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Vernetzte Patientenakte

Vorteil für Patient und Forschung

17.05.2017
Datenschutz bei der PZ

Von Jennifer Evans / Die Universitätsmedizin entwickelt derzeit eine vernetzte Patientenakte, die auch der Forschung dient. Wie der Verband der Deutschen Hochschulmedizin mitteilte, sollen damit künftig behandelnde Ärzte digital auf alle Therapieschritte eines Patienten und gleichzeitig auf das neueste Fachwissen zugreifen können.

Die vernetzte Patientenakte führt zu einer klassischen Win-win-Situation: Routinemäßig bei der Krankenversorgung anfallende Patientendaten sollen künftig der klinischen und biomedizinischen Forschung zur Verfügung stehen. 

 

Dadurch erhielten einerseits die Wissenschaftler schnell mehr Erkenntnisse über Erkrankungen und könnten erfolgreiche Behandlungskonzepte entwickeln, so der Verband. Und andererseits profitierten die Patienten, weil sie nach dem neuesten wissenschaftlichen Stand versorgt würden. Ziel dieser geplanten digitalen Dateninfrastruktur sei es, hierzulande schnellere Fortschritte in der medizinischen Forschung zu erzielen.

 

Mit der Entwicklung der vernetzten E-Akte könne im deutschen Gesundheitssektor ein neues Zeitalter anbrechen, betonte der Vorsitzende des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands, Professor Michael Albecht. In gleich vier Bereichen soll die neue Akte Patienten einen Mehrwert bieten. Laut Verband ist das zunächst die Bündelung klinischer Daten aus unterschiedlichen Gesundheitseinrichtungen, um dem Arzt ein besseres Bild über den Erkrankungsverlauf zu geben. Diagnosen könne er so schneller und präziser stellen, Doppeluntersuchungen vermeiden und unerwünschte Arzneimittelwirkungen früher erkennen oder sogar verhindern.

 

Individuelle Therapie

 

Weiterhin bietet die Akte die informationstechnologischen Voraussetzungen dafür, Patienten individueller und damit erfolgreicher zu behandeln. Nach Angaben des Verbands helfen dabei etwa Daten von Sensoren oder die Gensequenzierung. Die entstehenden großen Informationsmengen müssten jedoch über evidenzbasierte Systeme so verdichtet aufbereitet werden, dass sie schließlich den Arzt in der Therapieentscheidung unterstützen können.

 

Aus der Fülle der Datensätze könne die Forschung darüber hinaus schnell Zusammenhänge zwischen einzelnen Genen, Lebensstilen, Erkrankungen oder Komplikationen herstellen. Auch lieferten die digitalen Informationen Hinweise für eine optimale Arzneimitteltherapie, heißt es. Und nicht zuletzt wären aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse durch die neue Akte ohne Zeitverzug für den Versorgungsalltag verfügbar.

 

Die Universitätsmedizin will nach eigenen Angaben bei ihrem Projekt besonders darauf achten, dass persönliche Informationen geschützt sind und der Patient von seinem Recht Gebrauch machen kann, frei über die Nutzung seiner Gesundheitsdaten zu entscheiden. Geplant ist, dass die vernetzten Akten zunächst in der Universitätsmedizin zum Einsatz kommen und sie später dann auch nicht-universitäre Krankenhäuser sowie ambulante Leistungserbringer nutzen können.

 

Die Umsetzung der vernetzten Akte sei bereits weit vorangeschritten und deren Vorteile würden Patienten im Laufe der nächsten Jahre zur Verfügung stehen, bestätigte der Verband auf Anfrage der PZ. Die inhaltliche Synchronisation läuft den Projektverantwortlichen zufolge in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte. Ein enger Austausch der Universitätsmedizin findet zudem mit beteiligten Konsortien, dem Bundesgesundheitsministerium sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung statt. /

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