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Psychisch krank im Job

13.05.2008  18:05 Uhr

Psychisch krank im Job

PZ / Immer mehr Menschen erkranken an psychischen Störungen. Der BKK Bundesverband führt zusammen mit der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie (BApK e. V.) seit 2002 ein gemeinsames Projekt zum Thema psychische Erkrankungen im Arbeitsleben durch.

 

Die Bedeutung psychischer Erkrankungen nimmt deutlich zu: Betrug ihr Anteil an den Krankheitstagen 1980 noch 2,5 Prozent, so waren es 1990 3,7 Prozent und 2005 bereits 9,4 Prozent. Dem gewachsenen Anteil entsprechend bilden die psychischen Erkrankungen mittlerweile die viertgrößte Krankheitsgruppe, während sie Anfang der Neunziger Jahre nur den siebten Rang unter den Krankheitsgruppen einnahmen und vorher nahezu bedeutungslos waren. Die durchschnittliche Falldauer psychischer Erkrankungen von 29,3 Tagen gehört nach den Krebserkrankungen zu den am längsten dauernden Krankheitsfällen überhaupt. Besonders auffällig ist der Anstieg von Krankmeldungen aufgrund von Depressionen, Angst und Essstörungen um 51 Prozent, sowie der Trend, dass psychische Erkrankungen neuerdings vermehrt auch schon bei jungen Beschäftigten (bis 29 Jahre) auftreten. So hat sich beispielsweise die Zahl der Frühverrentungen bei Männern aufgrund psychischer Erkrankungen in den Jahren 1984 bis 1999 verdoppelt.

 

Je besser informiert, und je früher im Krankheitsfalle interveniert wird, desto größer sind für die Patienten die Chancen auf Heilung oder Linderung. Daher hat die BApK gemeinsam mit dem BKK Bundesverband das Projekt »Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt« initiiert. Ziel des gemeinsamen Projektes ist es, Informationen über psychische Erkrankungen und über den Umgang mit Betroffenen in Unternehmen und Institutionen zu tragen und so präventiv tätig zu werden. Es umfasst drei Module: eine Beratungshotline, Seminar- und Informationsveranstaltungen in den Unternehmen sowie eine Broschüre mit Plakat »Psychisch krank im Job. Was tun?«. Die Hotline ist unter der Nummer 0180 5950951 jeweils am Montag, Dienstag und Donnerstag in der Zeit von 15 bis 19 Uhr geschaltet. Jederzeit ist das Beratungsangebot auch unter beratung.bapk(at)psychiatrie.de erreichbar.

 

Die Informationsveranstaltungen finden in Absprache mit dem Unternehmen und ausgerichtet an dem jeweiligen Bedarf statt. Inhalte sind unter anderem Informationen über Krankheitsbilder, Frühwarnzeichen für psychische Erkrankungen, Handlungshilfen für den Umgang mit Betroffenen sowie Informationen über regionale Hilfsangebote. Nähere Informationen zu den Veranstaltungen sind bei der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie, Marlies Hommelsen und Christian Gredig, Oppelner Straße 130, 53119 Bonn, Telefon 0228 9659757, E-Mail: hommelsen.bapk(at)psychiatrie.de, zu erhalten.

 

Die Broschüre »Psychisch krank im Job. Was tun?«, die zu dem Projekt entwickelt wurde, bietet Erstinformationen zu psychischen Erkrankungen. Die Selbsthilfe hat hierzu das »H-I-L-F-E-Konzept« entwickelt, das in der Praxishilfe eingehend erläutert wird. Als »Erste-Hilfe« Maßnahme kann das Konzept dazu beitragen, den Verantwortlichen Sicherheit im Umgang mit der sensiblen Thematik zu geben und im konkreten Fall Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Krisensituationen zu unterstützen.

 

Die Praxishilfe kann kostenfrei (bis zu vier Exemplaren), beziehungsweise zu je 1 Euro (ab fünf Exemplaren) unter bapk(at)psychiatrie.de oder unter praevention@bkk-bv.de angefordert werden.

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