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Echinacea-Zubereitungen

Wirkung auf Herpes-simplex-Viren

12.05.2009
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Tabelle: Schutzwirkung verschiedener Echinacea-Extrakte gegen HSV 1 in Prozent

Extrakt-Konzentration in µg/ml * 100 50 25 12,5 6,25
Echinacea angustifolia
-Presssaft
20 1
-20 % Ethanol 6 2
-60 % Ethanol 4 5 2
Echinacea purpurea
-Presssaft
94 88 24 14 5
-20 % Ethanol 82 58 26 15 6
-60 % Ethanol 13
Echinacea pallida
-Presssaft
88 82 52 26 19
-20 % Ethanol 90 36
-60 % Ethanol 10

* Zur Testung wurden alle Zubereitungen zu Trockenextrakten aufbereitet, in 100 µl Wasser angelöst und mit Medium auf 2 ml Stammlösung aufgefüllt.

Es ist deutlich, dass Zubereitungen aus Echinacea angustifolia auch im Rahmen der vorliegenden Untersuchungen eine relativ geringe antiherpale Wirkung entfalteten. Hingegen erwiesen sich E. purpurea und E. pallida als wirksam, wobei in beiden Fällen Auszüge mit nur 20 Prozent Ethanol-Gehalt den 60-Prozentigen klar überlegen waren. Die beste Wirkung, und das auch in niedrigen Konzentrationen, hatten die noch hydrophileren Presssäfte.

 

Als weitere wesentliche Ergebnisse sind zu nennen:

 

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Keiner der Presssäfte zeigte im Neutralrot-Test bis zu einer Konzentration von 100 µg/ml einen zytotoxischen Effekt gegenüber VERO-Zellen. Dies spricht für eine gute Verträglichkeit auch in vivo.

Echinacea-pallida-Presssaft hat bei der als optimal geltenden vierstündigen Vorinkubation (May und Willuhn, 1978) eine IC50 von 27 µg/ml, eine Verkürzung der Inkubationszeit auf 1/8, also 30 Minuten, erhöht die IC50 nur geringfügig auf 37 µg/ml.

Die im Neutralrot-Test gewonnenen Werte konnten mit Real-time-PCR bestätigt werden. Echinacea-pallida-Presssaft zeigte die stärkste Wirkung. Bei 30 Minuten Vorinkubation wurde eine Reduktion der Virus-Nukleinsäuresynthese um fünf Zehnerpotenzen erreicht. Bei vier Stunden Inkubation lag die Restmenge an Nukleinsäure unter der Nachweisgrenze des Assays. Ähnlich gute Ergebnisse lieferte E.-purpurea-Presssaft.

Die positiven Resultate bezüglich E. purpurea stehen (trotz gewisser methodischer Unterschiede) in Übereinstimmung mit den zeitgleich ermittelten Daten der Arbeitsgruppe von Vimlanathan/Hudson et al. für E-purpurea-Kraut (Vimalanathan et al., 2005) und -Wurzel (Hudson et al., 2005).

 

Fazit

 

Die Untersuchung zeigt, dass Presssäfte und hydroalkoholische Zubereitungen aus dem blühenden Kraut von Echinacea purpurea und Echinacea pallida in vitro deutliche Wirkung gegen HSV 1 besitzen. Am besten schnitten bei beiden Spezies die Presssäfte ab. Der Gebrauch von Echinacea angustifolia bei Herpes labialis erscheint angesichts der wirksameren Alternativen als nicht sinnvoll.

Literatur

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Hudson J, Vimalanathan S, Kang L, Treyvaud Amiguet V, Livesey J and Arnason JT (2005) Characterization of antiviral activities in Echinacea root preparations. Pharm. Biol. 43: 790-796.

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Vimalanathan S, Kang L, Treyvaud Amiguet V, Livesey J, Arnason JT and Hudson J (2005) Echinacea purpurea aerial parts contain multiple antiviral compounds. Pharm. Biol. 43: 740-745.

Wacker A, Hilbig W (1978) Virushemmung mit Echinacea purpurea. Planta med. 33: 89-102

 

1) Institut für Pharmazie, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; 2) Friedrich-Löffler-Institut für Medizinische Mikrobiologie, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; 3) WALA Heilmittel GmbH, Bad Boll/Eckwälden

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