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Arzneistofftherapie

Drei Neulinge verfügbar

30.04.2013  17:33 Uhr

Von Sven Siebenand / Zum 1. Mai kamen drei neue Wirkstoffe auf den deutschen Markt. Es handelt sich dabei um den Tyrosinkinase-Inhibitor Bosutinib (Bosulif®), den Guanylatcyclase-C-Agonisten Linaclotid (Constella®) und Ocriplasmin (Jetrea®). Letzterer ist ein erster Wirkstoff zur Behandlung der Augenerkrankung vitreomakuläre Traktion.

Wenn der Glaskörper mit zunehmendem Alter schrumpt, kann dies eine mechanische Belastung beziehungsweise eine Zugkraft auf die Makula zur Folge haben, sodass Löcher in der Makula entstehen. Ocriplasmin, eine rekombinante Form des menschlichen Proteins Plasmin, wirkt proteolytisch auf Proteinbestandteile des Glaskörpers und der vitreoretinalen Grenzschicht ein, sodass die Zugkraft nachlässt. Das Ophthalmologikum wird mittels einer einmaligen Injektion in den Glaskörper verabreicht. Als Dosis werden 0,125 mg empfohlen.

Anwendungsgebiet von Linaclotid ist die symptomatische Behandlung des mittelschweren bis schweren Reizdarmsyndroms mit Obstipation bei Erwachsenen. Die empfohlene Dosis des verschreibungspflichtigen Arzneistoffs beträgt täglich 290 µg. Patienten sollten die Kapsel mindestens eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit schlucken. Die europäische Arzneimittelagentur EMA weist darauf hin, dass nur rund die Hälfte der Patienten von der Einnahme profitiert. Tritt nach vier Behandlungswochen keine Verbesserung der Symptome ein, sollte der Arzt darüber nachdenken, Linaclotid wieder abzusetzen. Der Wirkstoff ist ein synthetisches 14-Aminosäuren-Peptid. Sowohl Linaclotid als auch sein aktiver Metabolit binden an den Guanylatcy­clase-C-Rezeptor an der luminalen Oberfläche des Darmepithels. Dadurch reduzieren sie viszerale Schmerzen, beschleunigen den Magen-Darm-Transit und erhöhen die Sekretion von Flüssigkeit in den Darm.

 

Bosutinib erweitert das Spektrum der Therapieoptionen zur Behandlung erwachsener Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML). Der Tyrosinkinase-Hemmer wurde unter Auflagen von der EMA zugelassen. Sie wird jährlich neue Informationen zu dem Arzneimittel prüfen und gegebenenfalls neue Schritte einleiten. Bis dato gelangte ein EMA-Expertengremium aber zu dem Schluss, dass der Nutzen von Bosutinib bei einer Untergruppe von Patienten, bei denen eine Therapielücke besteht, gegenüber den Risiken überwiegt. Wie andere Tyrosinkinase-Inhibitoren hemmt Bosutinib die pathologisch veränderte Bcr-Abl-Kinase, die zur Entwicklung der CML führt. Der neue Wirkstoff darf in der chronischen Phase, der akzelerierten Phase und der Blastenkrise zum Einsatz kommen. Zugelassen ist das Orphan Drug jedoch nur dann, wenn die CML bereits mit einem oder mehreren Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt wurde und wenn die Substanzen Imatinib, Nilotinib und Dasatinib nicht als geeignete Behandlungsmöglichkeiten angesehen werden. /

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