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Hypertonie

Meisten Todesfälle in armen Ländern

13.05.2008  13:56 Uhr

Hypertonie

Meisten Todesfälle in armen Ländern

Von Christina Hohmann

 

Bluthochdruck gilt als Wohlstandserkrankung. Doch eine aktuelle Studie zeigt, dass 80 Prozent der hypertoniebedingten Todesfälle in Entwicklungsländern auftreten.

 

An Herz-Kreislauf-Erkrankungen infolge von Bluthochdruck leiden Menschen auf der ganzen Welt. Doch Daten zum genauen Ausmaß der Epidemie und der globalen Verteilung waren bislang nicht vorhanden. Daher gingen Dr. Carlene Lawes und Professor Dr. Anthony Rodgers von der University of Auckland, Neuseeland, im Auftrag der International Society of Hypertension der Frage nach. Ihren Berechnungen zufolge sterben pro Jahr etwa 7,6 Millionen Menschen weltweit an den Spätfolgen von Bluthochdruck (systolisch über 115 mmHg). Fast 54 Prozent der Schlaganfälle und 47 Prozent der Herzerkrankungen gehen auf Bluthochdruck zurück, berichten sie im Fachjournal »The Lancet« (Band 371, Seiten 1513 bis 1518).

 

In den Industrienationen, zu denen wohlhabende europäische Länder, Australien und Nordamerika zählen, betrug die Rate vorzeitiger Todesfälle, die durch Hypertension bedingt sind, 17,6 Prozent. Damit liegt sie höher als der Anteil in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen, der 12,9 Prozent beträgt. Da aber die Bevölkerung dieser Länder zahlenmäßig der Bevölkerung der Industrienationen deutlich überlegen ist, treten immerhin 80 Prozent der hypertoniebedingten Todesfälle in Entwicklungsländern auf.

 

Obwohl sie die Hauptlast tragen, hat die Bevölkerung dieser Länder kaum Zugang zu blutdrucksenkenden Medikamenten. Nur 10 Prozent des Antihypertensiva-Marktes, der weltweit etwa 50 Milliarden US-Dollar (34 Milliarden Euro) ausmacht, entfallen auf Entwicklungsländer, schreibt Professor Dr. Stephen MacMahon von der University of Sydney in einem begleitenden Kommentar. Risikopersonen könnten die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden, durch Einnahme von Antihypertensiva um ein Drittel senken. Diese seien mittlerweile für Tagestherapiekosten von 1 US-Dollar zu erhalten, schreibt MacMahon. Diese Ungleichbehandlung sei »ungeheuerlich« und dürfe von den Verantwortlichen nicht länger ignoriert werden.

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