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Pharma Cup in Erlangen

Betablocker gegen Baggonauten

13.05.2014
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Von Daniel Bäcker, Erlangen / Mitte April trug die Fachschaft Pharmazie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen den 56. Pharma Cup aus, bei dem 17 Mannschaften um den Sieg bei dem traditionsreichen Volleyballturnier spielten.

Nach der Begrüßung durch Professor Dr. Peter Gmeiner (Pharmazeutische Chemie) und einem fränkischen Buffet konnten die 125 Teilnehmer am Freitagabend bei einem Rundgang mit dem Erlanger Nachtwächter die Stadt näher kennenlernen. Viele Teilnehmer ließen den ersten Abend dann auf einer Kneipentour in Erlangen ausklingen.

Am Samstag stand nach dem gemeinsamen Frühstück und Empfang durch Dr. Ralf Schabik vom Bezirksverband Mittelfranken des Bayerischen Apotheker Verbandes (BAV) das Volleyballturnier an. Zunächst wurden auf den drei Spielfeldern in der Friedrich-Sponsel-Halle die Begegnungen der Gruppenphase gespielt. Im weiteren Verlauf fanden dann die Partien statt, bei denen der Einzug in das Endspiel beziehungsweise eine möglichst gute Endplatzierung erkämpft wurden.

 

Als gegen Abend dann endlich die Finalisten feststanden, erfolgte zunächst noch die Auslosung der Tombola, bei der sich Sven Schmid (Kastl) über den dritten und Tilman Werner (Jena) über den zweiten Preis freuen durften. Der Hauptpreis, ein Gutschein für einen Komplettkurs der Ravati-Seminare, ging an Ulrike Liebsch aus Berlin. Ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf der Lose dieser Tombola werden an »Apotheker ohne Grenzen« gespendet.

 

Berlin und Marburg im Finale

 

Mit dem Finale zwischen der Mannschaft »Betablocker« (Berlin) und »Baggonauten« (Marburg) wurden die sportlichen Aktivitäten des diesjährigen Pharma Cups beendet. Bei der Siegerehrung im Papa Joe´s übergab Heiko Scholl vom BAV schließlich die Pokale an die Erst- und Zweitplatzierten. Zudem überreichte er die Urkunden an die teilnehmenden Mannschaften, die an dem Wochenende folgende Platzierungen erspielten:

 

1. Betablocker (Berlin)

2. Baggonauten (Marburg)

3. Pillenknaller/Deine Omi (Halle)

4. Hampelmen (Halle)

5. Blobby Volley (Freiburg)

6. Wick Pharma Knights (Regensburg)

7. Die alten Zäpfchen (Assistenten aus Erlangen)

8. HalliGalli (Halle)

9. TigERkralle (Erlangen)

10. Anne hat Geburtstag (Assistenten aus Erlangen)

11. Schmetterlangen (Erlangen)

12. Pillenpuncher (Berlin)

13. La Bäm (Halle)

14. Andy’s eight (Jena)

15. Ibuprofis (Erlangen)

16. ASS Riedberg (Frankfurt)

17. Dynamo Erlangen

 

Dieses ereignisreiche Wochenende wurde abschließend in Erlangens angesagtesten Locations gefeiert, bevor am Sonntag nach dem Frühstück wieder die Heimreise anstand. Der nächste Pharma Cup wird dann in Berlin ausgetragen.

 

Ein Dank an die Teilnehme, die eifrigen Helfern sowie das engagierte Organisationsteam. Nicht zuletzt sei den Sponsoren ganz herzlich gedankt: Bayerischer Apotheker Verband, Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Deutsche Ärzte Finanz, FSA, Gilyos GmbH, Landesapothekerverband Baden-Württemberg, Marienapotheke Buchloe, Ravati-Seminare, Techniker Krankenkasse, VSA, Govi-Verlag, Basica, Lemonpharma, Verla sowie öffentlichen Apotheken in Erlangen. /

Eine ganze Reihe berufspolitischer Forderungen sind in den letzten vier Jahren Realität geworden, sagte Schmidt. Es fehlten zwar noch einige besonders wichtige, so Schmidt, und spielte damit auf das Versandhandelsverbot mit ­rezeptpflichtigen Medikamenten an. Aber es sei inzwischen ein gutes und stabiles Vertrauensverhältnis zum Bundesgesundheitsministerium und zu vielen Gesundheits­politikern der Fraktionen im Bundestag aufgebaut worden, das von Zuverlässigkeit und gegenseitiger Wertschätzung geprägt sei. Das sei keine Selbstverständlichkeit, betonte Schmidt.

 

Auch die gesellschaftliche Wahrnehmung des Berufsstandes habe sich zum Positiven entwickelt. Als Indikator führte Schmidt an, dass die Zahl der ­Bewerber für das Pharmaziestudium wieder auf einem stabilen Niveau angekommen sei. Als weiteres Beispiel nannte der ABDA-Präsident die Modellprojekte zur Erprobung neuer apothekerlicher Dienstleistungen, die auf ­einem guten Weg seien. Zwar sei das politische Projekt Medikationsplan aus dem ersten E-Health-Gesetz in seiner schriftlichen Phase nicht ganz so erfolgreich gewesen. Das liege aber schlichtweg daran, dass die Apotheker nicht als Fürsprecher und Sachwalter voll mit an Bord waren: »Ein wirklich praktikabler Medikationsplan wird mit den Apothekern kommen, oder er wird gar nicht kommen.«

 

Der Plan soll nun bald auf eine elektronische Version umgestellt werden. Hierfür sei erforderlich, dass die Apotheker einen umfassenden Lese- und Schreibzugriff inklusive einer Kommentarfunktion erhalten, zudem sei eine vollständige Interoperabilität mit allen Apotheken- und Praxisverwaltungssystemen nötig und vor allem eine Rechtsgrundlage, um notwendige Dienstleistungsverträge mit der Gesetzlichen Krankenversicherung zu schließen. »Denn eines muss klar sein: Wir ­werden die Aufgabe der Erstellung und Aktu­alisierung eines elektronischen Medikationsplanes nicht kostenlos machen können und wollen«, sagte der ABDA-­Präsident.

 

Vergütungssystem neu ordnen

 

Die angemessene Vergütung aller Leistungen rund um den Medikationsplan könne auch ein Einstieg in eine Neuordnung des apothekerlichen Vergütungssystems sein. Diese sei jedoch kein Selbstzweck: »Wir wollen eine Verbesserung und zwar eine Verbesserung für alle«, betonte Schmidt. Er forderte, dass Planungssicherheit, Zukunfts­fähigkeit und Leistungsgerechtigkeit diesen Prozess bestimmen sollten.

 

So müsse sich die Politik zum einen dafür einsetzen, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben. »Wenn entsprechend schnell gehandelt wird, schaffen wir den Durchbruch bei bundeseinheitlichem Medikationsplan und elektronischer Patientenakte in den nächsten vier Jahren«, so Schmidt. Wenn dies nicht rasch geschehe, entstünde eine Reihe von Insellösungen, die hauptsächlich den Interessen der Anbieter und nicht denen der Patienten dienten.

 

Politische Lösungen seien auch bei den Lieferengpässen erforderlich, die inzwischen die Versorgungsqualität merklich senken und daher auch als Versorgungsengpässe bezeichnet werden könnten. »Wir sind uns mit den ärztlichen Kollegen einig, dass es so nicht weitergehen kann«, sagte Schmidt. Er forderte, dass kurzfristig eine erweiterte Meldepflicht eingeführt wird, um eine Art Notstands­bewirtschaftung zu ermöglichen, auch wenn das der Industrie nicht gefalle. Bislang müssen Hersteller drohende Versorgungsausfälle nur gegenüber Klinikapotheken melden. Aber auch Apotheker in der Offizin müssten informiert werden. Mittelfristig brauche es eine erweiterte Rolle der Bundesoberbehörden. Langfristig sei auf politischer Ebene dafür zu sorgen, dass ein versorgungssicherndes Mindestmaß an pharmazeutischer Produktion in ­Europa erhalten bleibt beziehungs­weise wiederhergestellt wird.

 

Der ABDA-Präsident forderte zudem, dass die künstliche Verknappung und Kontingentierung von Arzneimitteln umgehend aufhören müsse, denn diese Praxis beeinträchtige die Arzneimittelversorgung fast ebenso wie die Lieferengpässe. Dementsprechend müsse auch die Beteiligung von einigen Apothekern am Export von Arzneimitteln aufhören, die den Herstellern als Begründung dient. Das Verhalten sei zwar legal, aber unkollegial und gefährde die Glaubwürdigkeit des Berufsstands.

 

Im Weiteren ging Schmidt auf das persönliche Gespräch als Grundlage für die Abgabe von Arzneimitteln ein. »Menschen sind sehr unterschiedlich«, betonte der ABDA-Präsident. Sie unterschieden sich intellektuell, emotional, psychisch und physisch. Daher brauche man, um Menschen zu erkennen, die persönliche Begegnung. »Das klingt trivial, ist aber die Grundlage unseres ­regulatorischen Systems.« Der direkte Kontakt von Patient und Apotheker sei daher für ein zeitgemäßes Verständnis von Arzneimittelversorgung unverzichtbar.

 

Versorgen statt beliefern

Schmidt ist der Überzeugung, wer seine Patienten nicht sieht und nicht mit ihnen spricht, kann diese zwar beliefern, aber nicht verantwortungsvoll versorgen. Zurzeit sei der Versandhandel die Ausnahme, die Arzneimittel­abgabe in der Apotheke die Regel. Dies könne sich aber durch ökonomischen Druck ändern. Dann müssten sich auch die politisch Verantwortlichen die Frage der Glaubwürdigkeit stellen. »Wie glaubwürdig ist ein Regulierungssystem, das so leicht umgangen werden kann?«

 

Schmidt fordert die deutschen ­Gesundheitspolitiker auf, mit allen Mitteln der trivial-ökonomischen Betrachtungsweise des Europäischen Gerichtshofs entgegenzutreten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um den einheitlichen Abgabepreis für verschreibungspflichtige Arzneimittel zu sichern. Ein Gesetzgebungsverfahren müsse unverzüglich beginnen, sagte Schmidt, da es bislang keine wirksame Alternative zum Versandhandelsverbot von Rx-Arzneimitteln gebe. Der Entwurf müsse umgehend in das neue Parlament eingebracht werden. Das häufig vorgebrachte Argument, ein Verbot des Fernhandels sei im Zeitalter der Digitalisierung nicht machbar, ließ er nicht gelten. Wer dies behaupte, habe »weder die Arzneimittelversorgung noch die Digitalisierung richtig verstanden«, so Schmidt. »Digitalisierung ist kein Wert an sich, sondern muss dem Menschen dienen, besonders im Gesundheitswesen.«

 

Schmidt: »Wenn die Politik uns solide, berechenbare und nachhaltige Rahmenbedingungen bereitstellt, dann garantieren wir unsererseits eine sichere, moderne und menschliche Arzneimittelversorgung zu vernünftigen Bedingungen für alle Menschen überall in Deutschland.« /

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