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Brustkrebs

Tamoxifen auch vorbeugend wirksam

13.05.2013
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Von Annette Mende / Frauen mit hohem und mittlerem Brustkrebs-Risiko entwickeln seltener ein Mammakarzinom, wenn sie vorbeugend Tamoxifen oder einen anderen selektiven Estrogen-Rezeptor-Modulator (SERM) einnehmen. Der Schutzeffekt hält auch noch Jahre nach Absetzen der Präparate an, wie eine jetzt im Fachblatt »The Lancet« veröffentlichte Metaanalyse ergab.

Vorgelegt haben die Studie Wissenschaftler um Professor Dr. Jack Cuzick von der Queen Mary Universität in London (doi: 10.1016/S0140-6736(13) 60140-3). Die jetzt veröffentlichte Metaanalyse bekräftigt positive Daten zur Brustkrebs-Prävention mit SERM, die Cuzicks Team bereits vor zehn Jahren veröffentlichte (doi: 10.1016/S0140-6736(03)12342-2).

 

Risikoreduktion um 38 Prozent

 

Die Forscher werteten Daten von knapp 83 400 Frauen aus, die zur Brustkrebs-Prävention durchschnittlich fünf Jahre lang entweder Tamoxifen, Raloxifen, Arzoxifen oder Lasoxifen erhielten. Als Vergleich diente Placebo oder in einer Studie Tamoxifen. Die Einnahme eines SERM senkte das Brustkrebs-Risiko der Frauen um 38 Prozent, und zwar nicht nur während der Dauer der Einnahme, sondern auch in den fünf darauf folgenden Jahren.

Aus den Daten ergab sich eine number needed to treat von 42; das bedeutet, dass 42 Frauen mit einem SERM behandelt werden mussten, um während des Beobachtungszeitraums einen Brustkrebs-Fall zu verhindern. Der Schutz­effekt bezog sich ausschließlich auf Estrogen-Rezeptor-positive Tumoren, was angesichts des Wirkmechanismus der Arzneistoffe auch nicht verwunderlich ist. Abhängig vom Gewebe wirken SERM entweder agonistisch oder ant­agonistisch zu Estrogen. Im Uterus und der Brust haben die Substanzen einen dem Geschlechtshormon entgegengesetzten Effekt, im Knochen wirken sie dagegen Estrogen-agonistisch. In den untersuchten Studien erhöhten alle verwendeten SERM das Thrombose-Risiko und senkten das Risiko für Wirbelbrüche. Unter Tamoxifen stieg zudem die Rate der Endometriumkarzinome.

 

Diese Ergebnisse belegen eindeutig, dass die vorbeugende Einnahme von SERM die Brustkrebs-Rate bei Frauen mit hohem und mittlerem Erkrankungsrisiko signifikant senkt, so das Fazit der Autoren. Trotz ihrer offensichtlichen Wirksamkeit sei die präventive Gabe von SERM jedoch von Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko und ihren Ärzten nicht breit akzeptiert. Die Hauptgründe dafür seien die Furcht vor Nebenwirkungen und der Glaube an ein unvorteilhaftes Nutzen-Risiko-Verhältnis. Vor allem die (befürchteten) Nebenwirkungen der Therapie führen auch bei Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt waren und Tamoxifen zur Vorbeugung eines Rezidivs einnehmen, zu einer schlechten Langzeit-Compliance. (lesen Sie dazu auch Tamoxifen: »Die Therapie ist sehr belastend«).

 

Keine Zulassung in Deutschland

 

Von den untersuchten Arzneistoffen sind in Deutschland nur Tamoxifen und Raloxifen zugelassen, jedoch beide nicht zur Prävention von Mammakarzinomen. In den USA hat die FDA Tamoxifen in dieser Indikation eine Zulassung erteilt; in Großbritannien empfiehlt das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE), Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko die vorbeugende Einnahme von Tamoxifen oder Raloxifen anzubieten.

 

Lasoxifen wurde von der Firma Pfizer als Osteoporosemittel unter dem Handelsnamen Fablyn® entwickelt. Es lag bereits ein Positivvotum des Ausschusses für Humanarzneimittel der EMA vor, doch nachdem die FDA die Zulassung in den USA nicht erteilte, brachte der Hersteller das Mittel auch in Europa nicht auf den Markt. Die Entwicklung von Arzoxifen stellte die Firma Lilly 2009 ein, nachdem der ebenfalls gegen Osteoporose getestete Arzneistoff in einer Studie enttäuschende Ergebnisse erbracht hatte. / 

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