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Körperideal im Wandel

Dicker Bauch als Sexsymbol

14.05.2014
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Von Ulrike Abel-Wanek / Es gab Zeiten, da waren Diäten unbekannt und die Sanduhr-Silhouette des weiblichen Körpers galt nicht als Schönheitsideal. Der sich in westlichen Ländern immer mehr ausbreitende Schlankheitswahn ist kulturgeschichtlich ein eher neues Phänomen.

Nicht zu dick, nicht zu dünn und maßvoll proportioniert – so stellten sich die Griechen einen schönen Körper vor. Ein dicker Bauch galt als Zeichen von Verweichlichung und sollte zumindest versteckt oder besser noch, wegtrainiert werden. Die hellenischen Helden profilierten sich nicht nur bei den Olympischen Spielen, sondern nahmen auch an Schönheitswettbewerben teil. Ideale Frauenfiguren wie die Venus von Milo hatten im Vergleich zu ihrem kräftigen, gebärfreudigen Becken eine eher kleine Oberweite.

Das Schönheitsideal der römischen Antike orientierte sich weitgehend am griechischen Vorbild. Jedoch hatte Fettleibigkeit bei den sinnenfrohen Römern kein negatives Image, im Gegenteil: Körperfülle war ein begehrtes Wohlstandszeichen. Vor den Griechen und Römern haben sich vor allem die Ägypter um die Schönheit gekümmert. Die Wandgemälde, die den pharaonischen Schönheitskult festhalten – anmutig wirkende, schlanke Frauen mit schwarzen Perücken, kräftigem Make-up und vollen Lippen – faszinieren den Betrachter noch heute.

 

Blondinen bevorzugt

 

Ganz anders die Idealvorstellung von der mittelalterlichen Frau: blass, zart, fast durchsichtig, mit blauen Augen, kleinem Mund und: je blonder die Locken, desto besser.

 

Die blonde Mähne übrigens ein Schönheitsattribut auch bei den Männern, die ansonsten mit breiter Brust, schmal geschnürter Taille und großen Füßen in Schnabelschuhen daher kamen.

 

Die Frau hingegen war kindlich schlank, mit kleinen Brüsten, einer hoch sitzenden Taille und beinahe unsichtbaren Hüften. Auffällig hervorstehend war jedoch der Bauch, der an eine Schwangerschaft denken ließ, damit aber nichts zu tun hatte. Vielmehr stand die deutlich nach vorne gewölbte Körpermitte bis ins 17. Jahrhundert für Erotik und sexuelle Anziehungskraft. Als schön galt zudem die sogenannte hohe Stirn. Für diese damals sehr angesagte Mode rupften sich die Frauen ihre Haare am Haaransatz gleich büschelweise aus.

 

Mit Ende des Mittelalters setzt die Schönheit wieder mehr Fleisch an. Die ideale Frauenfigur der Renaissance hat Rundungen an Busen, Bauch und Po, auch ein Doppelkinn als Zeichen der Wohlgenährtheit wird geschätzt. Blond, nicht zu hell, bleibt die Farbe der Wahl. Im Zeitalter des Barock steigen die Molligen und Fülligen auf der Schönheitsskala noch ein Stück höher. Davon zeugen vor allem die nach heutigen Maßstäben extrem korpulenten Frauen auf den Gemälden des Malers Peter Paul Rubens, dem Namensgeber der in den Sprachgebrauch eingegangenen »Rubensfigur«.

 

Durch dick und dünn

 

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts bereitet das Korsett der lockeren barocken Leibesfülle ein jähes Ende. Die Sanduhr-Figur wird für fast drei Jahrhunderte mit immer engeren Schnürungen zum Synonym für die »ideale Frau« und Weiblichkeit. Die strammen Mieder, zum Teil mit Stahlschienen verstärkt, machten jedoch nicht nur Wespentaillen, sondern führten auf Dauer auch zu gefährlichen inneren Organverlagerungen und -verletzungen.

 

Während im 19. Jahrhundert das viktorianische Bürgertum die Körperfülle als Ausdruck von Wohlstand schätzte, zelebrierten die Romantiker eher den Kult der Zerbrechlichkeit und kränklichen Blässe. In ein und derselben Epoche, und sogar in demselben Land, konnten durchaus verschiedene ästhetische Ideale zugleich existieren. Ein Blick auf Gemälde und Skulpturen alter Meister macht dennoch deutlich: Über Jahrhunderte hinweg galten die Frauen meistens als schön, deren Körper mit den typisch weiblichen Rundungen ausgestattet waren – und die heute vielerorts als »zu dick« bezeichnet würden. Attraktivitätsforscher erklären die Unterschiede bei der als ideal angesehenen Körperfülle mit den unterschiedlichen Nahrungsangeboten der jeweiligen Epochen. Fett galt in Zeiten knapper Kost als Statussymbol – nur die Wohlhabenden konnten es sich leisten, sich satt zu essen. Noch heute werden in manchen zentralafrikanischen Ländern, die mit Hunger zu kämpfen haben, junge Frauen dazu angehalten, möglichst viel zu essen, um ihrem Verlobten zu zeigen, dass sie eine »gute Partie« sind. In den reichen Industrienationen hat Fett seinen Informationswert für Wohlstand längst verloren, teilweise hat sich dieser Zusammenhang sogar gedreht: Starkes Übergewicht ist aktuell vor allem auch ein Problem der sozialen Unterschicht.

 

Das heutige Ideal der Schlankheit fällt in eine Zeit, in der die Mehrheit der in westlichen Ländern lebenden Menschen genug zu essen hat. Vor allem Frauen hungern hier freiwillig mit dem Ziel, ihr Gewicht zu reduzieren. Ob schlank oder füllig, hängt aber auch von der gesellschaftlichen Stellung ab. Je traditioneller die Frauen-Rolle, desto kurvenreicher das Figur-Ideal. Je größer ihr Anteil am Bildungssystem, an der Erwerbstätigkeit und je mehr politische Macht sie hat, desto weniger üppig die Figur.

 

Ein grundlegender Wandel in der Körper-Wahrnehmung bahnte sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts an: Mit dem Siegeszug der puritanischen Leistungsethik wurde Fett mit Trägheit gleichgesetzt, hingegen ein asketischer, schlanker Körper stand für auch heute noch angesagte Werte wie Leistungsvermögen, Fitness, Gesundheit – und Schönheit. Umgekehrt wird Fettleibigkeit in modernen westlichen Gesellschaften in einem Atemzug genannt mit mangelnder Disziplin und Krankheit.

 

Taille-Hüfte-Verhältnis

 

Manche Schönheitsmerkmale sind wandelbar, andere gefallen immer, zum Beispiel eine makellose Haut oder ein symmetrisches Gesicht. Seit den 1990er-Jahren geistert zudem eine Formel für die angebliche Idealfigur von Frauen durch die Schönheitsdebatte: das Taille-Hüfte-Verhältnis oder die Waist-to-Hip-Ratio (WHR). Dazu dividiert man den Taillenumfang durch den Hüftumfang – und heraus kommt im sogenannten Idealfall die 0,7 – egal ob üppig oder dünn. Trotz unterschiedlicher Gewichtsklassen hatte Sophia Loren die 0,7 wohl ebenso wie Twiggy.

 

Das untergewichtige Model Luisel Ramos aus Uruguay starb 2006 nach einem Lauf über den Catwalk – mit einem BMI unter 16, an Herz-Kreislauf-Versagen, verursacht durch Hunger.Teenies legen sich immer früher unters Messer der plastischen Chirurgen und Magersucht, Adipositas und Essstörungen nehmen zu. Essstörungen werden auch im Rahmen des Nationalen Aktionsplans der Bundesregierung zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten thematisiert. Medien, Werbung, Wirtschaft und Politik arbeiten gemeinsam daran, ein gesundheitsschädigendes Bild vom Körper zu korrigieren. Nachhaltig durchgesetzt haben sie sich aber noch nicht. /

Buchtipps

Hans-Christian Huf: Die Geschichte der Schönheit. 220 Seiten, 120 Abbildungen, gebunden, Collection Rolf Heyne 2013. ISBN: 978-389910587-2. EUR 29,90

 

Umberto Eco (Hrsg.): Die Geschichte der Schönheit. 440 Seiten, DTV, 4. Auflage 2012. ISBN 978-3-423-34369-5. EUR 24,90.

 

Auch bei der benötigten Tages­insulinmenge zeigten sich Effekte. Diese blieb unter Placebo annähernd gleich (etwa 62 I.E. Insulin), ging aber unter Zusatztherapie mit Dapagliflozin zurück (5 mg Dapagliflozin: von 63 auf 56 I.E. Insulin; 10 mg Dapagliflozin: von 60 auf 52 I.E. Insulin). Ferner wirkte sich die Zusatzbehandlung auf das Körpergewicht aus. In der Placebogruppe sah man eine marginale Veränderung von 84,4 auf 84,5 kg. Unter 5 mg Dapagliflozin sank das Gewicht von durchschnittlich 81,7 auf 79,4 kg, unter 10 mg Dapagliflozin von 81,7 auf 78,7 kg.

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