Pharmazeutische Zeitung online
Herpes simplex

Lieber dicke Lippe als rotes Auge

29.04.2014
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Von Jennifer Evans / Bildende Kunst, Schauspiel, Oper, Ballett, Museen, Klassik, Literatur – wer die schönen Künste liebt, hat in Düsseldorf die Qual der Wahl.

Von Daniela Biermann / Herpesbläschen auf der Lippe sind lästig, doch letztlich zu verschmerzen. Setzt sich der Erreger dagegen im Augennerv fest, ist rasches Eingreifen mit antiviralen Medikamenten geboten. Sonst drohen Rezidive und sogar der Sehverlust.

Herpes-simplex-Viren lösen nicht nur Lippenherpes aus, sie können auch das Auge befallen. Handelt es sich um den ersten Kontakt mit dem Virus, kann es sich in den Neuronen des ersten Astes des Nervus trigeminus festsetzen, die das Auge innervieren, statt in den Neuronen des zweiten oder dritten Astes wie bei einer labialen Infektion. Bei einem Drittel dieser Patienten ist mit Rezidiven zu rechnen, die nicht selten schwere Folgen für das Sehvermögen haben können. Wichtig sei daher, eine Primärinfektion mit Herpesviren in Form einer Lidhaut- oder Bindehautentzündung korrekt zu diagnostizieren und mit Aciclovir oder Valaciclovir zu behandeln, warnt jetzt der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands.

Infektion in den ersten Lebensjahren

 

»Das Problem ist, dass wir Augenärzte die Primärinfektionen, die in der Regel in den ersten fünf Lebensjahren auftreten, gar nicht zu sehen bekommen«, sagte Professor Dr. Thomas Reinhard von der Klinik für Augenheilkunde in Freiburg der Pharmazeutischen Zeitung. Meist werde das in der Bevölkerung extrem weit verbreitete Virus von den Eltern auf die Kinder übertragen, zum Beispiel beim Gutenachtkuss auf die Augenlider. Eltern sollten eine Herpesinfektion vor allem von Säuglingen sowie allen Kindern mit Neurodermitis oder allgemeiner Abwehrschwäche generell möglichst vermeiden. Bei ihnen kann nämlich auch der meist harmlose Lippenherpes sehr schwere Verläufe nehmen.

 

In Deutschland haben schätzungsweise 250 000 Menschen dauerhaft mit Herpesviren im Auge zu kämpfen. Die Symptome können stark einer bakteriellen Konjunktivitis ähneln, die weitaus häufiger sei, so Reinhard. Ohne Fachwissen und spezielle Geräte des Augenarztes sei die Art der Entzündung nicht zu unterscheiden. »Deshalb wird sie oft mit antibiotikahaltigen Augentropfen behandelt«, weiß Reinhard aus Erfahrung. Stattdessen wäre eine Therapie mit oralem Aciclovir in Saftform und der fünfmal täglichen Applikation einer virustatischen Augensalbe indiziert, in der Regel über 10 bis 14 Tage, bis die Symptome deutlich abgeklungen sind. Typisch für eine durch Herpesviren ausgelöste Konjunktivitis sind feine Bläschen in der Lidhaut und abgestorbene Zellen in der Bindehaut.

 

Haben sich die Herpesviren erst einmal in den Neuronen des Ganglions festgesetzt, können sie über die Nervenbahnen zurück in das Auge wandern und dort an verschiedenen Stellen erneut eine Entzündung auslösen, vor allem in der Hornhaut (Keratitis). »Mit jedem Rezidiv steigt die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Entzündung«, erklärt Reinhard. Wer bereits ein Rezidiv nach Primärinfek­tion hatte, entwickelt in den nächsten fünf Jahren mit etwa 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein weiteres und danach mit etwa 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein drittes Rezidiv. Möglich sind auch Immunreaktionen gegen exprimierte Virusantigene auf Oberflächen von Zellen in den tieferen Hornhautschichten, die zu Trübungen und einer dauerhaften Einschränkung des Sehvermögens führen können.

 

Rezidive an unterschiedlichen Stellen

 

Die Therapie des Rezidivs ist abhängig von der Lokalisation der Entzündung. Behandelt wird, wenn möglich, lokal statt systemisch. Neben Aciclovir, Val­aciclovir und Ganciclovir steht unter anderem Trifluridin (Trifluorthymidin) zur Verfügung. Im Gegensatz zu den neueren Virustatika dringt dieser Arzneistoff jedoch nicht in tieferliegende Hornhautschichten ein. Außerdem schädigt er nicht nur die infizierten Zellen. Bei schätzungsweise 10 Prozent der Patienten kommt es zu Resistenzen. Dann ist beispielsweise die Off-Label-Gabe von Brivudin eine Alternative. Bei immunologischen Reaktionen setzen Augenärzte lokale, eventuell auch systemische Glucocorticoide ein.

 

»Da Rezidive an unterschiedlichen Stellen des Auges auftreten können und dann auch unterschiedliche Behandlungen erfordern, sollten sich Patienten auf keinen Fall einfach aus ihrem Medikamentenbestand bedienen«, warnte Reinhard. Grundsätzlich gilt bei jeder Augenrötung, dass die Ursache dafür von einem Augenarzt geklärt werden muss. /

Mit bedeutenden Werken von Künstlern des 20. Jahrhunderts trumpft die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen auf. Pablo Picasso, Henri Matisse, Paul Klee oder Piet Mondrian gibt es dort zu sehen. Die Sammlung umfasst drei Ausstellungsorte. Das K20 am Grabbeplatz 5 ist leicht an seiner schwarzen Granitfassade zu erkennen. Der zweite Standort ist das K21 in der Ständehausstraße, das in seinen 22 Räumen hauptsächlich Installationen präsentiert. 

Ein Muss: Die riesige Netzkonstruktion »in orbit« des Künstlers Tomás Saraceno. Mutige Museumsbesucher können über das 2500 Quadratmeter große Stahlnetz in rund 25 Metern Höhe klettern. In dem in der Altstadt gelegenen Schmela-Haus in der Mutter-Ey-Straße 3 finden kleinere Ausstellungen und Vorträge statt.

 

Nicht nur musikalische Highlights zwischen Klassik und Kabarett bietet die Tonhalle im Ehrenhof 1. Der Rundbau am Rheinufer ist auch ein architektonischer Blickfang. 1926 eigentlich als Planetarium erbaut, ist er heute eines der schönsten Konzerthäuser Deutschlands. Seine ursprüngliche Bestimmung verraten noch ein Stern auf der Kuppelspitze und Skulpturenpaare von Mars und Jupiter sowie Venus und ­Saturn. Jährlich finden dort mehr als 450 Konzerte unterm Sternenhimmel statt. Zugleich ist die Tonhalle das musikalische Zuhause der 130 Düsseldorfer Symphoniker.

Hinter einer geschwungenen weißen Blechfassade befindet sich das Schauspielhaus der Stadt. Seine Optik soll an einen riesigen Theatervorhang erinnern. Auf dem Programm stehen klassische Stücke und zeitgenössische Dramatik. Das Haus, dessen Tradition bis ins späte 18. Jahrhundert zurückreicht, gehört zu den größten und bedeutendsten Bühnen im deutschsprachigen Raum. Eine Düsseldorfer ­Institution ist auch das 1947 im Hinterzimmer einer Kneipe gegründete »Kom(m)ödchen«. Mittlerweile gehört es hierzulande zu einem der renommiertesten Kleinkunstbühnen. Neben dem festen Ensemble gastieren auf der Bühne sowohl berühmte Kabarettisten als auch Newcomer der Szene.

 

Für Kulturbegeisterte bietet die Rheinmetropole die sogenannte »Art:card« an. Damit gibt es freien Eintritt zu vielen Museen, Sonderausstellungen und Instituten in Düsseldorf, Neuss und Mettmann. In der Plus-Version ist außerdem ein Rabatt auf verschiedene Schauspiel- und Musikhäuser der Stadt enthalten. Die Karte kostet 80 Euro pro Person, gilt für 12 Monate und ist nicht übertragbar. Sie ist unter anderem in den Düsseldorfer ­Museen sowie in den Touristen-Informationen erhältlich. /

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