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Tamoxifen

»Die Therapie ist sehr belastend«

13.05.2013
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Von Annette Mende / Tamoxifen vorbeugend eingenommen kann Frauen vor Brustkrebs schützen. Dennoch ist die präventive Gabe des SERM in Deutschland unüblich. Das liegt vor allem an den Nebenwirkungen, wie Professor Dr. Eva-Maria Grischke vom Brustzentrum an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen im Interview erklärt.

PZ: Eine aktuelle im »Lancet« erschienene Studie bestätigt: Tamoxifen und andere SERM haben einen ausgeprägten und lang anhaltenden Schutzeffekt vor Brustkrebs. In den USA und Großbritannien können die Mittel auch präventiv verordnet werden. Wie sieht es in Deutschland aus?

 

Grischke: Die jetzt erschienene Studie ist nicht die erste, in der ein präventiver Effekt nachgewiesen wurde. Für Tamoxifen und Raloxifen gab es bereits gute Daten, die das gezeigt haben. Dennoch haben wir in Deutschland wegen der starken Nebenwirkungen der Therapie davon Abstand genommen, Tamoxifen präventiv einzusetzen.

 

PZ: Welche Nebenwirkungen treten am häufigsten auf?

 

Grischke: Das sind vor allem klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen, vaginaler Ausfluss und ein erhöhtes Risiko für Endometriumkarzinome. Bei jungen Frauen treten gehäuft Myome und Blutungsstörungen auf. Neigt die Frau zur Bildung von Eierstockzysten, verstärkt sich das Problem. Junge Patientinnen müssen zusätzlich die Empfängnisverhütung intensivieren, da sie unter Tamoxifen leichter schwanger werden. Die Pille reicht dann nicht mehr.

 

PZ: Dennoch ist der Nutzen, ein deutlich reduziertes Brustkrebs-Risiko, ja auch nicht von der Hand zu weisen.

 

Grischke: Die Therapie ist sehr belastend. Wir sehen ja, dass Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt waren und Tamoxifen zur Rezidiv-Prophylaxe einnehmen sollen, große Compliance-Probleme haben. Da ist es einer Frau, die eigentlich gesund ist, noch schwieriger zu vermitteln, dass sie die von der Therapie ausgelösten Beschwerden in Kauf nehmen soll.

 

PZ: Welche Möglichkeiten gibt es, die Nebenwirkungen zu reduzieren?

 

Grischke: Die zusätzliche Gabe von GnRH-Analoga kann sich positiv auswirken. Die Kombination GnRH-Analogon und Tamoxifen war daher früher bei Brustkrebs-Patientinnen unter 40 Standard. Dann hat man es mit Tamoxifen allein probiert, musste aber feststellen, dass die Nebenwirkungen zunahmen. Deshalb wird die Kombination jetzt wieder häufiger eingesetzt. /

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