zu drehen nach oben aus der Haut ziehen, rät der ESCCAP.

Die Auswahl eines geeigneten Präparats hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem von der Tierart, der zu bekämpfenden Wurmart, dem Alter und Gewicht des Tieres. Am besten kennt sich hier der Tierarzt aus, an den Tierhalter im Zweifelsfall verwiesen werden sollten. Gängige Wirkstoffe sind Milbemycin-Oxim/Praziquantel (zum Beispiel Milbemax®, Milpro®), Pyrantel/Praziquantel/Febantel (zum Beispiel Drontal® Dog, Endogard® Plus), Pyrantel/Praziquantel (zum Beispiel Drontal® Cat), Pyrantel (zum Beispiel Banminth®), Fenbendazol (zum Beispiel Panacur®) oder Flubendazol (zum Beispiel Flubenol®).

 

Bei den Floh- und Zeckenpräparaten ist das Angebot kaum weniger verwirrend. Hier kommen als Wirkstoffe vor allem Fipronil (zum Beispiel Frontline®, Eliminall®, Flevox®, Effipro®), Imidacloprid/Permethrin (zum Beispiel Advantix®, Seresto®), Imidacloprid (zum Beispiel Advantage®, Midaspot®), Deltamethrin (zum Beispiel Scalibor®) oder Pyriprol (zum Beispiel Prac-tic®) zum Einsatz. Verabreicht werden sie als Spray, Halsband oder sogenanntes Spot on.

 

Tropfen in den Nacken

Dabei handelt es sich um kleine Einmalpipetten, die das entsprechende Präparat in der für die Größe beziehungsweise das Gewicht des Tieres erforderlichen Menge enthalten. Die gesamte Lösung einer Dosis wird zwischen den Schulterblättern des Tieres auf die Haut aufgetragen, vorzugsweise an zwei Stellen in 2 bis 3 cm Abstand. 

 

Die Fellhaare sollten gescheitelt werden, damit sie möglichst wenig mit der Lösung in Kontakt kommen und genügend Wirkstoff über die Haut resorbiert wird. Der Applikationsort zwischen den Schulterblättern soll sicherstellen, dass das Tier das Mittel nicht ableckt. Achtung: Katzen sind keine kleinen Hunde und dürfen deshalb nur mit Präparaten behandelt werden, die für sie zugelassen sind.

 

Tiere ohne freien Auslauf beziehungsweise Kontakt zu Artgenossen haben kein Risiko für Zecken- und nur ein niedriges Risiko für Flohbefall. Sie sind nur bei Bedarf zu behandeln und sollten, um diesen festzustellen, laut ESCCAP regelmäßig auf Zecken und mit einem Flohkamm auf Flöhe abgesucht werden. Tiere mit freiem Auslauf oder regelmäßigem Kontakt zu Artgenossen sollten ganzjährig gegen Flöhe behandelt werden sowie während der gesamten Zeckensaison (siehe Kasten) mit einem Zeckenschutzpräparat. Auch die Umgebung, vor allem Schlaf- und Liegeplätze sind regelmäßig zu reinigen. /

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