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Hypertonie

Blutdruck schon bei Kindern kontrollieren

03.05.2017
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Von Annette Mende / Weil immer mehr Kinder und Jugendliche einen zu hohen Blutdruck haben, sollen Kinderärzte bei Vorsorgeuntersuchungen auch den Blutdruck kontrollieren. Das geht aus der europäischen Leitlinie zum Management der juvenilen Hypertonie hervor, die im vergangenen Jahr überarbeitet wurde.

 

Beim Internistenkongress in Mannheim stellte eine der Autorinnen, Professor Dr. Elke Wühl von der Universitätsklinik Heidelberg, die Empfehlungen vor. »Ab dem dritten Lebensjahr sollte der Blutdruck bei jeder ärztlichen Vorstellung kontrolliert werden«, sagt Wühl in einer Mitteilung der Deutschen Hochdruckliga.

 

Die Diagnose eines Bluthochdrucks ist bei Kindern komplizierter als bei Erwachsenen. Für die Messung werden spezielle Manschetten benötigt, deren Breite und Länge dem Oberarm der Kinder angepasst ist. Zudem gibt es keinen festen Grenzwert, sondern altersabhängige Obergrenzen. Diese sind generell niedriger als bei Erwachsenen. »Ein Wert von 120 zu 80 mmHg, der für Erwachsene optimal ist, ist bei einem Zwölfjährigen gerade noch normal, bei einem Sechsjährigen zu hoch, bei einem Dreijährigen eine schwere Hypertonie und bei einem Neugeborenen ein Notfall«, erläutert Wühl. Die im Vorjahr im »Journal of Hypertension« erschienene Leitlinie enthält die Grenzwerte für die verschiedenen Lebensalter in Tabellenform (DOI: 10.1097/HJH.0000000000001039). Ab dem 16. Lebensjahr gilt die Erwachsenen-Obergrenze von 140 zu 90 mmHg.

 

Da die Ursache der juvenilen Hypertonie meist Übergewicht oder Adipositas ist, besteht die Behandlung zunächst in einer Änderung des Lebensstils. Angestrebt wird eine Gewichtsabnahme um 1 bis 2 kg pro Monat. »Wenn die Kinder abnehmen und Sport treiben, normalisiert sich in der Regel auch der Blutdruck«, so Wühl. Ist das Ergebnis noch nicht zufriedenstellend, können auch Arzneimittel zum Einsatz kommen. Die meisten Hochdruckmedikamente seien gut verträglich und bei Kindern und Jugendlichen ebenso effektiv wie bei Erwachsenen. Wichtig sei, früh zu intervenieren, um Folgeschäden zu verhindern. Nur sehr selten wachse sich ein Bluthochdruck mit der Zeit aus. /

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