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Robert Koch

Bakterien im Bild

25.05.2010
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Von Conny Becker / Vor 100 Jahren, am 27. Mai 1910, starb Robert Koch, der dank seiner bahnbrechenden Forschung zu einem der berühmtesten Bakteriologen wurde. Weniger bekannt ist, dass er auch die wissenschaftliche Fotografie auf seinem Gebiet begründete.

Detailreiche Bilder von Mikroorganismen kennt heute fast jeder, nicht nur aus wissenschaftlichen Journalen. Die häufig dekorativ angefärbten Strukturen von HIV- oder Influenza-Viren begegnen uns fast täglich auch in Tagespresse und Fernsehen. Dass es dazu kam, war auch eines der Verdienste von Robert Koch.

Der 1843 geborene Mediziner erlangte Berühmtheit, da er 1876 am Beispiel des Milzbrandes erstmals Bakterien als Krank­heitserreger nachgewiesen hatte. Neben seinen fünf Postulaten zur Iden­tifizierung eines Mikroorganismus als krankmachendes Agens bedurfte es zur Überzeugung der Fachkreise aber auch der Sichtbarmachung der Bakterien, was Koch über Färbung mit Anilinfarbstoffen und mithilfe des Mikroskops erreichte. Teilen konnte er seine visuellen Ein­drücke jedoch zunächst nur in Demons­trationen vor Augenzeugen im Labor oder mittels Zeichnungen und Lithografien.

 

Fotos als Beweise

 

Zu jener Zeit war die in den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelte Fotografie bereits weit verbreitet und galt in den verschiedenen Forschungsgebieten als das Medium schlechthin, wissenschaftliche Erkenntnisse zu objektivieren. Während mithilfe des Teleskops die ersten scharfen Mondbilder aufgenommen wurden, entwickelte Koch ein fotografisches Verfahren, um die kleinsten, für das menschliche Auge unsichtbaren Lebewesen so festzuhalten, wie er sie in seinem Mikroskop selber sah. Er reihte dafür Kamera, Mikroskop und einen als Lichtquelle dienenden Spiegel horizontal aneinander und bannte die Strukturen auf Kollodium-Nassplatten.

1877 veröffentlichte Koch mit dem wissenschaftlichen Artikel »Untersuchungen über Bacterien. VI. Verfahren zur Untersuchung, zum Conserviren und Photographiren der Bacterien« zum ersten Mal auch einen ausführlichen Anhang von Mikrofotogrammen. Es waren Beweisstücke für seine Studien, auch wenn manche Fotos schwer zu erkennen waren. Doch allein die Verfahrensweise (der Aufbau der Apparatur, die fast ohne menschlichen Eingriff ein Bild produzierte) musste überzeugen. Koch betonte: »Der mikroskopische Gegenstand zeichnet sich selbst.« Folgerichtig vermied der Bakteriologe jegliche Retusche und publizierte bewusst auch Fotos mit Fehlern, um die Authentizität seiner Fotografien zu unterstreichen.

 

Einige Jahre später schien Koch seine Einstellung zur Fotografie geändert zu haben, da er in seinen Publikationen wieder mit Zeichnungen arbeitete. Der reine Nachweis bakterieller Erreger war nun vermutlich nicht mehr so nötig, und Aspekte ihrer bildlichen Darstellung wurden wichtiger. Denn die Fotografie wies auch so manchen Nachteil auf: Sie erlaubte damals nur schwarz-weiße Abbildungen und war aufgrund von Überlagerungen verschiedener Strukturen nur mit geübtem Auge lesbar. Mit Zeichnungen dagegen konnten farbige Charakteristika der verschiedenen Bakterien anschaulich gezeigt werden. Das mikroskopische Bild in den Medien: seine Popularität verdanken wir nicht zuletzt Robert Koch. /

Literatur

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Thomas Schlich: Repräsentation von Krankheitserregern. In: Hans-Jörg Rheinberger et al.: Räume des Wissens. Repräsentation, Codierung, Spur. Berlin 1997, S. 165-190.

Barbara Rusch: Robert Koch. Vom Landarzt zum Pionier der modernen Medizin. München 2010.

 

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