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Arzneistoff aus transgenen Ziegen

06.05.2008
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Arzneistoff aus transgenen Ziegen

Von Daniela Biermann

 

Erstmals ist ein in transgenen Tieren produziertes Arzneimittel auf den Markt gekommen.

 

Das rekombinante Protein Antithrombin alfa wird aus Ziegenmilch gewonnen. Die europäische Arzneimittelbehörde EMEA hat Atryn® (Leo Pharma) zum 1. Mai zur venösen Thromboembolieprophylaxe bei chirurgischen Eingriffen an Patienten mit angeborenem Antithrombin-Mangel zugelassen. Für die Produktion pflanzten Wissenschaftler ein humanes Gen, das für Antithrombin codiert, in einen Ziegenembryo. Ein ziegeneigener Promotor sorgt dafür, dass Antithrombin in der Milchdrüse des Muttertiers erzeugt wird. Aus der Milch wird anschließend das rekombinante humane Protein gewonnen. Nach Herstellerangaben ist das Arzneimittel sicher und immunologisch gut verträglich. Da es nicht aus menschlichen Blutpräparaten gewonnen wird, bestehe nicht die Gefahr von HIV- oder Hepatitisinfektionen. Leo Pharma rechnet auch mit einer baldigen Zulassung für Schwangere mit angeborenem Antithrombinmangel.

 

Antithrombin ist der Gegenspieler der Gerinnungsfaktoren Thrombin (Faktor IIa) und Faktor Xa. Heparin beschleunigt seine Wirkung in etwa um das 1000-fache. Daher soll es mit Heparinen kombiniert werden. Das Medikament Atryn ist ein Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung. Jede Durchstechflasche enthält 1750 Internationale Einheiten Antithrombin alfa. Patienten, die auf Ziegenmilch allergisch reagieren, dürfen das Medikament nicht infundiert bekommen.

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