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Medizingeschichte

Flöhe im Museum

20.05.2015
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Von Brigitte M. Gensthaler / Winzig klein, aber springlebendig ist das Objekt der aktuellen Ausstellung im Deutschen Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt. In der Ausstellungsreihe »Medizin unter der Lupe« dreht sich alles um den Floh.

»Der Floh ist ein ungemein vielseitiger kleiner Kerl, der eine äußerst innige Beziehung zum menschlichen, vor allem zum weiblichen Körper pflegte«, berichtet Museumsleiterin Professor Dr. Marion Ruisinger. 

 

Dabei geht es weniger um den kranken als vielmehr um den gesunden Körper. Früher galten Flöhe zwar als lästige Blutsauger, aber nicht als Seuchen- und Pestboten. Das innige Miteinander von Mensch und Floh hatte teilweise amüsante Seiten: Man baute Flohfallen, legte Flöhe an die Kette, bewunderte ihre Sprungkraft und amüsierte sich im Flohzirkus. Die Naturforscher des Barock legten die Tierchen unters Mikroskop, das damals auch »Flohglas« hieß. Vor allem war man überzeugt, dass Frauen mehr unter den Mitbewohnern zu leiden hatten als Männer. Die Flöhe galten als Liebhaber des süßen Bluts und der zarten Haut. Weil der Floh vom Blut der »gewitzten Frauenzimmer« lebte, galt er als besonders schlaues Tier.

 

Die Exponate beschränken sich nicht auf den Anatomiesaal, sondern springen fröhlich durch alle Räume und alle Fensternischen. »Freuen Sie sich auf den ältesten Floh der Welt, auf Blumenbachs Floh an der Kette, Flohbeine aus Meißener Porzellan und bekleidete Flöhe«, lädt Ruisinger ein. Ein Highlight für Zoologen ist der 50 Millionen Jahre alte Floh, der in baltischem Bernstein konserviert ist. Natürlich darf der Flohzirkus nicht fehlen. In einer Vitrine sind Wägelchen, Karusselle und Ballerina-Kostüme aus dem Flohzirkus zu sehen. »Das sind alles Leihgaben von Robert Birk, dem Flohzirkusdirektor vom Münchner Oktoberfest«, berichtet Ruisinger. Im Begleitprogramm zur Ausstellung wird Birk mit seinen kleinen Artisten im Museum zu Gast sein.

 

Die Ausstellung, zu der auch ein Katalog erschienen ist, ist bis zum 13. September zu sehen im Deutschen Medizinhistorischen Museum, Anatomiestraße 18-20, 85049 Ingolstadt. Nähere Informationen unter www.dmm-ingolstadt.de /

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