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Androgyne Mode
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Früher ein Protest, heute eine Haltung

Genderfluide Mode ist kein flüchtiger Trend, sondern hat eine Geschichte. Früher ging es darum, mit androgynen Looks Geschlechternormen zu durchbrechen – heute treffen sie den Nerv einer Generation, die Identität individueller denkt.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 27.05.2026  14:00 Uhr
Früher ein Protest, heute eine Haltung

Lockere und gerade Schnitte, klare Linien, zeitlose Farben, kaum Muster und Accessoires – Hauptsache möglichst wenig gendercodiert. Vom Catwalk ist der androgyne Look nicht mehr wegzudenken – feminine Männer laufen neben maskulinen Frauen oder völlig genderneutralen Menschen.

Androgynität, zusammengesetzt aus den griechischen Worten für Mann (andros) und Frau (gyne), sind jedoch keine neue Erfindung in der Mode. Bereits in den 1920er-Jahren gab es diesen Trend. Bekannt ist beispielsweise der sogenannte Garçonne-Stil, den Designerin Coco Chanel für die moderne Frau etablierte – korsettfreie Kleidung, Zylinder, Krawatte, Weste, weite Hosen und dazu Bubikopf oder Pagenschnitt sowie natürliches Make-up. Die Schauspielerinnen Marlene Dietrich und Katharine Hepburn entsprachen diesem Typus, der frech, frei und fortschrittlich daherkommen sollte.

Mode als Rebellion

Seinerzeit sorgte der geschlechtsübergreifende Style noch für Kontroversen. Er fiel in eine Zeit des Umbruchs, viele Ländern führten das Wahlrecht für Frauen ein, queere Lebensweisen wurden in der Gesellschaft immer sichtbarer und Hedonismus stand an der Tagesordnung. Städterinnen und Städter feierten Kostümpartys und hatten Spaß am Cross-Dressing.

Das biologische Geschlecht sollte niemanden mehr in eine Norm zwingen. Das änderte sich nach dem Krieg in den 50er-Jahren, die Rollenerwartungen waren schlagartig wieder traditioneller. Das spiegelte sich auch in der Mode wider – feminine Silhouette, schmale Taille, betonte Hüften.

Doch die 60er und 70er ließen den androgynen Look wieder aufblühen. Es galt, die Gendergrenzen immer weiter zu verschieben. Dem Modeschöpfer Yves Saint Laurent verdanken die Frauen den Hosenanzug »Le Smoking«, David Bowie machte für Männer Puffärmel und Samtjacken salonfähig. Später folgten Schlaghosen und breite Schulterpolster für die Damen und Blümchenhemden und Röcke für die Herren.

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