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Fallbericht

MAO-Hemmer interagiert mit Kaffee

06.05.2014
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Von Annette Mende / »Keinen Käse und Chianti«, lautet ein Ratschlag an Patienten, die Hemmer der Monoaminoxidase einnehmen. So soll ein Blutdruckanstieg aufgrund eines Tyramin-Überschusses vermieden werden. Eventuell muss die Liste bedenklicher Lebensmittel um Coffein-haltigen Kaffee ergänzt werden. Darauf deutet zumindest ein aktueller Fallbericht hin.

Die Monoaminoxidase (MAO) baut über oxidative Desaminierung diverse biogene Monoamine ab, darunter Catecholamine, Serotonin, Histamin und Tyramin. Letzteres ist das biogene Amin der Aminosäure Tyrosin, das unter anderem vasokonstriktiv und so blutdrucksteigernd wirkt. Die beiden Isoformen des Enzyms, MAO-A und MAO-B, sind Angriffspunkte von Arzneistoffen, wobei die Hemmung der MAO-A bei der Behandlung von Depressionen bevorzugt wird und die MAO-B-Hemmung zur Parkinson-Therapie.

 

Im Fachjournal »Annals of Internal Medicine« (160:9; 657) berichten jetzt drei niederländische Ärzte um Dr. Niels van der Hoeven von einem Patienten, der unter der Therapie mit dem nicht selektiven, irreversiblen MAO-Hemmer Tranylcypromin einen starken Blutdruckanstieg erfuhr. Der 56-jährige Mann hatte aufgrund einer Major-Depression das Arzneimittel in steigender Dosierung bis zu der relativ hohen Maximal-Dosis von 50 mg zweimal täglich verordnet bekommen. Nach der letzten Dosissteigerung stieg sein Blutdruck, der zuvor mit 25 mg Hydrochlorothiazid zweimal täglich gut eingestellt gewesen war, innerhalb von Tagen auf mehr als 200/110 mmHg. Der Patient hatte sich nach eigenen Angaben streng an die empfohlene Tyramin-arme Diät gehalten, bis auf ein Glas Rotwein, das er stets zum Abendessen trank. Bemerkenswert war allerdings sein schon jahrelang bestehender hoher Kaffeekonsum von zehn bis zwölf Tassen täglich. Nachdem er auf entcoffeinierten Kaffee umgestiegen war, fiel der Blutdruck auf 129/85 mmHg (tags) und 104/65 mmHg (nachts).

 

Der Genuss von überdurchschnittlich viel Kaffee kann bei Patienten unter MAO-Hemmern schweren Bluthochdruck auslösen, glauben die Autoren des Fallberichts. Sie begründen ihren Verdacht mit In-vitro-Studien, in denen eine MAO-Hemmung durch Coffein gezeigt werden konnte. Ärzte sollten daher erwägen, passionierten Kaffeetrinkern eine Reduktion des Kaffeekonsums nahezulegen, wenn diese mit MAO-Hemmern therapiert werden. /

Weitere schwere Nebenwirkungen betreffen die Blutbildung. Vor jeder Besponsa-Dosis muss deshalb ein großes Blutbild gemacht werden. Auch eine QT-Zeit-Verlängerung ist möglich, weshalb regelmäßige EKG- und Elektrolytspiegel-Kontrollen empfohlen werden. Zu den häufigsten Neben­wirkungen gehörten in Studien Thrombozyto-, Neutro- und Leukopenie, Infektion und Anstieg der Leberwerte. Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren Infektion, febrile Neutropenie, Blutung, Bauchschmerzen, Fieber, VOD/SOS und Fatigue.

 

Da Inotuzumab Ozogamicin reproduktionstoxisch ist, müssen Frauen während der Therapie und für mindestens acht Monate nach Verabreichung der letzten Dosis, Männer bis fünf Monate danach sicher verhüten. Frauen dürfen während der Therapie und bis mindestens zwei Monate danach nicht stillen.

 

Vor Licht schützen

 

Besponsa ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C und in der Original­verpackung aufzubewahren. Zur Rekonstitution mit Wasser für Injektionszwecke und Verdünnung in isotoner Kochsalzlösung enthält die Fachinformation detaillierte Anweisungen. Wichtig ist, dass das Medikament während der Rekonstitution, Verdünnung und Anwendung vor ultraviolettem Licht geschützt werden soll. Zwischen der Rekonstitution und dem Ende der Anwendung sollten höchstens acht Stunden liegen.

 

>> vorläufige Bewertung: Sprunginnovation

 

<typohead type="1">Sarilumab

Mit Sarilumab (Kevzara® 150 mg, 200 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze/im Fertigpen, Sanofi-Aventis) kam im August ein neues Medikament zur Behandlung von Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) auf den Markt. Es handelt sich um einen humanen mono­klonalen Antikörper, der selektiv an Interleukin (IL)-6-Rezeptoren bindet und diese blockiert. Das Zytokin IL-6 ist an verschiedenen physiologischen Prozessen beteiligt, die bei RA eine Rolle spielen, darunter Migration und Aktivierung von T- und B-Zellen, Monozyten und Osteoklasten. In der Synovialflüssigkeit von RA-Patienten finden sich ­erhöhte IL-6-Spiegel. Die Hemmung ­dieses Signalwegs wirkt daher der lokalen und systemischen Entzündung ­sowie der Knochenerosion bei RA ent­gegen. Denselben Angriffspunkt hat auch das 2009 zugelassene Konkurrenz­produkt Tocilizumab (RoActemra®).

 

Allein oder in Kombination

 

Sarilumab darf bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Krankheitsaktivität eingesetzt werden, die auf ein oder mehrere krankheits­modifizierende antirheumatische Arzneimittel (DMARD) unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Die Kombination mit dem DMARD Methotrexat (MTX) ist möglich, aber nicht Pflicht. Die übliche Dosierung beträgt 200 mg Sarilumab subkutan alle zwei Wochen. Bei Neutropenie, Thrombozytopenie, erhöhten Leberenzymwerten oder schweren Infektionen soll die Dosis auf zweiwöchentlich 150 mg gesenkt, die Behandlung gar nicht erst begonnen, unterbrochen oder beendet werden. Die Fachinformation enthält hierzu genaue Anweisungen.

 

Die Injektion soll abwechselnd in verschiedene Stellen an Bauch, Oberschenkel und Oberarm erfolgen, nicht jedoch in empfindliche, verletzte oder vernarbte Hautstellen oder solche mit Blutergüssen. Nach einer entsprechenden Schulung können auch der Patient selbst oder eine Pflegeperson das ­Medikament verabreichen. Dabei soll der gesamte Inhalt der Fertigspritze oder des Fertigpens subkutan injiziert werden. Die Injektionslösung, die im Kühlschrank bei 2 bis 8 °Celsius und im Umkarton aufbewahrt werden muss, soll erst gegeben werden, wenn sie Raumtemperatur angenommen hat. Nach der Entnahme aus dem Kühlschrank darf sie nicht über 25 °Celsius gelagert werden und muss innerhalb von 14 Tagen verbraucht werden.

 

Wurde eine Dosis von Kevzara vergessen, soll sie baldmöglichst nachgeholt werden, wenn seit dem geplanten Anwendungszeitpunkt maximal drei Tage vergangen sind. Sind es schon vier Tage oder mehr, soll diese Dosis aus­gelassen werden. In beiden Fällen wird die Anwendung wie geplant mit der üblichen Dosis beim nächstfolgenden Termin fortgesetzt.

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