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Optiker

Branche mit hartem Wettbewerb

10.05.2011
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Konkurrenz im Internet, Filialisten bestimmen den Markt, Umsatzeinbruch per Gesetz – Optiker haben einige Probleme, die Apotheker schon kennen, und einige, die Apotheker noch erwarten könnten. Einen Einblick in den Markt gab Christian Müller, Vizepräsident im Zentralverband der deutschen Augenoptiker (ZVA).

Im Jahr 2010 erwirtschafteten die insgesamt fast 12 000 augenoptischen Fachgeschäfte in Deutschland einen Umsatz von mehr als 4,9 Milliarden Euro. Durch die Weltwirtschaftskrise entstanden kaum Einbußen, wie eigentlich im gesamten Gesundheitsmarkt, sagte Müller. Der meiste Umsatz wird mit Brillen erzielt, von denen etwa 11 Millionen Stück jährlich verkauft werden. Daneben gibt es noch ein Zusatzsortiment, das von Hörgeräten bis hin zu Essbesteck reichen kann. Optikergeschäfte im ländlichen Bereich brauchen dieses Nebensortiment, während es in Ballungsgebieten eher zu Spezialisierungen etwa auf Sportoptik oder Kontaktlinsen kommt, erklärte Müller.

Der Optikermarkt ist stark von Filialisierung geprägt. Marktführer Fielmann gab 2010 mit 655 Niederlassungen 6,5 Millionen Brillen ab und erwirtschaftete einen Umsatz von 1,16 Milliarden Euro. Die zweitgrößte Kette, Apollo-Optik, machte mit 730 Filialen einen deutlich geringeren Umsatz von 355 Millionen Euro im Jahr 2009. Die zwei größten Filialisten besitzen etwa 11,6 Prozent aller deutschen augenoptischen Betriebsstätten und erzielen einen Umsatz von über 30 Prozent.

 

Ein Problem des Marktes ist die Konkurrenz aus dem Netz. In den vergangenen zwei Jahren sei der Umsatz mit Kontaktlinsen um 8 Prozent gesunken. Diesen Anteil habe man an das Internet verloren, berichtete Müller. »Die Linsen lässt man sich beim Optiker anpassen, was etwa 1,5 Stunden dauert«, so der Referent. »Die Kontaktlinsen selbst bestellt man dann preiswert online.«

 

Einen starken Einschnitt für die Optiker bescherte 2004 das GKV-Modernisierungsgesetz, demzufolge Sehhilfen und Brillen nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wurden. Daraufhin sank der GKV-Anteil am Umsatz von etwa 80 Prozent auf 2 bis 3 Prozent. Im Jahr 2010 betrug er 1,3 Prozent. Dies führte zu einem Umsatzeinbruch von etwa 30 Prozent in 2004 gegenüber dem Vorjahr. »Bis 2006 war der Einbruch aber wieder ausgeglichen«, berichtete der Optiker. Zum einen war dabei die demografische Entwicklung hilfreich, weil die starken Babyboomer-Jahrgänge in das Alter kamen, spezielle Gläser zu benötigen. Zum anderen hatten die Optiker die Möglichkeit gehabt, sich auf diese Entwicklung einzustellen. Denn in den Jahren zuvor waren schon in Großbritannien und in skandinavischen Ländern die Brillen aus der Erstattung entlassen worden. Zudem werden Brillen zumeist dann gekauft, wenn sie gebraucht werden – wenn die alte kaputt ist oder die Gläser neu angepasst wurden. Dabei spielt es keine Rolle, wer die Brille bezahlen muss.

 

Eine Parallele zur Situation der Apothekern ist, dass die Optiker von der demografischen Entwicklung profitieren. Die ältere Bevölkerung braucht deutlich häufiger Sehhilfen sowie entsprechende Beratung durch den Augenarzt als jüngere. Dabei nimmt die Zahl der Augenärzte stetig ab, sagte Müller. Zudem rechnet sich die Untersuchung der Patienten, die mit 17 Euro pro Quartal vergütet wird, für die Mediziner kaum. Eine Folge ist, dass immer mehr Gläseranpassungen vom Optiker vorgenommen werden. Während das Verhältnis von Brillenverordnungen im Jahr 2000 noch bei 50 zu 50 lag, wurden bereits im Jahr 2007 etwa 70 Prozent der Brillen durch den Optiker angepasst. Hier sieht Müller noch Potenzial. Ziel des ZVA sei, das Berufsbild des Optikers weiter zu entwickeln und medizinischer auszurichten. An sechs Hochschulen wird der Nachwuchs ausgebildet. Bei den Optikern habe man die seltene Situation im Handwerk, dass 60 Prozent des Nachwuchses den Bachelor of Science haben, berichtete Müller. Die Hochschulen hätten auch neue Lehrinhalte aufgenommen, vor allem aus den Bereichen Biologie, Pharmakologie und okuläre Pathologie. Ziel sei, dass beim Optiker in Zukunft das Auge untersucht und Augenerkrankungen ausgeschlossen werden. Nur wenn Augenerkrankungen vorliegen, sollten Patienten an den Augenarzt verwiesen werden.

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