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Pharmaindustrie

Forscher und Kopierer bändeln an

06.05.2008
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Pharmaindustrie

Forscher und Kopierer bändeln an

Von Martina Janning

 

Forschende Arzneimittelhersteller und Generikafirmen haben sich zum Schulterschluss entschlossen und betonen ihre wechselseitige Abhängigkeit: Günstige Generika finanzieren heute neue Medikamente und sichern zugleich die Nachbauten von morgen.

 

Das ist neu: Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) und der Verband Pro Generika traten am Montag in Berlin gemeinsam vor die Öffentlichkeit, um den Arzneimittelumsatz im ersten Quartal 2008 zu analysieren. Bislang war das Verhältnis von Original- und Generikaherstellern eher durch Gegnerschaft geprägt; beide wiesen sich gegenseitig die Schuld für steigende Kassenkosten zu: So betonte Pro Generika, dass patentgeschützte Arzneimittel die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen nach oben trieben, und der VFA kritisierte, dass Generika in Deutschland »signifikant teurer« seien als in anderen Ländern. Zwar sind die Preise für Generika gesunken, das hat die Hersteller aber einander nicht näher gebracht. Sie waren sich vielmehr gar nicht so fern: Viele Unternehmensgruppen vereinen Original- und Generikaproduzenten längst unter einem Dach.

 

Wolfgang Späth, Vorstandsvorsitzender von Pro Generika, erklärte den Schulterschluss jedoch so: »Bei aller Unterschiedlichkeit überwiegen die gemeinsamen Einschätzungen.« Nur durch das Zusammenspiel von forschenden Unternehmen und Generikaherstellern könne ein gesetzlich Krankenversicherter neue Arzneimittel bald nach ihrer Einführung erhalten und das System finanzierbar bleiben.

 

Die beiden Verbände präsentierten ihre Arbeitsgebiete als »zwei Seiten der gleichen Medaille«. Innovationen schafften zukünftige Geschäftsfelder für Generikahersteller, sagte VFA-Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfgang Plischke. Und Generika verschafften finanzielle Freiräume für Innovationen. Von der Regierung forderten beide Organisationen »faire Wettbewerbsbedingungen und damit die volle Anwendung des Kartell- und Wettbewerbsrechts auf Krankenkassen«.

 

Die beiden Interessensverbände bewerteten die Arzneimittelumsätze im ersten Quartal 2008 als »moderat« ­ gegenüber dem Vorjahreszeitraum haben sich die Kassenausgaben um fünf Prozent erhöht. Als Gründe nannten die Verbände eine Zunahme chronischer Krankheiten und die Alterung der Gesellschaft. Die Herstellerpreise sind den Angaben zufolge von Januar bis Mai 2008 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,9 Prozent gesunken.

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