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Krätze

Orales Ivermectin in Deutschland verfügbar

04.05.2016
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PZ / Seit Mai ist mit Ivermectin (Scabi­oral® 3 mg Tabletten, Infectopharm) erstmals ein orales Medikament gegen die Krätze in Deutschland auf dem Markt. Außer gegen Krätze (Scabies) darf es eingesetzt werden gegen die durch Fadenwürmer hervorgerufenen Erkrankungen gastrointestinale Strongyloidiasis und lymphatische Fila­riose. Ivermectin stellt eine Alternative zur topischen Ganzkörperbehandlung mit Permethrin-haltiger Creme dar, die bislang bei Krätze das Mittel der Wahl war.

Ivermectin bewirkt durch Bindung an Ligand-gesteuerte Chloridionen- Kanäle in Nematoden und Arthro­poden eine neuromuskuläre Blockade und daraufhin den Tod der paralysierten Parasiten. Zur Behandlung der Scabies ist eine Einmalgabe von 200 µg pro kg Körpergewicht vorgesehen.

Bei Fortbestand des Krankheitsbilds kann der Arzt innerhalb von 14 Tagen eine Zweitbehandlung verordnen. Zwei Stunden vor und nach der Anwendung sollte keine Mahlzeit eingenommen werden. Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung ist obligat bei Kindern unter 15 kg Körpergewicht sowie Patienten ab 65 Jahren. In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Ivermectin nur nach strenger Indikationsstellung angewendet werden. Interaktionen mit anderen Wirkstoffen sind nicht bekannt; Ivermectin wird allerdings vorrangig über CYP3A4-Enzyme metabolisiert. Als Nebenwirkung kam es in Einzelfällen zu einer vorübergehenden Verstärkung des Juckreizes zu Behandlungsbeginn.

 

Ivermectin wird in Ländern Südamerikas, Afrikas und des pazifischen Raums seit fast 30 Jahren beim Menschen erfolgreich zur Bekämpfung der Onchozerkose und der lymphatischen Filariose eingesetzt. Seit 15 Jahren ist es in Frankreich gegen Krätze verfügbar. /

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