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Von Atopie bis Zoster

Hautkrankheiten, die ins Auge gehen

13.05.2013
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Von Annette Mende, Dresden / Atopische Ekzeme erhöhen das Glaukom-Risiko, bei Zoster im Gesicht ist das Augenlicht in Gefahr: Einige Hauterkrankungen können auch die Augen betreffen. Ihnen widmete sich bei der Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in Dresden eine eigene Session.

»Der Zoster ophthalmicus ist wahrscheinlich die Erkrankung, bei der Haut- und Augenärzte am häufigsten in Kontakt kommen«, sagte Professor Dr. Martin Schaller, Dermatologe an der Universitätsklinik Tübingen. Denn üblicherweise präsentieren sich Patienten mit Gürtelrose (Zoster) zunächst beim Hautarzt. Stellt dieser fest, dass der Nervus ophthalmicus von der Virusinfektion betroffen ist, muss der Patient unbedingt auch in augenärztliche Behandlung. Denn auf der Haut heilen die Bläschen meist ohne Narben ab, am Auge können aber erhebliche Schäden zurückbleiben. Sogar die Erblindung ist möglich. »Ein wichtiges Indiz für eine schwere Augenbeteiligung ist es, wenn der Nervus nasociliaris betroffen ist«, informierte Schaller. In diesem Fall zeigt sich der typische Hautausschlag auch auf dem Nasenrücken.

Anders als beim Zoster ophthalmicus überweisen Hautärzte ihre Patienten mit schweren atopischen Ekzemen aus Sicht Schallers dagegen zu selten zum Augenarzt. Die Patienten haben ein erhöhtes Risiko für grauen Star. »Bis zu 25 Prozent der Atopiker entwickeln ein Katarakt, häufig schon zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr«, sagte Schaller. Dermatologen müssten das bei ihren Ekzem-Patienten im Hinterkopf haben und diese immer wieder fragen, ob sie erste Anzeichen einer Linsentrübung bemerkt haben.

 

Noch häufiger als beim atopischen Ekzem ist eine Augenbeteiligung bei der Rosacea. Etwa die Hälfte aller Patienten ist betroffen. Das Hauptsymptom ist das trockene Auge, darüber hi­naus kann es zu Bindehaut-, Lidrand- und Hornhautentzündung kommen. »Bei leichten Beschwerden verordnen wir unseren Patienten Lipid-haltige Tränenersatzmittel. Außerdem empfehlen wir ihnen, einen Waschlappen mit warmem Wasser als Kompresse auf die Augen zu legen und die Lidkanten regelmäßig vorsichtig zu reinigen«, sagte Schaller. Bei gravierenderer Symptomatik, beispielsweise persistierender Lidrandentzündung oder Gefäßeinsprossung in die Hornhaut, kommt zusätzlich Doxycyclin zum Einsatz.

 

Das Tetracyclin-Antibiotikum wird Schaller zufolge in dieser Indikation sechs Monate lang mit 40 bis 100 mg zweimal täglich gegeben. In schweren Fällen kann die Behandlung mit 40 mg einmal täglich weitere sechs Monate lang fortgesetzt werden. »Doxycyclin wirkt in dieser Dosierung nicht antibiotisch, sondern antiinflammatorisch«, sagte der Dermatologe. Die Therapie ergänzen können eine Tetracyclin-haltige Augensalbe, die die Patienten nach der Reinigung auf die Lidkante auftragen, antibiotische oder Steroid-haltige Augentropfen bei Hornhautentzündung sowie topisches Ciclosporin A. Möglich ist auch eine systemische Therapie mit Isotretinoin. »Darauf spricht sowohl die Haut- als auch die Augensymptomatik an«, so Schaller.

 

Keine Folge einer Hauterkrankung, aber dennoch etwas, auf das der Hautarzt achten muss, sind Augenerkrankungen, die infolge von Corticosteroid-Einnahme entstehen können. »Wir setzen Steroide ja sehr häufig ein, bei vielen Autoimmunerkrankungen auch hoch dosiert und über einen längeren Zeitraum«, sagte Schaller. Daher müssten Dermatologen stets daran denken, dass Patienten unter oraler Corticosteroid-Therapie ein Glaukom oder ein Katarakt entwickeln können.

 

Folgen von Cortison

 

Das Sekundärglaukom entsteht zwei bis acht Wochen nach Therapiebeginn. Nach Absetzen der Corticosteroide ist es in den meisten Fällen reversibel. Ein Katarakt kann sich unter Cortison-Therapie dosisabhängig innerhalb von einem bis vier Jahren bilden. Dass das offenbar häufiger vorkommt als angenommen, zeigte Schaller anhand von Daten, die bei Patienten mit rheumatoider Arthritis erhoben wurden. Mehr als 15 mg Prednison täglich führten demnach bei 80 Prozent der Patienten zur Katarakt-Entstehung, bei 10 bis 15 mg Prednison pro Tag war das bei 30 Prozent der Patienten der Fall und unter weniger als 10 mg Prednison täglich trübte sich immerhin noch bei 11 Prozent der Patienten die Linse ein. »Wenn ich daran denke, bei wie vielen Patienten wir Dermatologen Corticosteroide in diesen Dosen einsetzen, dann glaube ich, dass wir einen Großteil dieser Patienten auch einmal zum Augenarzt schicken sollten«, sagte Schaller. /

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