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Uni Münster

Absolventen verabschiedet

06.05.2013  20:38 Uhr

Von Andreas Hensel, Thomas J. Schmidt und Eugen J. Verspohl, Münster / Ende April verabschiedete die Uni Münster 51 Studierende nach erfolgreichem Abschluss des Zweiten Staatsexamens. Die Feier konnte zum ersten Mal im großen Hörsaal des im März bezogenen Pharmacampus durchgeführt werden, ein hochmoderner Gebäudekomplex, der erstmalig alle pharmazeutischen Diszi-plinen unter einem Dach vereint.

Professor Dr. Thomas Schmidt begrüßte in Vertretung des verhinderten Vorsitzenden der Prüfungskommission, Professor Dr. Andreas Hensel, die Absolventen und deren mehr als 250 Verwandte, Freunde und Bekannte. In seinem einleitenden Grußwort addierte er den Glucoseverbrauch der Studierenden-Gehirne über die acht Semester und kam zu erschreckend hohen Werten im Tonnenmaßstab. Der Dekan des Fachbereichs Chemie und Pharmazie, Professor Dr. Bart Jan Ravoo, beglückwünschte die Absolventen sehr herzlich, betonte den Wert der wissenschaftlichen Ausbildung und ging auf Zukunftsaspekte ein.

Den Festvortrag hielt Professor Dr. Bernhard Wünsch. »Serendipität« bezeichnet das Phänomen der Zufallsentdeckung, die Entdeckung des eigentlich Nicht-Gesuchten. Er schlug den Bogen von den drei Prinzen von Serendip, die aufgrund einer scharfsinnigen Interpretation von beobachteten Nebenereignissen auf das eigentliche Objekt (Kamel), das sie nie gesehen hatten, schlossen. Wünsch: »Machen wir uns aber nichts vor. Zufall und Glück fallen nicht vom Himmel, sondern wollen erarbeitet sein.« Mit einer »Sterntalermentalität« ganz ohne Eigenleistung werde es kaum gehen. Aktive Suche, scharfe Beobachtungsgabe, Findigkeit und intelligente Schlussfolgerung seien gefragt. Im Folgenden schlug Wünsch den Bogen zur Pharmaforschung. Als Beispiele nannte er den Siegeszug der Benzodiazepine mit der Entdeckung durch Leo Sternbach, die Entdeckung unterschiedlicher Indikationen für den 5-α-Reduktasehemmer Finasterid und die Erweiterung der Angriffspunkte von Sorafenib.

 

Der Semestersprecher Hippolyt Greve ließ die anstrengende Semesterzeit in seiner Rede Revue passieren. Hervorgehoben wurde die ambivalente Situation, Druck und unterhaltsame Stunden. Ideenreich arbeitete er das LADME-Modell ab, übersetzt aus der Pharmakokinetik in den Pharmaziestudierenden-Alltag: L (liberation) = Freisetzung aus dem Elternhaus; einschließlich den Pendlern (retardierte Freisetzung), A (absorption) = Aufnahme in Form der »Ersti«-Feier, D (distribution) = Einbeziehung in den Uni- Gesamtkreislauf, manchmal verbunden mit 2nd pass effect oder mangelnder Bioverfügbarkeit (= Verlust, Nicht- Erscheinen von Studierenden nach kurzer Zeit), M (metabolism) für Entwicklung/Veränderung, E (excretion) für Laborsturm, Ende der aktiven Zeit im Labor.

Nicht der Serendipität, sondern besonderer Einsatzbereitschaft, Durchhaltevermögen, Intelligenz und nur wenig Glück und Zufall ist es zu verdanken, dass eine Studierende aufgrund der Traumnote von 1,2 durch die Apothekerstiftung Westfalen-Lippe, vertreten durch Apothekerin Sandra Potthast, ausgezeichnet werden konnte. Potthast vermittelte zudem mit ihrer Zuversicht ausstrahlenden Art in einem Grußwort die ausgezeichneten Zukunftsaussichten für Pharmazeuten. Höhepunkt der Veranstaltung war schließlich die Übergabe der Zeugnisse durch Professor Dr. Thomas J. Schmidt, der die gute Notenstruktur hervorhob und jeden der Absolventen herzlich beglückwünschte.

 

Studienpreis der Verspohl-Stiftung

 

Im Anschluss erfolgte die Verleihung des Studienpreises der »Verspohl-Stiftung«. Diesen erhielt Marina Szermerski für ihre ausgezeichnete Masterarbeit »Bioisostere LpxC-Inhibitoren: »Enantioselektive Synthese und Struktur-Wirkungs-Beziehungen von Benzyloxyessigsäure-Derivaten«. Die Preisträgerin stellte ihre Arbeit vor: Durch Inhibition des Enzyms LpxC wird die Biosynthese von Lipid A gehemmt und stellt somit einen Angriffspunkt für potenzielle neu zu entwickelnde Antibiotika dar. Ein Zwischenprodukt wurde stereoselektiv hergestellt, aus dem sich intelligente Variationsmöglichkeiten ergaben, die in biologischen Tests erfolgreich geprüft werden konnten.

 

Der mit 3000 Euro dotierte Preis wurde vom Gründer der Stiftung, Professor Dr. Eugen J. Verspohl, übergeben. Hinter der Preiswürdigkeit der ausgezeichneten Arbeit steht die betreuende Arbeitsgruppe von Professor Dr. Bernhard Wünsch zusammen mit Dr. Ralph Holl. Die Veranstaltung endete mit einem Umtrunk im Foyer. Umrahmt wurde sie vom Studierenden-Orchester. /

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