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Hoffnungsschimmer

08.05.2018  16:46 Uhr

Hoffnungsschimmer

Alzheimer – der Name dieser Krankheit macht den meisten Menschen Angst. Sich selbst zu verlieren, nicht mehr zu wissen, wie man heißt, wo man wohnt und wer seine engsten Angehörigen sind, ist ein furchtbares Schicksal. Es hat in Deutschland etwa 1 Million Menschen ereilt; so ­viele Patienten leben laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft hierzulande mit der Alzheimer-Erkrankung. Sie alle mussten und müssen lernen, sich mit dem drohenden Gedächtnisverlust abzufinden. Denn Medikamente, die das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten oder gar zurückdrehen könnten, gibt es keine. Anfang des Jahres gab mit Pfizer auch noch eine der größten forschenden Pharmafirmen bekannt, aus der Entwicklung neuer Alzheimer-Medikamente auszusteigen. Andere Forschungsfelder seien vielversprechender, hieß es.

 

Doch die Zukunft der Alzheimer-Therapie sieht womöglich rosiger aus, als es derzeit scheinen mag. Eine beachtliche Anzahl an Wirkstoffen befindet sich bereits in Phase III der klinischen Prüfung (lesen Sie dazu Alzheimer-Therapie: Hoffnung, aber noch kein Durchbruch). Die meisten davon haben als Angriffspunkt das β-Amyloid (Aβ), dessen Plaque-förmige Ablagerungen im Gehirn typisch für Alzheimer sind – und deshalb auch schon lange Gegenstand der Forschung. Hatte man zunächst geglaubt, dass Medikamente, die die Plaques auflösen, auch die Demenz beseitigen, wurde man durch Misserfolge mit Anti-Aβ-Wirk- und Impfstoffen leider eines anderen belehrt. Doch die Amyloid-Hypothese ist dadurch nicht widerlegt. Vielmehr haben die negativen Ergebnisse mit Alzheimer-Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung offenbart, dass die Behandlung viele Jahre, ja sogar Jahrzehnte vor dem Beginn der Symptome einsetzen muss, um eine Aussicht auf Erfolg zu haben.

 

Diese Erkenntnis wirft viele Fragen auf: Wie können potenzielle Medikamente am besten getestet werden? Kein Hersteller wird schließlich Studien über einen so langen Zeitraum finanzieren können. Nach welchen Kriterien sollen die Teilnehmer solcher Studien ausgewählt werden? Und vor allem: Wie kann man sicher nachweisen, dass ein Mensch ohne ­erkennbare Gedächtnisprobleme bereits an Alzheimer erkrankt ist und ­daher therapiert werden sollte? Letzteres ist vor allem bei der sporadisch auftretenden Alzheimer-Erkrankung problematisch (Alzheimer-Krankheit: Biomarker zur Vorhersage). Erst wenn die Forschung Antworten auf diese Fragen gefunden hat, wird sich zeigen, wie gut die Wirkstoffe, die jetzt als aussichtsreich gelten, tatsächlich sind.

 

Annette Mende 

Redakteurin Pharmazie

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