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Fachgesellschaft alarmiert

Melphalan erneut nicht lieferbar

11.05.2016  08:48 Uhr

Von Annette Mende / Das zur Behandlung von Patienten mit Multiplem Myelom unverzichtbare Zytostatikum Melphalan (Alkeran®) ist zurzeit nicht lieferbar. Der Lieferengpass besteht seit dem 16. April 2016, wie die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) mitteilte.

Melphalan war bereits in den vergangenen Jahren wiederholt nicht lieferbar, zuletzt vor vier Monaten. Die Fachgesellschaft fordert daher die zuständigen Behörden erneut auf, die Arzneimittelversorgung durch Sanktionen von Herstellern sicherzustellen.

Melphalan steht nicht mehr unter Patentschutz und wird weltweit nur noch von der Firma Aspen in einer einzigen Fabrik in Italien hergestellt. Die Nichtverfügbarkeit des Medikaments hat für Patienten mit Multiplem Myelom schwere Konsequenzen. Bei dieser Erkrankung wird es unter anderem zur Vorbereitung auf eine Stammzelltransplantation in hoher Dosierung angewandt. Eine Umfrage unter 36 Transplantationszentren in Deutschland ergab, dass wegen der Lieferprobleme von Melphalan im Zeitraum von Mitte 2015 bis heute bei 48 Patienten die Transplantation verschoben werden musste und bei 15 Patienten das Konditionierungsschema geändert werden musste.

 

Laut DGHO empfiehlt Alkeran-Hersteller Aspen momentan, dass Ärzte nicht akut erforderliche Behandlungen um einige Wochen verschieben sollen. Darüber hinaus hat der Hersteller eine Kontingentierung eingeführt, um Hamsterkäufe von Apotheken zu verhindern.

 

Für Professor Carsten Bokemeyer, geschäftsführender Vorsitzender der DGHO, ist diese Lage nicht hinnehmbar. Er fordert die Politik erneut auf, tätig zu werden. »Zwar verlangt das Arzneimittelgesetz eine angemessene und kontinuierliche Bereitstellung von Arzneimitteln. Das Problem ist aber, dass eine Nichtbefolgung sowohl straf- als auch ordnungsrechtlich nicht bewehrt ist.« So werde keinerlei Handlungsdruck generiert. Die zuständigen Behörden müssten dringend mit Handlungsmöglichkeiten ausgestattet werden, um bei Versorgungsdefiziten Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung ergreifen zu können, so Bokemeyer. /

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