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Chronische Schmerzpatienten

Selten beim Spezialisten

07.05.2013  14:23 Uhr

PZ / In Deutschland leiden elf Millionen Menschen chronisch unter Kopf-, Gelenk-, Rücken-, Nerven- oder Narbenschmerzen. Aber nur 2 Prozent der Betroffenen werden von Ärzten betreut, die sich auf dem Gebiet der Schmerztherapie spezialisiert haben. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie hin.

Die allergrößte Mehrheit der Patienten mit chronischen Schmerzen wird nicht vom Spezialisten behandelt und muss daher unnötig lange Schmerzen ertragen. Ihnen könnte die multimodale Schmerztherapie helfen: Dabei kombinieren Ärzte Verfahren wie Medikamententherapie, Patientenschulung, Psychotherapie, Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining bis hin zur Implantation von Elektroden.

»Meist bestehen die chronischen Schmerzen schon sehr lange«, erläutert Dr. Susanne Stehr-Zirngibl, Chefärztin des Schmerztherapeutischen Zentrums am St. Vinzenz-Krankenhaus Düsseldorf, in der Pressemitteilung der DGNC. »Jeder fünfte Patient leidet seit mehr als zwanzig Jahren.« Zu den häufigsten Schmerzarten zählen Kopf-, Gelenk- und Rückenschmerzen. Um die Beschwerden zu lindern, setzen Ärzte bei mehr als der Hälfte der Patienten Schmerzmittel in Form von Tabletten und Tropfen sowie Massagen ein, in etwa einem Drittel der Fälle Wärmebehandlungen und Schlammpackungen. »Das allein hilft aber meist nicht weiter«, meint Schmerzspezialistin Stehr-Zirngibl. »Denn diese Therapien sind passiv, der Patient muss nicht selbst aktiv werden. Aktivierung ist aber dringend erforderlich.«

 

Zu den aktivierenden Verfahren gehören Krankengymnastik, Entspannungsmethoden, Schmerzbewältigungstraining und psychologische Anleitung. »Chronische Schmerzen sind häufig die späte Folge einer traumatischen Erfahrung in der Kindheit«, berichtet Stehr-Zirngibl. »Viele Menschen stecken eine solche Verletzung zunächst weg. Aber wenn später ein einschneidendes Ereignis wie der Tod des Ehepartners, Arbeitsplatzverlust oder eine Operation hinzukommt, kann das Trauma wieder aufbrechen und sich mit chronischen Schmerzen äußern.« In solchen Fällen hilft eine Kombination aus Antidepressiva und Aktivierung sowie Psychotherapie besonders gut, belegen Studien. /

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