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Ärztetag

Wirkstoff deutlicher kennzeichnen

18.05.2010
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Von Stephanie Schersch / Die Ärzte setzen sich für eine deutlichere Kennzeichnung von Wirkstoffname und Darreichungsstärke auf Arzneimittelpackungen ein. Dies sei im Sinne der Arzneimittelsicherheit unerlässlich, argumentierten die Delegierten beim 113. Ärztetag in Dresden.

Darreichungsstärke und Wirkstoffname sollten künftig in hervorgehobener und mindestens gleich großer Schrift wie der Handelsname des Fertigarzneimittels angegeben werden, forderten sie. Die ständig wachsende Generikabranche und die Unzahl von Rabattverträgen gestalteten den Markt sehr unübersichtlich. »Der Handelsname und das Design des Arzneimittels verunsichern in diesem Kontext den Patienten«, heißt es in dem Beschlusspapier des Ärztetages.

Zudem lehnten die Ärzte die elek­tronische Gesundheitskarte (EGK) in ihrer derzeitigen Form entschieden ab. Sie forderten stattdessen, den Datenaustausch zum Nutzen des Patienten zu verbessern. Daten müssten gezielt versandt werden können, »ohne dass sie in falsche Hände gelangen«. Elektronische Patientenakten dürften daher nicht auf Zentralservern abgelegt werden. Der Ärztetag lehnte die Telemedizin jedoch nicht generell ab. Für künftige Projekte müsse es aber eine bun­deseinheitliche Telematik-Infrastruk­tur geben, forderten die Delegierten.

 

Außerdem sprachen sie sich dafür aus, die Kompetenzen und Zustän­digkeiten der verschiedenen Gesundheitsberufe besser aufeinander abzustimmen. Die zunehmende Aufweichung klarer rechtlicher Zuständigkeiten bei der Ausübung von Heilkunde müsse unbedingt verhindert werden. »Das geht zulasten der Versorgungsqualität und der Patientensicherheit und verletzt haftungsrechtliche Standards.«

 

Anonymer Krankenschein

 

In Dresden beschäftigten sich die Ärzte auch mit der medizinischen Versorgung von Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland. »Ein kranker Mensch ist in erster Linie jemand, der ärztlicher Hilfe bedarf, und zwar unabhängig von seiner Herkunft, seiner Religion oder seinem Aufenthaltsstatus«, heißt es. Die Delegierten schlagen darin einen anonymen Krankenschein für illegale Einwanderer vor. Diese Menschen würden häufig zu spät zum Arzt gehen, wodurch sich ihr Gesundheitszustand verschlechtere. Entweder seien ihnen die Kosten zu hoch oder sie fürchteten, dass ihr illegaler Aufenthaltsstatus aufgedeckt werde, wenn sie einen Antrag auf Kostenübernahme stellten. Ein anonymer Krankenschein könne diese Probleme beheben.

 

Das von der Bundesregierung geplante Patientenrechtegesetz lehnten die Ärzte hingegen ab. Zwar befürworteten sie eine Festschreibung bestehender Patientenrechte. »Wir halten aber eine eigenständige neue Gesetzgebung im Kern für nicht notwendig.« Bereits jetzt habe jeder Patient in Deutschland das Recht auf eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung. / 

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