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Infektionsforschung

Alles unter Kontrolle?

25.05.2010  12:47 Uhr

Von Ulrike Abel-Wanek / Ihnen fielen Millionen Menschen zum Opfer und bis heute sind sie eine Herausforderung für die Infektionsmedizin: Mikroben. Eine interaktive Wanderausstellung nimmt die Auslöser von Pest und Cholera bis zur modernen Infektionsforschung ins Visier.

Hamburg im Jahr 1892: Die letzte Choleraepidemie in Europa befällt die Hansestadt. Sie fordert rund 8000 Todesopfer. Ursache ist die völlig unzureichende Aufbereitung des Trinkwassers, was Robert Koch bei seinen Untersuchungen vor Ort schnell erkennt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Robert Koch-Institut (RKI) starten nun anlässlich des 100. Todestages des berühmten Arztes eine Ausstellung zur Infektionsmedizin.

»Robert Koch hat mit seinen Ent­deckungen nicht nur die Medizin, sondern auch unsere Vor­stellungen von Gesundheit und Krank­heit bis heute entscheidend geprägt«, sagt Professor Dr. Jörg Hacker, Mitini­tiator der Ausstellung in einer Pres­seerklärung.

 

Was sind Mikroben? Wie entste­hen Infektionen? Wie lassen sich Seuchen kontrollieren? Viele Ant­worten aus der Zeit Robert Kochs (der vor allem durch die Identifizie­rung des Tuberkulosebazillus zu Weltruhm gelangte) sind heute immer noch gültig. Vieles andere, was man inzwischen über Infek­tionserreger und ihre faszi­nierenden molekularen Strategien weiß, ist überraschend und neu.

 

Die Wanderausstellung »MenschMikrobe« spannt einen Bogen von der Entdeckung der Mikroben durch Koch und seine Zeitgenossen zu den heutigen Herausforderungen der Medizin. Die Erforschung und Bekämpfung von Infektionen spiele weiterhin eine vordringliche Rolle, sagt Hacker. Beispiele dafür seien nicht nur Seuchen wie Aids, SARS oder die Neue Influenza (Schweinegrippe), sondern ebenso die hohe Zahl von Krankenhausinfektionen hierzulande. 400 000 bis 600 000 Patienten ziehen sich beispielsweise jährlich in deutschen Kliniken eine Infektionskrankheit zu. Groß sei auch der soziale und finanzielle Druck durch Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern. »Die Infektionsforschung ist verstärkt in den Fokus unserer Förderpolitik gerückt«, bekräftigt deshalb der Präsident der DFG, Professor Dr. Matthias Kleiner. Zahlreiche Forschergruppen in Deutschland werden durch die DFG unterstützt, zudem fördert sie mit einer eigens konzipierten Afrika-Initiative die Kooperation zwischen deutschen und afrikanischen Infektiologen. »Wir möchten mit ›MenschMikrobe‹ eine breite Öffentlichkeit einladen, sich von der modernen Infektionsforschung faszinieren zu lassen und sich zugleich mit ihrer gesellschaftlichen Tragweite vertraut zu machen«, beschreibt Kleiner den Kerngedanken der Schau.

In zehn Themenstationen beantwortet die Ausstellung grundlegende Fragen: etwa nach der Natur der Mikroorganismen und der Funktion der Körperflora. Schätzungsweise leben hundert Billionen (1014) Mikroben im menschlichen Körper: zehnmal so viel, wie der Organismus Zellen besitzt. Warum sich Seuchen so rasend schnell ausbreiten konnten, zeigt ein Blick auf das Pestbakterium Yersinia pestis. Es zählt zu den Mikroorganismen mit dem höchsten Infektionspotenzial überhaupt. Die Übertragung von zehn Bakterien führt bereits zur Erkrankung.

 

Ein Grippevirus repliziert sich in der Wirtszelle bis zu 100 000-mal, der Malaria-Erreger kann sich in der Leber 20 000-fach vermehren. Nutzen und Nachteil von Anti­biotika sowie die Möglichkeiten der Krankheitsverhütung sind weitere Ausstellungsthemen.

 

Interaktive Exponate führen die Besucher auf die Spur potenzieller Infektionsquellen, erzählen von den sozialen und kulturellen Auswirkungen historischer Seuchenereignisse und geben bereits Kindern ab dem Grundschulalter Einblicke in die Welt unserer mikroskopisch kleinen Mitbewohner. /

MenschMikrobe

Historischer Thaersaal der Humboldt-Universität

Invalidenstraße 42

10115 Berlin

 

Öffnungszeiten:

3. Juni bis 6. Juli 2010

täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr.

Eintritt frei.

 

Danach wird die Ausstellung in Bonn und Würzburg zu sehen sein.

Weitere Informationen: www.menschmikrobe.de.

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