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Blutdruck richtig messen

17.05.2016
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Annette Mende, Berlin / Um bei der Blutdruckmessung korrekte Werte zu ermitteln, gilt es, Fehler zu vermeiden. Ein häufiger Fehler besteht zum Beispiel darin, dass bei Verwendung eines Handgelenk-Messgeräts der Arm schräg vor die Brust gehalten wird. 

 

»Dabei wird der Ellenbogen stark gebeugt, sodass die Gefäße teilweise abgedrückt werden«, sagte Professor Dr. Martin Hausberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga, bei einer Pressekonferenz zum Welt-Hypertonie-Tag am 17. Mai. Stattdessen sollte der Betroffene am Tisch sitzen, den Arm nach vorne ausgestreckt ablegen und die Hand so unterlegen, dass das Handgelenk mit der Messmanschette etwa auf Herzhöhe ruht.

 

Lieber Oberarm als Handgelenk

 

Generell sei jedoch die Messung am Oberarm der am Handgelenk vorzuziehen. »Wichtig ist hier, dass die Messmanschette zum Umfang des Oberarms passt und direkt auf die Haut aufgelegt wird«, sagte der Internist. Korpulente Personen bräuchten eine größere Manschette als Schmächtige oder Kinder. In jedem Fall solle ein von der Deutschen Hochdruckliga zertifiziertes Messgerät verwendet werden. Diese legt bei ihrer Prüfung strengere Maßstäbe an als etwa die Stiftung Waren­test.

 

Vor der Messung soll der Betroffene etwa fünf Minuten ruhig sitzen. Hausberg empfahl, stets zwei oder drei Messwerte zu erheben und den Mittelwert zu bilden. Bei großen Abweichungen sei der erste Wert, der meist am höchsten sei, zu verwerfen. Patienten mit Bluthochdruck, die ihren Blutdruck zu Hause selbst messen, sollten dies zu verschiedenen Tageszeiten tun. »Wer seinen Blutdruck immer genau zwei Stunden nach der Medikamenten­einnahme misst, erhält kein realistisches Bild«, begründete er. Auch der Messarm sei ab und an zu wechseln. Eine Differenz von mehr als 10/5 mmHg zwischen den beiden Seiten müsse mit dem Arzt besprochen werden. Auch wenn das Messgerät öfters aussetzt, solle der Patient das beim Arzt thematisieren, denn das könne auf Herzrhythmusstörungen hinweisen.

 

Weißkitteleffekt in der Arztpraxis

 

Viele Menschen empfinden es als stressig, den Blutdruck vom Arzt oder auch einer Sprechstundenhilfe gemessen zu bekommen. In der Arztpraxis gemessene Werte fallen aufgrund dieses sogenannten Weißkitteleffekts durchschnittlich je 5 mmHg diastolisch und systolisch höher aus. »Gemäß der aktuell gültigen Leitlinie liegt bei Erwachsenen ein Bluthochdruck vor, wenn in der Arztpraxis wiederholt Werte von 140/90 mmHg gemessen werden«, sagte Hausberg. Auch wenn nur einer der beiden Werte über dieser Grenze liege, handele es sich um Hypertonie. Zurzeit wird in der Fachwelt aufgrund der Ergebnisse der SPRINT-Studie eine Senkung dieser Grenzwerte bei bestimmten Patienten diskutiert (lesen Sie dazu auch PZ 38/2015, Seite 38). /

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