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Salzarme Kost schlecht für das Herz?

10.05.2011
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Von Christina Hohmann / Die Diskussion um den Salzkonsum hält an: Eine aktuelle belgische Untersuchung bringt eine niedrige Natrium-Exkretion im Urin, als Maß für eine niedrige Salzaufnahme, mit einer erhöhten kardiovaskulären Sterblichkeit in Verbindung. Dies berichten Forscher um Jan Staessen von der Universität Löwen im US-amerikanischen Ärzteblatt »JAMA« (doi: 10.1001/jama.2011.574). Eine salzreiche Kost gilt als Risikofaktor für Bluthochdruck und damit für Herz-Kreislauf-bedingte Mortalität. Dieser Zusammenhang ist aber noch nicht abschließend bewiesen.

Die gesundheitlichen Effekte einer salzreichen Ernährung untersuchte auch das Team um Staessen, anhand von Daten von 3681 Patienten, die im Schnitt fast acht Jahre beobachtet wurden. Anhand der Natrium-Ausscheidung im 24-Stunden-Urin wurden die Probanden in drei Gruppen unterteilt. Bei den 2096 Probanden, die zu Studienbeginn noch keinen erhöhten Blutdruck hatten, konnte kein Zusammenhang zwischen der Höhe des Salzkonsums und dem Auftreten einer Hypertonie festgestellt werden. In der Gruppe mit der höchsten Natrium-Exkretion entwickelten 25,4 Prozent, in der mittleren Tertile 26,6 und in der niedrigsten Tertile 27 Prozent eine Hypertonie in der Nachbeobachtungszeit.

 

Auf das kardiovaskuläre Risiko schien der Salzkonsum einen den bisherigen Vorstellungen komplett gegensätzlichen Effekt zu haben: Je niedriger die Natrium-Exkretion (und damit die Kochsalzaufnahme) lag, desto höher war das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. In der Gruppe mit der niedrigsten Natrium-Ausscheidung lag die kardiovaskuläre Mortalität bei 4,1 Prozent, in der mittleren Gruppe bei 1,9 und in der höchsten Tertile bei 0,8 Prozent.

 

Kritik am Design

 

Die Kritik kam prompt: Dr. Peter Briss von den US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention sagte der »New York Times«, die Studie sei zu klein und die Probanden zu jung (im Schnitt 40 Jahre) und mit zu geringem kardiovaskulären Risiko, um Rückschlüsse ziehen zu können. Auch der Vorsitzende der American Heart Association, Dr. Ralph Sacco, kritisierte das Studiendesign und sagte, dass die Ergebnisse nichts an der Empfehlung ändern, nicht mehr als 1,5 g Salz pro Tag zu konsumieren. /

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